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Was ist Entrepreneurship Education? – Elemente der Entrepreneurship Education


Die Entrepreneurship Education ist ein sehr junges Forschungsgebiet, das noch nicht über eine vorherrschende Lehrmeinung verfügt. Jedoch macht es die stark anwachsende Zahl der an amerikanischen Hochschulen angebotenen Kurse (vgl. z.B. Welsch 1996, S. 5) und die auch in Deutschland gestiegene Bedeutung der Thematik Entrepreneurship notwendig, sich mit den Inhalten und Methoden der Entrepreneurship Education auseinanderzusetzen.

Entrepreneurship ist das Erkennen von Marktchancen und das Realisieren der Wertschöpfungspotentiale durch das Gründen von Unternehmen. Dabei kann von der Innovation als Erfolgsdeterminante ausgegangen werden. Innovatives Entrepreneurship bedeutet, den Markt genau zu beobachten, querzudenken, Bestehendes zu hinterfragen und verbesserte Produkte oder Dienstleistungen zur Befriedigung von Kundenbedürfnissen zu entwickeln und dadurch neuen Wert zu schaffen. Allgemein formuliert ist es das Hauptziel der Entrepreneurship Education, Personen auszubilden, die ein neues Unternehmen gründen möchten.

Die Entrepreneurship Education muß zwischen persönlichen Charaktereigenschaften und fachlichen bzw. sozialen Fähigkeiten unterscheiden. Die Teilnahme an Aus- und Weiterbildungskursen kann kaum Einfluß auf die Prägung von Charaktereigenschaften nehmen. Mit der Entwicklung von pädagogischen Innovationen im Bereich der Projektarbeit, des selbstorganisierten Lernens bzw. der kooperativen Selbstqualifikation erscheint aber sowohl eine Förderung der benötigten psychologischen Fähigkeiten wie z.B. Hingabe, Risikotoleranz und Kreativität wie auch eine Verbindung der rationalen Merkmale des kreativen Prozesses mit der emotionalen Innovationsfähigkeit des Künstlerischen möglich. „Setzt man einmal voraus, daß basale (und hier wird nur an grundlegende psychische Dispositionen, nicht an spezifische Eigenschaften, Fähigkeiten, Fertigkeiten gedacht) Unternehmerfähigkeiten nicht ausschließlich angeboren sind, sondern im Laufe des Lebens erlernt werden können, und setzt man des weiteren voraus, daß dieses auch durch gelenkte Lernprozesse stattfinden kann, so könnte ein (...) Ansatz der Nutzung bisheriger Ergebnisse der Entrepreneurship-Forschung in dem Versuch liegen, diese Eigenschaften durch gezielte Unterrichtsveranstaltungen heranzubilden“ (Klandt 1994, S. 6).2

Allerdings ist der Versuch, die Persönlichkeit zu entwickeln, nicht die einzige Ebene der Entrepreneurship Education. Denn ergänzend zum kreativen Teil der Entwicklung der unternehmerischen Idee und der Notwendigkeit zu Beharrlichkeit und Selbstvertrauen, wird in Theorie wie Praxis deutlich, daß (Gründungs-) Erfahrungen und ökonomisch-technologische Qualifikationen sowie sog. „soft-skills“, z.B. Führungstechnik und Kommunikation, ebenfalls entscheidende Größen für den Erfolg sind, die ihrerseits in Bildungsveranstaltungen mit unterschiedlichen Methoden vermittelt werden können. Folglich erscheint es möglich, einen Großteil der benötigten Voraussetzungen als einen aus lehrbaren Teilen bestehenden, in Phasen unterteilbaren Managementprozeß darzustellen und ein entsprechendes Bildungsangebot zu entwickeln.

Unterstützt wird die Annahme, daß Entrepreneurship lehr- oder zumindestens förderbar ist, versteht man Lernen als einen Prozeß „... mit relativ dauerhaften, bewußten und unbewußten Resultaten, durch den neue Handlungs- und Verhaltenspotenzen der Individuen entstehen oder bereits in ihrem psychosozialen Repertoire vorhandene sich verändern“ (Krauß/Sell 1986, S. 44, eigene Hervorhebung). Denn wenn eine intrinsisch motivierte Person sich gezielt darin übt, Marktinformationen zu sammeln und auf deren Basis ökonomisch selbständig zu entscheiden, so kann mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, daß sich deren Handlungspotenzen verbessern, also von Lernen gesprochen werden kann. Ein Entrepreneurship Education-Programm kann durch die Förderung der Überzeugung, eine Gründungssituation meistern zu können, direkt zum auslösenden Moment des Entrepreneurships werden.

Die Lehrzielie der Entrepreneurship Education können wie folgt zusammengefaßt werden:

1. Wertebasis: Verständnis und Wertschätzung der Funktion des Unternehmers im Wirtschaftsprozeß;

2. Ökonomische Kreativität: Die Fähigkeit, innovative und gleichzeitig ökonomisch erfolgversprechende Produkte und Dienste zu erdenken. Hierzu bedarf es sowohl allgemeinen, unspezifischen kreativen Denkens als auch die Kenntnis darüber, wie Marktinformationen aktiv gesammelt und zur Beschreibung neuer Wertschöpfungspotentiale verarbeitet werden können;

3. Entscheidungsfähigkeit: Die Fähigkeit, auch ohne vollständige Information, d.h. unter Unsicherheit, zu entscheiden;

4. Betriebswirtschaftliches Methodenwissen: Konzept der Finanzierung, des Controlling und des Marketings;

5. Führungsqualifikation: Führung-, Motivations- und Kommunikationskenntnisse, um Aufgaben zu delegieren und Mitarbeiterteams zielgerichtet und effizient informieren und führen zu können.

Bei der Betrachtung des pädagogischen Konzepts der Entrepreneurship Education steht die Produktentwicklungs- und Markteintrittsstrategie im Mittelpunkt, denn das Ziel ist das Erkennen von Wertschöpfungspotentialen, wobei eine innovative Unternehmensgründung nicht zwangsläufig auf einer technischen Neuentwicklung beruhen muß. Existierende, ineffiziente Prozesse im Handels-, Handwerks- oder Dienstleistungsbereich bergen zum Teil ähnlich hohe Wertschöpfungspotentiale wie technische Innovationen.} Bei der Entrepreneurship Education geht es somit darum, vorhandene Potentiale entdecken zu lernen (vgl. Faltin 1987, S. 327), wofür es manchmal ausreicht, Bestehendes aus einer neuen Perspektive zu betrachten und es anders zu interpretieren.

 

 

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