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Zusammenfassung und Schlussfolgerungen - Beschäftigungsbeitrag und Wachstumsmuster kleiner Betriebe


Die spätestens seit den achtziger Jahren konstatierte Trendwende in der Entwicklung der Betriebsgrößenstruktur hat sich in ihren Grundzügen verstetigt: Auch bis zur Mitte der neunziger Jahre zeigen die kleineren Betriebe – zumindest in den Ländern der alten Bundesrepublik – ein auffälliges Wachstum an Zahl und Beschäftigten. Diese Entwicklung ist vor allem im Bereich der Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten zu beobachten.

Allerdings läßt sich am Verlauf der hier verwendeten Querschnittsdaten nicht erkennen, in welchem Umfang das Anwachsen des kleinbetrieblichen Aggregats auf die Zahl der Neugründungen, auf internes Wachstum oder aber auf Schrumpfungsprozesse in den darüberliegenden Größenklassen zurückzuführen ist. Daher kann selbst in Anbetracht des relativ beständigen Wachstums in den unteren Größenkategorien nicht selbstverständlich davon ausgegangen werden, daß sich die auf Aggregatebene festgestellte Resistenz gegenüber konjunkturellen Einbrüchen auch auf einzelbetrieblicher Ebene beweist.

Die hier vorgestellten empirischen Befunde verweisen dennoch auf zweierlei Perspektiven: Einmal läßt die zahlenmäßige Expansion von Organisationen bestimmter Größe darauf schließen, daß sie sich in einer rasch verändernden wirtschaftlichen Umwelt flexibler und besser als große bürokratische Apparate an spezifische Anforderungen des Marktes anzupassen vermögen (inhärente Vorteile). Des weiteren ist das Wachstum dieser kleinen Organisationen jedoch vor allem auch ein sektorspezifisches Phänomen, da die veränderte Struktur der Nachfrage die Expansion kleinbetrieblich dominierter Branchen begünstigt (exogener Effekt).

Dies betrifft nicht nur die betriebsgrößenrelevanten Implikationen der Tertiarisierung insgesamt, die zu einem großen Teil für den Arbeitsplatzschub im Bereich kleiner Betriebe verantwortlich zeichnet, sondern auch die in einigen Branchen des Produzierenden Sektors festzustellende Stabilität und Stärke mittelständischer Potentiale. Auf einer recht groben Betrachtungsebene zählen dazu an vorderer Stelle die Kleinbetriebe solcher Wirtschaftszweige, die sich durch ein hohes Maß an Dezentralität und Standortgebundenheit in der Leistungserbringung charakterisieren lassen und in denen vor allem fordistisch-tayloristische Produktionskonzepte aufgrund einer eher dispersen Nachfragestruktur seit jeher eine vergleichsweise geringere Rolle spielten (z.B. baugewerblicher Sektor, Stahl- und Maschinenbau oder Feinmechanik und Optik). In absoluten Zahlen fallen besonders kleinbetriehliche Leistungen als wachstumsstark ins Gewicht, die sich auf die arbeitsintensiven Bereiche der Reparatur von Gütern oder auf die der Installation, Wartung sowie der Pflege konzentrieren. Solche traditionell handwerklichen Leistungen sind insbesondere durch eine hohe Resistenz gegenüber Rationalisierungen und gegen Verlagerungen ins Ausland gekennzeichnet.

Diese Feststellungen verkennen nicht, daß sich daneben auch eine wachsende Nachfrage nach klein- und mittelbetrieblichen Leistungen in moderneren bzw. technologieintensiven Branchen zeigt (z.B. Feinmechanik, Optik, Meß- und Regeltechnik usw.). Die teilweise dort in relativen Maßen erzielten Zuwächst in den unteren und mittleren Betriebsgrößenklassen sind vor dem Hintergrund der insgesamt rückläufigen Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes durchaus beachtlich. Allerdings bleibt das dabei festgestellte Volumen der Arbeitsstätten- und Arbeitsplatzzuwächse in diesen Wirtschaftszweigen hinter dem absoluten Zuwachs der eher tradierten handwerklichen Tätigkeiten kleiner Betriebe zurück.

Von weitaus größerer Relevanz für die aufgeworfene Frage, wo die Entwicklungschancen kleiner Betriebe liegen und welches Muster diesem Wachstum zugrunde liegt, ist jedoch die Expansion der wissensintensiven und unternehmensorientierten Dienstleistungen. Hier, sowie innerhalb der kurativen Dienste bzw. des Gesundheitswesens, wurden besonders viele neue Arbeitsplätze in kleineren Betrieben bereitgestellt. In diesem wesentlich dem Bereich der Freien Berufe zugehörigen Sektor besteht nicht nur ein hohes Maß an Orts- und Personenbezogenheit bei der Leistungserbringung, sondern vor allem auch eine starke Nachfrage nach individueller Problemlösungskapazität, Professionalität und Spezialisierung. Insbesondere die wissensintensiven Dienste der wirtschaftlichen, technischen und rechtlichen Beratung und Planung erfuhren in den beiden letzten Jahrzehnten einen enormen Aufschwung. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Deindustrialisierung und Modifikation der Massenproduktion erlangen diese Dienstleistungen und damit der Sektor kleiner und mittlerer Betriebe ein noch stärkeres Gewicht.

 

 

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