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Warum niemand die Wahrheit sagt: Die Pilatus-Frage


Die Behauptung „Niemand sagt die Wahrheit“ ist starker Tobak. Es wird nicht einfach sein, sie umfassend zu belegen. Sie klingt schnodderig und leicht dahergesagt, ist aber von tiefem Ernst und – leider – von umfassendem Wahrheitsgehalt. Womit wir beim zeitlosen Thema „Wahrheit“ wären. Hier geht es jedoch nicht (bzw. nur in eingeschränktem Maße) um die große erkenntnistheoretische, wissenschaftliche oder metaphysische Pilatus-Frage „Was ist Wahrheit?“ Über sie haben sich seit Jahrhunderten die Philosophen aller Kulturen den Kopf zerbrochen, und auch die besten Antworten deuten auf eine gewisse Unlösbarkeit der Frage hin. Am kürzesten hat das wohl der Philosoph Günter Rohrmoser mit dem Satz artikuliert: „Die Wahrheit ist göttlich.“ (Rohrmoser 1986).

Das bedeutet aber keinesfalls, daß die Wahrheit „relativ“ wäre. Auch in der irdischen Sphäre gibt es für alle denkbaren Thesen nur eine Wahrheit. Karl Popper hat uns zwar gelehrt, daß wir niemals sicher wissen können, ob und wann wir „die Wahrheit“ gefunden haben, daß wir uns aber sehr wohl durch den unermüdlichen Versuch zur Falsifizierung (Beweis der Fehlerhaftigkeit) einer These immer weiter von der Unwahrheit entfernen – und somit der Wahrheit immer näher rücken können. Die alten Marxisten hingegen wußten sehr wohl – und die neue Linke weiß es noch immer, daß sie mit der Verbreitung ihrer Grundannahme vom Polylogismus (der Mehrfachmöglichkeit der Logik oder der Vernunft – und somit der Relativität der Wahrheit) eine jede Gesellschaft zerstören und beliebig für ihre Zwecke manipulierbar machen können.

Es führt zwar von unserem Thema weg, ist aber zu bedeutsam, uni übergangen zu werden: In seinem Buch „Theory and History (1957) hat Ludwig von Mises eine zentrale Annahme der marxistischen Gesellschaftslehre und eine Grundannahme der europäischen und amerikanischen Linken entlarvt: den Polylogismus. Dabei handelt es sich um die Ansicht, daß die Maßstäbe der Vernunft abhängig seien von Person und Ort. Damit wäre jede Aussage über die Gültigkeit eines Arguments notwendigerweise entweder willkürlich oder Ausdruck von Gruppeninteressen. In der politisch-philosophischen und pädagogischen Praxis führt das zum Irrationalismus und zur Forderung, man müsse das gesamte westliche Denken aufgeben, weil es von der Universalität (Allgemeingültigkeit) der Logik und der Wahrheit ausgeht. Diese marxistische Theorie ist mit der sog. 68er-Revolution verstärkt in die Universitäten der westlichen Welt eingezogen. Es herrscht dort seitdem in den Fakultäten der politischen und pädagogischen Wissenschaften die Lehre vor, daß es viele Formen der Urteilsbildung gebe, aber nur eine wertlose und falsche, nämlich die Welt mit westlichen Augen und mit westlichen Begriffen wie ‚Wahrheit’ und ‚Vernunft’ zu betrachten. (Vgl. Rockwell, Jr. 1997). Die Bevölkerung hat bislang noch gar nicht wahrgenommen, in welch unheimlichem Gewand und in welcher neuen Verkleidung dieses Denken neuerdings in die Schulen in Form des „Pädagogischen Konstruktivismus“ Einzug hält. Eine Zeitbombe in den Köpfen und Seelen unserer Kinder und Jugendlichen zur Zerstörung der Zivilisation.

 

 

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