Economia48 Projekt Wirtschaftslexikon Management Lexikon Lexikon Wirtschaft
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

Wissen und Management im Westen und im Osten


Um die Unterschiede in den Grundannahmen über das Wissen und sein Entstehen besser begreifen zu können, setzen sich die beiden Autoren mit der Erkenntnistheorie beider Kulturen auseinander. Seit der Antike lässt sich die Philosophiegeschichte als Suche nach der Antwort auf die Frage beschreiben: Was ist Wissen? Platon und Aristoteles haben die Grundlagen der westlichen Epistemologie gelegt. Nur durch reine Vernunft, so Platon, könne diese Suche von Erfolg gekrönt sein. Aristoteles betont die Bedeutung von Beobachtung und von klarer Verifizierung einzelner Sinneswahrnehmungen. Descartes stellte 1637 Regeln des rationalen Denkens auf und entdeckte, dass man alle Anschauungen in Frage stellen konnte, nur nicht die Existenz des Fragenden. John Locke postulierte die Objektivität der Dinge, die in der Welt existieren. Selbst bei trügerischen Wahrnehmungen steht zweifelsfrei fest, dass etwas wahrgenommen wird. Locke wies die rationalistische Auffassung angeborener Ideen oder Begriffe zurück und argumentierte für Sinneswahrnehmung und Reflexion. Immanuel Kant führt diese beiden Strömungen zusammen, räumte Erfahrungen als Grundlage des Wissens ein, akzeptierte sie aber nicht als einzige Quelle des Wissens. Nach Georg W. F. Hegel ist sowohl Verstand als auch Materie durch einen dialektischen Prozess vom »absoluten Geist« abgeleitet. Karl Marx wiederum hält Wahrnehmung für eine Wechselwirkung zwischen erkennendem Subjekt und erkanntem Objekt.

In Japan gibt es keine allgemein bekannte Philosophietradition, aber es existiert ein spezifischer Wissensansatz, der Buddhismus, Konfuzianismus und westliche Philosophien miteinander verbindet. Wesentlich ist zunächst die Einheit von Mensch und Natur, die allerdings die Ausbildung eines »gesunden Skeptizismus« verhindert hat. Die besondere Auffassung von Raum und Zeit lässt Japaner die Zeit als einen kontinuierlichen Fluss einer immer wieder neuen Gegenwart begreifen. Die eigentliche Realität ist auf das Hier und Jetzt beschränkt. Japaner gehen also eher von der eigenen Erfahrungswelt aus als von abstrakten oder metaphysischen Theorien. Die Einheit von Körper und Geist ist eine weitere wichtige Tradition Japans: die Betonung der gesamten Persönlichkeit. Wissen ist Weisheit, die aus Sicht des ganzen Menschen erworben wird, daher werden persönliche und körperliche Erfahrungen höher eingeschätzt als indirekte, intellektuelle Abstraktion. Diese beiden Traditionen haben dazu geführt, dass auch das Zusammenwirken von mehreren Personen für Japaner einen hohen Stellenwert einnimmt. Die japanische Auffassung ist kollektiv und organisch, während die des Westens meist atomistisch und mechanistisch ist.

Mit ihrem kritischen Blick auf bedeutende Theorien über Wirtschaft, Management und Unternehmen machen die beiden Autoren ein Paradox deutlich: Die meisten dieser Theorien erwähnen das Wort Wissen kaum, obwohl sie unter dem Einfluss der westlichen Geistesgeschichte streng wissenschaftlich nach objektiven Erkenntnissen streben. Umso wichtiger ist es zu verstehen, wie Unternehmen neue Produkte, neue Methoden und neue organisatorische Formen entwickeln. Und wie neues Wissen geschaffen wird, das diese Entwicklungen möglich macht.

 

 

Diese Seite als Bookmark speichern :

 

 

Weitere empfehlenswerte Webseiten:

Strukturen bestehender Entrepreneurship Education-Programme an Hochschulen – Elemente der Entrepreneurship Education

Eigenständige Organisationseinheiten und Dezentralisierungsprobleme

Dokumente ersetzen Taten: Das Programm »Vorsprung durch Qualität« bei Xerox

 

Startseite | Themen | Projekt | Kontakt | Impressum | Rechtliche Hinweise

1| 2| 3| 4| 5| 6| 7| 8| 9

Copyright © 2011 All rights reserved. Wissensarchiv für Wirtschaft