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Wie Wissen im Unternehmen geschaffen wird


Echte Innovationen entstehen dann, wenn nicht nur Wissen von außen nach innen geleitet wird, sondern auch von innen nach außen wirklich neues Wissen entsteht, das Lösungen neu definiert und das umgestaltet. Dies erfordert eine neue Theorie der Wissensschaffung im Unternehmen, die stark von der westlichen Tradition abweicht. Grundpfeiler der neuen Epistemologie bildet die Unterteilung in explizites und implizites Wissen. Diese Dimension verknüpft sich mit der ontologischen Dimension, in der die Wissensentwicklung vom Individuum zur Gruppe, dann zum ganzen Unternehmen und darüber hinaus in dessen Umfeld wirkt. Aus dieser Wechselwirkung entstehen vier Formen der Wissensumwandlung: Sozialisation, Externalisierung, Kombination und Internalisierung. Sozialisation ist ein Erfahrungsaustausch, der durch Beobachtung, Nachahmung und Praxis entsteht und ohne Sprache unmittelbar vermittelt wird. Externalisierung ist der Prozess der Artikulation von implizitem Wissen in expliziten Konzepten. Durch Metaphern, Analogien und Modelle ergeben sich bildliche Vorstellungen und logische Konzepte und Aussagen. Es folgt die Kombination der expliziten Wissenskomplexe durch Austausch über Medien, Besprechungen oder Computernetze. Diese Form des Wissensaustausches ist in Unternehmen die häufigste, weil konkreteste Variante. Nun ist es wichtig, dass diese neu geschaffenen Kombinationen und Lösungen wieder zu implizitem Wissen werden. Internalisierung ähnelt dem »learning by doing« und setzt darauf, dass Informationen und Wissen als Erfahrung verinnerlicht werden. Zur Wissensspirale wird diese Systematik, wenn vom interaktiven Feld der Erfahrungsweitergabe über den Dialog, die Verbindung von explizitem Wissen und dem »Learning by doing« eine neue Ebene des interaktiven Feldes erreicht wird. Ausgehend von der individuellen Ebene erfasst dieser Spiralprozess immer mehr Interaktionsgemeinschaften und überschreitet sogar die Grenzen des Unternehmens. Für die Wissensschaffung im Unternehmen beschreiben die Autoren fünf Voraussetzungen:

Das entscheidende Element der Unternehmensstrategie sehen die Autoren darin, eine Vision über das zu entwickelnde Wissen in Konzepte zu fassen und sie durch ein geeignetes Managementsystem umzusetzen. Diese Intentionen sind wertbezogen und fördern das Engagement der Mitarbeiter.

Alle Mitglieder des Unternehmens sollen so autonom handeln können, wie es die Umstände erlauben. Dies fördert die Flexibilität und die Bereitschaft, Wissen weiterzugeben und zu entwickeln. Fluktuation und kreatives Chaos werden als Faktoren gesehen, die zu einer beabsichtigten Störung des gewohnten Zustandes führen. Das zwingt zur Überprüfung der Grundanschauungen und fördert damit neue Konzepte. Gleichzeitig erhöht das kreative Chaos die Spannung im Unternehmen und die Denkfähigkeit der einzelnen Mitarbeiter. Eine gewisse Redundanz ist notwendig, also die Existenz von Informationen, die über die unmittelbaren operativen Bedürfnisse der Unternehmensangehörigen hinausgehen. Redundanz ermöglicht ein Lernen durch Eindringen in individuelle Wahrnehmungssphären, die den eigenen Horizont erweitern.

Ein vielfältiges Informationsangebot ist notwendig, das für alle Mitarbeiter zugänglich ist, so dass im Grunde jeder zu jeder Zeit an solche Informationen kommen kann, die ihm weiterhelfen.

Aus diesen Erkenntnissen heraus entsteht das Fünf-Phasen-Modell der Wissensschaffung im Unternehmen: erstens Wissen austauschen, zweitens Konzepte schaffen, drittens die Konzepte erklären, viertens Archetypen bilden und schließlich fünftens das Wissen übertragen.

Die Autoren unterscheiden die Begriffe »Information« und »Wissen« deutlich voneinander. Im Gegensatz zur reinen Information geht es beim Wissen um Vorstellungen, Engagement, zweckgerichtetes Handeln und Bedeutung, es ist daher kontext- und beziehungsspezifisch. Wissen ist damit »ein dynamischer menschlicher Prozess der Erklärung persönlicher Vorstellungen über die Wahrheit« .

 

 

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