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Wirtschafts- und gesellschaftspolitische Fragen für Jugendliche und Junge Leute?


Kurze Antwort: Weil in wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen bei den heute erwachsenen oder älteren Generationen „Hopfen und Malz verloren ist“. Sie haben, wie niemals andere Menschen und Völker zuvor, die einzigartige Gelegenheit gehabt, bestimmte existentielle Einsichten zu gewinnen -und haben diese Chance in einem erschütternden Ausmaß ungenutzt gelassen. Sie haben aus jenen Vorgängen nichts geiern und nichts davon verstanden. Was ist damit gemeint? Die Deutschen haben im Zwanzigsten Jahrhundert – hautnah und oft unter unsäglichen persönlichen Schmerzen und Verlusten – ein sozio-ökonomisches „Großexperiment“ erlebt wie es sonst nur die Naturwissenschaftler unter reinen Laborbedingungen (und eben nur auf dem Gebiet der Naturwissenschaften) vollziehen können. Sie waren zunächst Zeugen und millionenfach Selbstbetroffene zweier sozialistischer „Realexperimente“, nämlich des roten Sozialismus in der Sowjetunion nach der Oktoberrevolution – und später im gesamten sogenannten Ostblock, sowie des braunen Sozialismus auf ihren eigenen Boden. Nachdem diese beiden Sozialismus-Varianten den halben Globus vernichtet und viele Hundert Millionen Menschen in Tod, Verstümmelung, Elend, Hunger und Vertreibung gestürzt hatten, bot sich den Deutschen ein bis dahin wiederum einzigartiges „Anschlußexperiment“, nämlich die Teilung ihres vom Krieg verwüsteten Landes und seiner Bewohner (wohlgemerkt Bewohner desselben Kulturkreises und derselben Sprache!) in zwei Hälften: in einen sozialistischer Ostteil und einen marktwirtschaftlichen Westteil. Schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, daß die sozialistische Hälfte zu einem Gebiet der Knechtschaft, des Mangels und der trister. Uniformität wurde, die marktwirtschaftliche Hälfte aber zu einem „Wunderland“ mit bislang unbekanntem Überfluß, Freiheit, Vielfalt, Offenheit und überschäumender Lebensfreude.

Trotz dieser überwältigenden Erfahrungen gewann der Sozialismus – wenn auch in seiner „weichen“, „rosaroten“ Form – in eben diesem freien Westen erneut eine so große Anhängerschaft, daß es der CDU opportun erschien, die Parole „Freiheit oder Sozialismus“ zum Wahlkampfslogan zu küren. Vierzig Jahre nach Beginn des „Experiments“ brach der sozialistische Ostteil schließlich vollständig bankrott zusammen (und mit ihm auch der gesamte Ostblock inklusive des Riesenreiches. Sowjetunion). Was vorher schon jeder hätte sehen können, der dazu willens gewesen wäre, lag nun offen vor den Augen der Welt: Eine vollständig verkommene Bausubstanz und tristeste Wohnverhältnisse, schrottreife Unternehmen und maschinelle Anlagen, leere Läden und alltägliche Warteschlangen, eine marode Infrastruktur, zerstörte Natur und vergiftete Böden und Flüsse, armseligste Energie- und Kommunikationstechnik, verlotterte Straßen mit ein paar stinkenden Einheitsautos, ein parteizensiertes und spärliches Medienangebot, eine fern jeden Rechtsempfindens agierende und politisierte Justiz, ein unabsehbares Heer von Spitzeln und Häschern, ein bis hinunter zu den „Betriebskampftruppen“ militarisiertes und ideologisch verhetztes Volk, und Menschen, die trotz der jahrzehntelangen Anfeuerung zu „Helden der Arbeit“ und „Planerfüllern“ arm waren wie die Kirchenmäuse. Der Westteil hingegen präsentierte sich – trotz der vom halbsozialistischen Sozialdemokratismus sämtlicher Bonner Parteien fast erwürgten Effizienz und schrankenlos verplemperter Milliarden – noch immer als eines der reichsten Länder der Erde, friedlich und offen, hochproduktiv und mit modernster Technik und Infrastruktur, im vielfältigen und hochqualitativen Angebot seiner Waren und Dienste fast ertrinkend, und mit den im weltweiten Vergleich höchsten Umweltstandards.

Doch welche Lehren zogen und ziehen nun die Deutschen in Ost und West aus diesem gigantischen „Experiment“? Sie reden – mehrheitlich! – davon, „nicht alles am Sozialismus sei] schlecht gewesen“ und man müsse nicht nur für die Opfer de SED-Totalitarismus, sondern auch für dessen Täter – „Menschen mit anderer Biographie“ Verständnis aufbringen Sie wählten – nunmehr gemeinsam – eine neue, diesmal rotgrüne Sozialismus-Variante, eine Volksvertretung und Länderparlamente, in denen sogar Marxisten und Leninisten Sitz unc Amt innehaben, und sie reden vom „Voneinanderlernen der unterschiedlichen Systeme“. Kurz: Sie verwandeln das ganze Land – inklusive des Westteils – in eine „DDR light“. Das also ist die Lehre, welche die weit überwiegende Mehrheit der Erwachsenen-Generationen in Deutschland aus dem besagten Großlehrstück ihrer Geschichte gezogen haben. Das Bemühen sich in gemahnender und aufklärerischer Absicht an diese Mehrheit zu wenden, entspricht dem sprichwörtlichen Versuch, „einen Ochsen ins Horn zu pfetzen“. Schon im Jahr 1983 hat der große Ökonom und Nobelpreisträger Friedrich A. um Hayek resignierend festgestellt: „Der Liberalismus [der kurzer Ludwig Erhard-Jahre] ist den Deutschen nur hauchdünn unter die Haut gegangen“, was den Trierer Wissenschaftstheoretiker und Sozialphilosophen Gerard Radnitzky zu den Kommentar veranlaßt hat: „Hier irrte Hayek. Der Liberalismus ist an der Haut der Deutschen abgeperlt als hätte man eine Gans mit Wasser begossen.“ Deshalb also mein Entschluß und das Wagnis, hier ausdrücklich die jüngeren Deutschen anzusprechen.

 

 

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