Economia48 Projekt Wirtschaftslexikon Management Lexikon Lexikon Wirtschaft
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

Viel reden heißt viel wissen


Ein weiterer Grund für den hohen Stellenwert des Redens liegt in der Tatsache, dass Menschen, die viel reden, als einflussreiche, hochrangige Führungspersönlichkeiten angesehen werden. Wir fragten einmal eine neu ernannte Bereichsleiterin, warum gerade sie aus den vielen geeigneten Bewerbern für die Aufgabe ausgewählt wurde und was sich seit ihrer Beförderung verändert hatte. Sie witzelte: »Ich erhielt den Job, weil ich den Mund nicht halten konnte und niemanden ausreden ließ. Jetzt bin ich der Chef, und man erwartet von mir, dass ich noch mehr rede als beim Bewerbungsgespräch.« Diese eher salopp formulierte Aussage der Managerin wird von den Ergebnissen gruppendynamischer Studien unterstützt, die untersuchten, wie sich Sprechdauer und Unterbrechungen von Gesprächsteilnehmern auf das wechselseitige Urteil der Gruppenmitglieder auswirken. Wie nicht anders zu erwarten, zeigte sich in diesen Studien, dass in unstrukturierten, führerlosen Gruppen diejenigen wesentlich häufiger die Führungsposition übernehmen, deren Kommentare als intelligent und wertvoll empfunden werden. Allerdings spielt auch die Quantität der Kommentare eine große Rolle, und zwar unabhängig von ihrer Qualität. Im Vergleich zu weniger gesprächigen Gruppenmitgliedern übernehmen Menschen, die länger und häufiger a in Gesprächen teilnehmen, eher die Führung in neuen Gruppen, werden von Beobachtern als Gruppenführer identifiziert und von Gruppenmitgliedern und Außenstehenden als einflussreich eingestuft.

Anthropologische Untersuchungen zahlreicher vorindustrieller Gesellschaften ebenso wie die Beobachtungen moderner Unternehmen zeigen, dass mehr zu reden als andere ein Mittel darstellt, mit dem man auf dem so genannten »Konversationsmarkt« Erfolg hat. Weiterhin wird der hohe Stellenwert einer Person innerhalb einer Gruppe dadurch deutlich, dass es ihr gestattet wird, andere Gesprächspartner zu unterbrechen und längere Zeit zu sprechen als diese. George Maclay und Humphrey Knipe schrieben dazu in The Pecking Order in Human Society (Die Hackordnung in der menschlichen Gesellschaft): »Wenn sich eine nicht erzwungene Rangordnung etabliert, lässt sich die Position der beteiligten Individuen für gewöhnlich daran erkennen, welche Redezeit ihnen eingeräumt wird. Die einflussreichste Person darf am längsten reden ... In hektischen Situationen wird denjenigen, die in der Hierarchie am weitesten unten stehen, kaum ein Wort gestattet. Wer mehr redet, als es ihm nach Meinung der anderen zusteht, wird mehr oder weniger ignoriert. « Wer in einem Unternehmen vorankommen oder an Einfluss gewinnen möchte, lernt oft sehr schnell, dass er sein Ziel mit viel Gerede wornög.lich schneller erreichen kann als mit tatkräftigem Handeln. Sobald jemand eine Führungsposition einnimmt, erwartet man sogar noch wortreichere Ausführungen von ihm als je zuvor. Wer möglichst viel der Gesprächszeit in einer Gruppe an sich reißen kann, beweist damit seine Führungsposition. Im Folgenden werden wir nachweisen, dass der Glaube, Prestige hänge von Redegewandtheit und nicht von guter Umsetzungsfähigkeit ab, von Managementschulungen und Unternehmensberatern sogar noch vertieft wird.

 

 

Diese Seite als Bookmark speichern :

 

 

Weitere empfehlenswerte Webseiten:

Die Finanzwirtschaft — wirkliches Neuland für eine High-Tech-Entwicklung

Change Management

Grundzüge erfolgreicher CEFE-Maßnahmen – Konzeption - Das unternehmerische Potential verstehen und fördern

 

Startseite | Themen | Projekt | Kontakt | Impressum | Rechtliche Hinweise

1| 2| 3| 4| 5| 6| 7| 8| 9

Copyright © 2011 All rights reserved. Wissensarchiv für Wirtschaft