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Wie Teamarbeit untergraben wird


Eine bei Microsoft durchgeführte Studie zeigte, warum Teamarbeit gerade für diesen Softwaregiganten so wichtig ist: »Da Desktopanwendungen immer komplexer werden, kann der einzelne Programmierer unmöglich an alles denken, was eine bestimmte Software können muss, wie sie funktioniert und was sie tatsächlich leistet. Zur Entwicklung dieser Anwendungen müssen mehrere Mitarbeiter mit unterschiedlichem Hintergrundwissen und Erfahrungen zusammenarbeiten, um eine Software zu entwickeln, in die das gemeinsame Wissen einfließt.«8 Die Fallstudie legte dar, dass die Manager hei Microsoft genau wussten und auch mehrfach bestätigten, dass die Entwicklung von Software davon abhänge, »Informationen darüber auszutauschen, wer was wie macht, und die Produktivität innerhalb des Teams zu fördern«. Trotzdem setzte sich diese Arbeitsweise nicht durch, weil »das eingesetzte Prämiensystem lediglich die Leistung des einzelnen Mitarbeiters bewertet und deshalb dem Teamgeist zuwiderläuft sowie die Konkurrenz unter den Mitarbeitern verstärkt, ... die ein unüberwindbares Hindernis für den effizienten Austausch von Wissen und Fähigkeiten darstellt«? Ein Mitarbeiter von Microsoft fasst dieses Symptom wie folgt zusammen: »Manchmal vertieft sich ein bestimmter Mitarbeiter wirklich in seine Arbeit und erzielt exzellente Ergebnisse, teilt sich aber nicht mit ... und gibt seine Erkenntnisse nicht an das Team weiter. Diese Sorte Mitarbeiter genießt im Top-Management hohes Ansehen ... Solange der Einzelne für seine Innovationen und seine Risikobereitschaft hohe Prämien kassiert und nicht berücksichtigt wird, ob das gesamte Team das aufgestellte Arbeitsziel erreicht, wird es nur Einzelkämpfer geben, denen nicht bewusst ist, dass man zum einen gute Arbeit leisten soll und zum anderen die Ergebnisse auch seinem Team zur Verfügung stellen muss, damit es keine unliebsamen Überraschungen gibt. « Diese Fallstudie deckte auf, dass bei Microsoft ein relativ niedriges Grundgehalt bezahlt wird, das aber durch Erfolgsprämien aufgestockt werden kann. Dieses Prämiensystem ist jedoch so gestaltet, dass nur Einzelleistungen bewertet werden. Im Allgemeinen führt diese Struktur letztendlich dazu, dass die Angestellten gegenseitige Hilfe unterlassen. Nicht nur geht es zu Lasten der eigenen Arbeitszeit, wenn man einem Kollegen hilft, vielmehr führt dieses Prämiensystem dazu, dass »die Unterstützung eines Kollegen und damit die Steigerung von dessen Produktivität die eigene Chance auf eine Leistungsprämie verringert«. Die innerbetriebliche Konkurrenz veranlasst die Mitarbeiter, ihre Informationen zu horten. Jeder will der Experte sein, der mehr weiß als alle anderen. Es liegt wohl auf der Hand, dass es somit unmöglich ist zu erfahren, was andere Mitarbeiter gerade tun und wie sie es tun. Microsoft ist berüchtigt dafür, Softwareprogramme auf den Markt zu bringen, die unzählige Fehler, so genannte Bugs, enthalten. In der Fallstudie werden als mögliche Ursache dafür die Konkurrenz unter den Mitarbeitern und die Einzelkämpfermentalität genannt. Da sich individuelle Erfahrung und Fachwissen in einem hohen Gehalt niederschlagen, versucht jeder, seine Schwächen vor den anderen geheim zu halten. Die Leiterin der Abteilung für Qualitätssicherung wurde im Laufe der Studie zu diesem Phänomen befragt und gab zur Antwort, dass sie sich verstärkt dafür einsetze, Programmierer innerhalb der Arbeitsteams rotieren zu lassen, da Bugs auf diese Art und Weise leichter entdeckt werden könnten. Doch sie gab zu, dass die Mitarbeiter gerade aufgrund der innerbetrieblichen Wettbewerbssituation fürchteten, ihre Bugs könnten entdeckt werden, und sich deshalb oft weigerten, das Rotationsprinzip anzuwenden. Obwohl den Managern von Microsoft die Vorteile der Teamarbeit bekannt waren, zeigte die Fallstudie, dass es sich zumindest im untersuchten Geschäftsbereich aufgrund des Konkurrenzkampfes und des Prämiensystems als sehr schwierig erwies, dieses Wissen umzusetzen. Zahlreiche Berichte bestätigen im Übrigen, dass nicht nur dieser eine Bereich von Microsoft mit diesem Problem zu kämpfen hat. Daran wird sich nichts ändern, solange ein Managementstil praktiziert wird, der die Ellbogenmentalität fördert, internes Lernen verhindert und dafür sorgt, dass die Mitarbeiter nur aus Geldgründen Loyalität zur Firma zeigen.

 

 

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