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Was die Wirtschaft lernen kann


Dies ist übrigens ein wesentlicher Grund, warum die Wirtschaft eine ganze Menge von den Organisationen des sozialen Sektors lernen kann. In zunehmendem Maße werden die Schlüsselpositionen in der Wirtschaft hochgebildeten Angestellten vorbehalten sein, die wissensbasierte Arbeit leisten. Wissensarbeiter verfügen selbst in den Ländern, in denen es als normal angesehen wird, während des gesamten Berufslebens für nur einen Arbeitgeber zu arbeiten — das ist natürlich vor allem in Japan der Fall —, über ein gewisses Maß an Mobilität. Und sie wissen das.

Um ihre Aufmerksamkeit zu erregen und um sie andererseits langfristig an sich zu binden, muß die Wirtschaft sie als »Freiwillige« ansehen. Sie muß sie als Menschen behandeln, die den Willen haben zu bleiben und die den Willen haben, einen Beitrag zum Unternehmen zu leisten – sonst werden sie früher oder später abwandern.

Menschen, die wissensbasierte Arbeit leisten, müssen deshalb gemanagt werden, als leisteten sie freiwillige Arbeit. Freiwillige in nichtgewinnorientierten Institutionen werden natürlich nicht bezahlt. Sie haben deshalb nicht die Befriedigung durch die Gehaltsabrechnung. Auch gibt es im großen und ganzen in nichtgewinnorientierten Organisationen keinerlei Beförderungen – es gibt höchstens den Wechsel hin zu Arbeiten, die höhere Anforderungen stellen und größere Verantwortung erfordern. Die nichtgewinnorientierten Institutionen des sozialen Sektors müssen den Menschen, die freiwillige Arbeit leisten, deshalb weit mehr Befriedigung verschaffen als ein Wirtschaftsunternehmen. Was also können wir von den erfolgreichen nichtgewinnorientierten Organisationen hinsichtlich des Managements wissensbasierter Mitarbeiter lernen?

Die erste Sache, die wir lernen können, ist die Tatsache, daß Freiwillige in nichtgewinnorientierten Institutionen – und dies gilt für derartige Institutionen auf der ganzen Welt –eine klare und begrenzte Aufgabe fordern. Sie wollen wissen, was die Institution, für die sie arbeiten, erreichen will. Zunehmend fordern sie von ihr auch den Nachweis der Resultate ein. Aber sie wollen darüber hinaus Verantwortung in ihrer eigenen freiwilligen Arbeit übernehmen. Und sie verlangen immer häufiger, geschult zu werden.

In den Vereinigten Staaten (aber zunehmend auch in Europa) verlangen Freiwillige auch Anerkennung für ihre Leistungen. Gleichzeitig aber erwarten sie, daß sie ein deutliches Mitspracherecht im Management ihrer Organisation erhalten. Sie verlangen zumindest eine wesentliche Teilnahme. Und all dies werden Wirtschaftsunternehmen lernen müssen, wenn sie Menschen, die wissensbasierte Arbeit leisten, erfolgreich managen wollen.

Wenn ich über die westliche Geschichte nachdenke so bedaure ich stets das Fehlen der Idee der Bürgerlichkeit in Japan. Die westlichen Nationen haben den Wandel von Feudalgesellschaften in Nationalstaaten mit Hilfe von Revolutionen vollzogen. Durch ihre eigenen Anstrengungen – und oft nur durch das Opfer ihres eigenen Lebens – haben sie sich ihre Freiheit und Bürgerlichkeit erkämpft. Die Männer und Frauen dieser Zeit haben die Notwendigkeit erkannt, die Verantwortung auf sich zu nehmen und sich der Probleme innerhalb der Organisationen, denen sie angehörten, anzunehmen, um damit Freiheit und Bürgerlichkeit zu erringen. So haben die Menschen des Westens die Prinzipien des Sichanbietens, der Selbstdisziplin und der Eigenverantwortung in einem unveräußerlichen Sinne als ihre eigenen erkannt.

Im Gegensatz dazu hat Japan nur wenig Vergleichbares aufzuweisen, seit es sich von einer Feudalgesellschaft direkt in einen vollwertigen Staat verwandelte. Mit wenigen Ausnahmen hatten die Menschen kaum Zeit, die Idee der Bürgerlichkeit zu entwerfen. Und der Freiheitsgedanke wurde den Japanern erst nach dem 2. Weltkrieg von den Amerikanern vermittelt.

Verständlicherweise denken viele Japaner deshalb, und dies liegt häufig in der Nachkriegspolitik begründet, daß Freiheit etwas ist, das durch eine absolute Autorität garantiert wird, und nicht etwas, das man sich durch eigene harte Anstrengungen erwirbt. Freiheit wird als etwas verstanden, das von den Machthabern gutgeheißen wird; es fehlt die Vorstellung, daß Freiheit die Pflicht beinhaltet, zu handeln, sich anzubieten, Selbstdisziplin und Eigenverantwortung als Bürger dieses Staates mitzubringen. So verlangen die Japaner als freie Bürger nach Freiheit; aber sobald etwas schiefgeht, vergessen sie ihre eigene Verantwortung und verlangen stattdessen, daß die Regierung sie in Schutz nimmt. Und dies wird als das natürliche Recht des Bürgers angesehen.

Eine langjährige Kampagne für eine Verwaltungsreform hat die Japaner schließlich von der Bedeutung einer Deregulierung und einer Strukturreform überzeugt; sobald ich aber von der Notwendigkeit einer Verwaltungsreform und der Befreiung von einschränkenden Verordnungen rede, ist unser Unternehmen augenblicklich den Protestaktionen zahlreicher Industriezweige und Interessengruppen ausgesetzt. Es ist immer wieder traurig zu sehen, daß die Protestierenden nicht anerkennen, daß eine Deregulierung zum Wohle der ganzen Gesellschaft ihren eigenen, persönlichen Interessen vorangehen muß.

 

 

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