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Weitergabe des Wissens


In der Geschäftswelt, in der es hauptsächlich um Strategien und Konzepte, Präsentationen und ganz besonders um viele schöne Worte geht, gerät eine wichtige Grundregel oft in Vergessenheit: Taten – und dazu gehören auch das Erklären und die Weitergabe von Wissen – bewirken mehr als tausend schöne Worte. Rajat Gupta, seit 1994 Generaldirektor bei der Unternehmensberatung McKinsey, sagt über den Wert der firmeninternen Aus- und Weiterbildung zum Manager: »Bei der Ausbildung geht es darum, einerseits durch direkte Beobachtung und andererseits von einem erfahrenen Lehrmeister zu lernen ... Es hat auch einen sehr hohen Lerneffekt, wenn man ins kalte Wasser geschmissen wird und versuchen muss, ohne die Hilfe eines anderen wieder herauszukommen.« Der Top-Manager von General Motors, Tom Lasorda, meint zu diesem Thema: »Der Übergang von theoretischem Wissen zum praktischen Wissen ist das Problem. Es gibt vieles, worüber wir theoretisches Wissen haben [zum Beispiel über standardisierte Arbeitsabläufe oder Lean Management], aber im Grunde genommen wissen wir gar nichts, weil wir dieses Wissen noch nie einem anderen vermittelt oder es in die Tat umgesetzt haben. Ich betrachte es als einen echten Mangel, wenn sich Menschen nicht in den Lernprozess einbringen, indem sie ihr Wissen anderen vermitteln. Man sieht doch in der Praxis, dass diejenigen Unternehmen, bei denen der Lernprozess so gehandhabt wird, wesentlich erfolgreicher sind. Aus dem einfachen Grund, weil die Menschen dort verstehen, was sie tun. Sie engagieren sich viel stärker, weil sie das Wissen selbst vermitteln und anderen bei der Implementierung helfen.« Das Unterrichten ist auch eine Art der Wissensaneignung, ebenso wie einen Arbeitsablauf selbst zu erledigen, verschiedene Dinge auszuprobieren und zu experimentieren. Wie schon David Sun von der Firma Kingston Technology meint: »Nur wenn man etwas tut, weiß man darüber Bescheid.« Hinter der bei Honda üblichen Praxis, den Mitarbeitern die Untersuchung konkreter Teile in konkreten Situationen zu ermöglichen, steckt der Gedanke, dass wirkliches Verständnis und Lernen nur dann möglich ist, wenn man alles sehen und begreifen kann. Bei IDEO Product Development, dem größten und erfolgreichsten Beratungsunternehmen für Produktdesign, sieht man den größten Lernerfolg darin, einfach auszuprobieren, was funktioniert und was nicht, aus den Fehlschlägen zu lernen, daraus die Konsequenzen zu ziehen, und es anschließend erneut zu versuchen. Firmenchef David Kelley betont immer wieder gerne: »Durch aufmerksames Ausprobieren nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ erreicht man wesentlich mehr als durch strategische Planung kluger Köpfe.« Ebenso wie die anderen handlungsorientierten Firmen, die Gegenstand unserer Untersuchung waren, macht Kelley keine leeren Worte. Bei IDEO lebt man nach dem Prinzip Versuch und Irrtum Ingenieur Peter Skillman bestätigt dies: »Die schnelle Entwicklung eines Prototyps ist bei uns Gesetz. Sobald uns eine Idee in den Kopf kommt, bauen wir einen Prototyp, damit wir etwas Greifbares vor ans haben, das wir testen und entsprechend ändern können.« Kelley, Skillman und viele andere Führungskräfte von IDEO halten regelmäßig Schulungen ab, in denen sie Managern, Ingenieuren and Designern ihre Firmenphilosophie erläutern und sie auch gleich umsetzen, indem sie die Teilnehmer dazu auffordern, ihre Vorstellungen zu skizzieren, zu bauen und sie den anderen Teilnehmern sofort vorzustellen. Diese Praktiken – praxisbezogenes Lernen, Erfahrungen machen, Lernen durch Probieren und Weitergabe dieses Wissens – mögen sehr altmodisch erscheinen, denn heutzutage ist das Prinzip des Fernlernens angesagt. Viele Firmen verkaufen CD-ROMs, mit deren Hilfe jeder für sich alleine an seinem PC lernen kann. Es werden Tausende und Abertausende von Seminaren über Denkmodelle, Konzepte und Strategien abgehalten. Ein derartiges Lernumfeld ist auch durchaus zur Vermittlung von konkreten, kognitiven Lerninhalten geeignet. Wissen über Unternehmen, Geschäftstätigkeit und Menschen dagegen kann man sich eigentlich nur durch Erfahrungen aus erster Hand aneignen. Die greifbaren, physikalischen und materiellen Aspekte der Wissensaneignung und der Wissensvermittlung, das Lernen aus der Erfahrung und aus dem Unterrichten anderer sind außerordentlich wichtig. Der leitende Qualitätsmanager eines großen Finanzdienstleistungsunternehmens beschreibt, wie seine Firma im Laufe der Jähre erkannte, dass Erfahrung der beste Lehrmeister ist: »Zu Beginn unserer firmeninternen Schulungen und Fortbildungsmaßnahmen haben wir vermutlich viele Fehler gemacht. Wir gingen einfach so vor wie seinerzeit unsere Ausbilder ... Der Ausbilder steht vor der Lerngruppe und vermittelt die Fakten, die gelernt werden sollen. Dann erkundigt man sich, ob es dazu noch Fragen gibt, bespricht sie und fertig. Man erwartet von den Auszubildenden, dass sie schon irgendetwas aus diesem Wissen machen werden. Das ist ein großer Irrtum! Aus diesem Grund bestehen nun unsere Schulungen aus einem experimentellen Lernteil in Kombination mit dern herkömmlichen Schulungsbuch. Die Schulungen haben sich so etwas verbessert ... Wirklich wichtig ist, dass man ein Team zusammenstellt und einen Geschäftsprozess bespricht, der sie tatsächlich betrifft und deshalb auch interessiert. Dann kann man ihnen ganz praxisbezogen die Hilfsmittel [der Qualitätssicherung] erklären und nahe bringen.« Das Lernen durch Ausprobieren ist bedauerlicherweise eine kostenintensive Form der Wissensvermittlung, denn im Gegensatz zur Unterrichtsgestaltung an modernen Schulen ist hier der Einsatz des Internets und das Abhalten von Seminaren in vollgepackten Vorlesungssälen kaum möglich. Eines kann jedoch kaum mehr bestritten werden: Wissen, das man sich durch Ausprobieren aneignet, ist umfassender, genauer und wird meist nicht wieder vergessen. Außerdem wird auf diese Weise die Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln am nachhaltigsten verhindert.

 

 

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