Economia48 Projekt Wirtschaftslexikon Management Lexikon Lexikon Wirtschaft
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

Zustimmung und Unterstützung für die Antwort »Nein«


Ich möchte Ihnen nun ohne Vorbehalte meine Meinung über China darlegen. Wie Sie in Ihrem Brief erwähnen, haben Unternehmer aus den industrialisierten Ländern dort in weniger als einem von drei Fällen Aussichten auf Erfolg, und trotzdem sollten sie erkennen, daß Geschäfte in China ein Risiko darstellen, das es gilt einzugehen. Für mich gibt es keine Zweifel an dieser Aussage.

Die japanischen Massenmedien haben erst kürzlich darüber berichtet, wie in Japan oder anderen Industriestaaten beheimatete Unternehmen eines nach dem anderen Joint-ventures in China eingegangen sind oder dort Investitionsvereinbarungen getroffen haben. Die Medien in unserem Land geben uns zu verstehen, daß China solchen Unternehmen riesige wirtschaftliche Perspektiven bietet.

Natürlich erhalten wir von den Medien auch Informationen, die anderes in den Vordergrund rücken: Sie machen uns glauben, daß wirtschaftliche Möglichkeiten selbstverständlich, die Risiken in China jedoch außerordentlich hoch sind. Genauso machen sie uns tagtäglich klar, daß sowohl die Zentralregierung als auch die regionalen Regierungen in China die Grundlagen für wirtschaftliche Abläufe verändern und bereits getroffene Entscheidungen widerrufen, was zu Verwirrung unter den ausländischen Unternehmen führt.

Wir alle wissen, daß die Massenmedien dazu neigen, Dinge zu dramatisieren. Trotzdem ist es eine Tatsache, daß China, genauso wie es viele gute wirtschaftliche Perspektiven bietet, beängstigende Risiken birgt. Wie Sie schon erwähnten, ist eine wirtschaftliche Expansion nach China ein Glücksspiel, das viele Unternehmen aus den Industrieländern bis jetzt noch nicht gewagt haben. Man muß dabei berücksichtigen, daß die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns höher einzustufen ist als die Wahrscheinlichkeit des Gelingens. Ebenso äußerten Sie, daß Inflation und Bevölkerungsprobleme grundlegend und systembestimmend sind. Darum ist es verständlich, daß einige Unternehmer zweifeln und warten, bis sie genau wissen, in welche Richtung sich China bewegen wird, bevor sie dort Projekte starten. Eine solche abwartende Verhaltensweise ist recht beliebt unter japanischen Geschäftsleuten. Und wenn man die Situation in China kennt, so kann man sie durchaus nicht als Feiglinge oder Menschen bezeichnen, denen der unternehmerische Esprit abhanden gekommen ist.

Doch Ihre einfache Antwort »Nein« auf die Frage, ob wir die Möglichkeiten und Chancen, die sich uns in China bieten, vernachlässigen können oder nicht, hat mich nachhaltig ermutigt, als ich eine Ausweitung unseres Unternehmens nach China in Erwägung zog.

Viele Aspekte des chinesischen Marktes sind außerordentlich interessant. Japanischen Unternehmern ist dieses auch durchaus bewußt, doch scheint sie China nur als Produktionsstandort oder Zwischenfertigungsstätte für ihre Exporte zu reizen. Dabei sollten doch die Möglichkeiten, die China als Markt bietet, im Vordergrund stehen.

Ein Grund für dieses Verhalten ist nach meiner Ansicht auf die Tatsache zurückzuführen, daß der Internationale Währungsfonds (IWF) das jährliche Pro-Kopf-Einkommen in China für 1991 bei 1450 Dollar ansetzte. Dieser Wert beläuft sich ungefähr auf das Vierfache der offiziell in China verlautbarten Zahlen. Wenn wir eine Bevölkerungszahl von 1,1 Milliarden Menschen voraussetzen, so birgt China einen riesigen Markt mit einem Potential von annähernd 1,6 Billionen Dollar. Es wird behauptet, daß das chinesische Bruttosozialprodukt von 1990, in Dollarwerten ausgedrückt, 2 Prozent der Weltwirtschaft entspricht. Doch sollten die Berechnungen des IWF korrekt sein, betrüge das Bruttosozialprodukt Chinas 6 Prozent weltweit. Damit hätte China hinter den USA und Japan schon Platz drei eingenommen.

Natürlich stimmt es, daß der IWF ein politisches Interesse daran hat, die Wirtschaftskraft der Entwicklungsländer in einem rosa Licht zu sehen. Ebenso ist mir bekannt, daß die chinesische Regierung sich weigert, die Schätzungen des IWF anzuerkennen. Doch was zählt, ist nicht die nackte Zahl. Auch wenn sich die chinesische Wirtschaft nicht auf einem Level mit den Volkswirtschaften der entwickelten Länder befindet, so wird sie unter makroökonomischen Gesichtspunkten schrittweise wohlhabender Zudem ist es absehbar; daß das Konsumverhalten der chinesischen Bevölkerung sich erheblich steigern wird.

Diese Tatsache fällt Menschen, die nach China reisen, vor allen Dingen in der Küstenregion auf. Einer der Orte, auf die das besonders zutrifft, ist Guangdong. Hier haben die engen Verbindungen zu Hongkong eine schnelle Entwicklung gefördert. Wie Schanghai entwickelt sich Guangdong von einem einfachen Produktionsstandort zu einer expandierenden Konsumgesellschaft mit den Perspektiven eines sich ausweitenden Konsumgütermarktes.

 

 

Diese Seite als Bookmark speichern :

 

 

Weitere empfehlenswerte Webseiten:

Elemente einer offenen Kultur unternehmerischen Handelns

Spieltheorie

Eine starke Unternehmenskultur ist ein zweischneidiges Schwert

 

Startseite | Themen | Projekt | Kontakt | Impressum | Rechtliche Hinweise

1| 2| 3| 4| 5| 6| 7| 8| 9

Copyright © 2011 All rights reserved. Wissensarchiv für Wirtschaft