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Wie soll man sich das vorstellen, eine „Entreicherung der gesamten Bevölkerung“ durch den Eingriff in das Kapital eines Kapitalisten?


Nehmen wir zur Veranschaulichung ein einfaches Beispiel zu Hilfe: Ein Arbeiter, der nur mit geringem Kapital ausgestattet ist, beispielsweise mit einer Schaufel, braucht vielleicht 8 Stunden anstrengender Arbeit, um einen Graben von zehn Meter Länge, einem halben Meter Breite und zwanzig Zentimeter Tiefe auszuheben. Nehmen wir an, dem Auftraggeber sei die Herstellung des Grabens hundert Mark wert. Der Arbeiter mit der Schaufel kann also für die achtstündige schwere Arbeit nicht mehr als hundert Mark Lohn erwarten. Nehmen wir nun an, ein Kapitalbesitzer, nämlich der Besitzer eines kleinen Baggers, würde dieses Gerät einem seiner Arbeiter zu einem Stundenmietpreis (Kapitalverzinsung und Amortisation) von 20 DM zur Verfügung stellen. Der betreffende Arbeiter könnte nun in derselben Zeit (8 Stunden) fünf Gräben der besagten Größe ausheben, und das sogar mit weit geringerer Anstrengung. Das heißt, er könnte 5 mal 100 Mark = 500 Mark, minus 8 mal 20 Mark Kapitalentgelt = 160 Mark, per Saldo also 340 Mark Lohn für die acht Stunden Arbeit kassieren. Noch besser würde sich die Situation und die Verdienstaussicht des Mannes gestalten, wenn ihm ein Kapitaleigentümer noch mehr und noch besseres Kapital zur Verfügung stellen würde, zum Beispiel einen Großbagger. Kurz: Die Produktivität der Arbeit – und damit auch die mögliche Lohnhöhe – hängt fast ausschließlich von der Menge und Güte des eingesetzten Kapitals ab. Zwar läßt sich die Arbeitsproduktivität auch durch größere Anstrengung und durch eine bessere Organisation der Arbeit ein wenig steigern, aber der bei weitem wichtigste Faktor ist der Kapitaleinsatz. Deshalb bestimmt die Menge und Qualität des in einem Unternehmen – und des in einer ganzen Volkswirtschaft eingesetzten Kapitals, wie wohlhabend ein Volk wird und wie hoch das Lohnniveau im betreffenden Betrieb und im betreffenden Land steigen kann. Das bedeutet aber zugleich: Jede politische – also gesetzliche, fiskalische, administrative oder bürokratische Behinderung, Beeinträchtigung, Besteuerung, Lenkung, Knebelung oder gar Verfolgung und Enteignung des Kapitals (oder der Kapitaleigentümer) schlägt mit voller Wucht negativ auf den Wohlstand und die Lebenschancen der ganzen Bevölkerung durch – vor allem der sogenannten Arbeitnehmer. Wo das Kapital politisch, gesetzlich, gewerkschaftlich oder bürokratisch angefeindet, behindert, geschädigt, geschlagen oder verjagt wird, da wird in Wirklichkeit das Volk und die breite Schicht der Beschäftigten geschädigt und geprügelt. Im unbehinderten Kapitalismus kann es – außer in wenigen schicksalhaften Einzelfällen – niemals so etwas wie Armut der Bevölkerung geben. Ärmer werden – oder mühsamer wohlhabend werden – oder ganz verarmen können breite Schichten oder ganze Nationen seit dem Aufkommen des Kapitalismus nur dann und nur dort, wo die Politik und die Netze der Verbandsinteressen die Kräfte des Kapitalismus fesseln, knebeln und ersticken. Und mit dem Kapitalismus und dem Wohlstand erstickt dann zugleich auch die Freiheit. Deshalb gilt auch diesbezüglich die Mahnung von Ludwig Mises: „Freiheit findet sich nur in Bereichen, in welche die Regierung (der Staat) nicht eingreift. Freiheit ist immer Freiheit von der Regierung (vom Staat). Sie ist Beschränkung des staatlichen Eingriffs.“ (Mises 1958) Und damit versteht man auch besser, was der bedeutende amerikanische Ökonom Henry Hazlitt gemeint hat, als er (sinngemäß) sagte, das wahre Problem der Armut sei kein Verteilungs-, sondern ein Produktionsproblem; die Armen seien nicht deshalb arm, weil man ihnen etwas vorenthalte, sondern weil sie zu wenig, zu schlecht oder das falsche produzierten. Da mit meinte er genau das: die politische Behinderung und Fehllenkung oder Vertreibung und Abschreckung des Kapitals, womit es den Armen erschwert oder unmöglich gemacht wird, mehr zu verdienen.

Das alles läßt sich nicht nur theoretisch belegen, sondern ,mich historisch und mit handfesten Zahlen. Im Land des Kapitalismus z.B., in den USA, war das Realeinkommen (also die inflationsbereinigte Kaufkraft des Einkommens) im Jahr 1990 um das 15fache höher als 1900, pro Kopf gerechnet um das Vierfache. Die Reallöhne der Arbeitnehmer waren 1990 mehr als achtmal so hoch wie 1900, obwohl die Arbeitszeit von 60 auf 39,3 Wochenstunden gesunken ist. 1900 haben die ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung 4,8% des Nationaleinkommens bezogen, 1990 waren es 4,6% – also in etwa die gleiche Relation, aber bei einem real (!) 15fach höheren Nationaleinkommen. Also sind auch die Armen viel viel reicher geworden. Nach der heutigen Armutsdefinition lebten 1900 in den USA 56% der Familien in Armut, 1967 – also noch vor dem Wuchern des Wohlfahrtsstaates – nur noch 13%. Pro Person wurde 1990 um folgende Prozentzahlen real (!) mehr ausgegeben als 1900: für Lebensmittel 54%, für Kleidung 238%, für Miete 641%, für Wasser 335%, für Elektrizität 26400%, für Gesundheit 1021%, für Transport und Verkehr 1034%. Der Prozentsatz an Wohnungen und Häusern mit fließendem Wasser stieg von 24 auf fast 100%. Der Anteil der Haushalte mit Auto stieg von 0 auf 98%, mit Kühlschrank von 0 auf 100%, mit Telefon von 5 auf 95%. Die Zahl der Toten je hunderttausend Personen fiel bei Tuberkulose von 194 auf 0,70; bei Typhus von 31 auf 0,05; bei Diphtherie von 40 auf 0,05; bei Keuchhusten von 12 auf 0,05; bei Masern von 13 auf 0,05; bei Grippe und Lungenentzündung von 202 auf 32, und bei Gastritis und Kolitis von 143 auf 1. (s. Mathews 1997) Hinzu kommt, daß in den USA (und nicht nur dort!) ein Haushalt heutzutage statistisch als arm gelten kann, der eine Waschmaschine hat, einen Wäschetrockner, einen Kühlschrank, einen Mikrowellenherd, einen Farbfernseher, einen Videorecorder und ein Auto. Wenn man eine realistische Armutsdefinition zugrunde legt, nämlich eine am realen Konsumniveau orientierte (statt der nominellen Einkommensgrenzen) – wie das der Ökonom Daniel Slesnick von der Universität Texas in einer Studie getan hat, dann kommt man zu dem Ergebnis, daß 1956 noch 24% der US-Haushalte arm waren, 1989 aber nur noch 2% (wobei in dieser Studie staatliche Wohlfahrtsleistungen wie Medicaid, Sozialwohnungen und viele kommunale Leistungen sogar ausgeklammert wurden). (s. ebenfalls Mathews 1997).

 

 

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