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Wahrheit und Lüge


Es soll hier jedoch weniger um dieses „große“ (erkenntnistheoretische oder philosophische) Wahrheitsthema mit seinen beiden Polen ‚Wahrheit’ und ‚Irrtum’ gehen, sondern vielmehr um das „kleine“ (aber nicht weniger folgenreiche) Thema des Alltagsbegriffs von ‚Wahrheit’ mit seinen beiden Polen ‚Wahrheit’ und ‚Lüge’. Gegenstand der Betrachtung soll also nicht die Frage sein: ,Was ist die Wahrheit?’, sondern: ‚Sagt jemand das, was er wirklich meint oder was seinen wirklichen Motiven und Absichten entspricht?’ Die Antwort hierauf ist weil bedeutsamer als es auf den ersten Blick scheinen mag; geht doch auch um die Feststellung, ob und wie weit alle jene Personen und Institutionen, die uns tagtäglich und manchmal ein Leben lang informieren, bilden, erziehen, führen, motivieren und in jeder nur denkbaren Art „beglücken“, dies auch nach bestem Wissen und Gewissen tun und es ehrlich mit uns meinen – oder ob sie uns belügen. (Wobei die Formel nach besten Wissen’ auf die Komplikation hinweist, daß unter anderen auch ein subtiler Zusammenhang zwischen Lüge und mangelhaftem Wissen bestehen kann. „In unserem vermeintlich besonders aufgeklärten Zeitalter“, schreibt der Hohenheimer Soziologe Franz Kromka, gehen Halbwissen und Meinung eine feste und von wissenschaftlicher Seite kaum beeinflußbare Verbindung ein. Und es ist davon auszugehen, daß gute Absichten im Verein mit dieser ‚Dummheit’ die Menschheit mehr in Gefahr bringen als ‚intelligente’ böse Absichten.“) (KromL 1997, S. 24)

Auf den Alltagsgebrauch beschränkt, scheint die Wahrheitsfrage einfach zu sein: Entweder es sagt einer die Wahrheit -oder er lügt. Aber so einfach liegen die Dinge nicht. Leider gibt es unzählige verschiedene Arten, zu lügen oder belogen zu wer. den. Beispielsweise kann jemand lügen, indem er etwas sagt, was nicht seiner tatsächlichen Meinung oder Absicht entspricht, indem er zwar das sagt, was er wirklich glaubt oder beabsichtigt, aber verschweigt, daß er mit der Aussage zugleich noch ganz andere, ihm wichtigere Zwecke verfolgt, indem er etwas sagt, was den Tatsachen entspricht, es aber unterläßt, das Faktum in den notwendigen Zusammen hang zu stellen, – indem er ein (wahres) Ausnahmeereignis schildert und da mit den Eindruck erweckt als handele es sich dabei um einen Regelfall,– indem er etwas Zutreffendes sagt, dafür aber absichtlich Begriffe verwendet, welche die Zuhörer anders auslegen, – indem er eine Tatsache im Kontext mit einer anderen Tatsache erwähnt, obwohl zwischen beiden Fakten nur ein scheinbarer Zusammenhang besteht, und so weiter und so fort; die Zahl und Art der Möglichkeiten, zu lügen und belogen zu werden, ist nahezu unendlich.

 

 

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