Economia48 Projekt Wirtschaftslexikon Management Lexikon Lexikon Wirtschaft
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

Vergleichende Leistungsbewertung


Ein weiteres, sehr verbreitetes Argument dafür, dass einzelne Abteilungen oder Mitarbeiter nach Leistung klassifiziert werden und somit Konkurrenzdruck entsteht, lautet, dass solche Systeme im Grunde fairer und weitaus motivierender für den Einzelnen seien als ihre Alternativen. Viele Unternehmen haben eine Variante der vergleichenden Leistungsbewertung eingeführt, die sich sowohl auf das Leistungsmanagement als auch auf das Gehaltssystem erstreckt. Die Theorie, die hinter der vergleichenden Leistungsbewertung steckt, scheint auf den ersten Blick einleuchtend. Arbeiten Sie im Außendienst auf Provision, macht es sich auf Ihrer Gehaltsabrechnung bemerkbar, wenn die Firma Probleme mit der Produktqualität hat oder wenn das Design der Produkte nicht überzeugt. Dies ist natürlich auch dann der Fall, wenn Sie selbst absolut nichts für diese Probleme können, geschweige denn sie verursacht haben. Wird Ihre persönliche Leistung jedoch im Vergleich mit dem Umsatz Ihrer Kollegen bewertet, werden diese Faktoren, die außerhalb Ihres Einflussbereiches liegen, in der Gehaltsabrechnung sehr wohl berücksichtigt, weil Sie im direkten Vergleich mit Ihren Kollegen bewertet werden. Selbst wenn die Firma Probleme mit einem bestimmten Produkt oder in der Fertigung hat, ist gewährleistet, dass sich dies auf alle Vertreter gleichermaßen auswirkt. Erhalten zum Beispiel die besten 10 Prozent der Computerverkäufer unabhängig vom konkreten Umsatz einen Sonderbonus, wird niemand für etwas bestraft, auf das er keinen Einfluss hat. Solange der jeweilige Umsatz höher ist als der Umsatz der Kollegen, schneidet man bei der vergleichenden Leistungsbewertung gut ab und wird entsprechend be- und entlohnt. Die persönliche Leistung lässt sich scheinbar kontrollieren, das Leistungsbewertungssystem gilt als sinnvoll. Doch die Stärke dieser Form der Leistungsbewertung – die offenkundige Fairness gegenüber den Mitarbeitern, die nicht länger den Kopf für etwas hinhalten müssen, für das sie nichts können –ist gleichzeitig auch ihr Schwachpunkt. Da den Mitarbeiter ihre im Vergleich zu ihren Kollegen stehende Bewertung sehr wichtig ist, ist ihre Bereitschaft, andere zu unterstützen, nur gering. Im schlimmsten Fall wird sogar versucht, die Leistung anderer anzuzweifeln oder zu sabotieren. Deming schildert die Folgen der vergleichenden Leistungsbewertung: » Jedermann versucht, für sich alleine nach oben zu kommen, schon allein aus reinem Selbsterhaltungstrieb. Der Verlierer ist in diesem Fall das Unternehmen.« Wie bereits dargelegt, bewahrheitete sich die These bei mehreren Investmentbanken und den Unternehmen Microsoft, Fresh Choice und General Motors. Bei dieser Form der Leistungsbewertung rückt das Wohl des Unternehmens für den einzelnen Mitarbeiter in den Hintergrund, da sein persönliches Wohlergehen von seiner Bewertung abhängt und nicht davon, ob das Unternehmen Erfolg hat oder nicht. IBM hatte mit denselben Problemen zu kämpfen. Die einzelnen Werke wurden je nach Leistung bewertet und auf dieser Grundlage in eine Rangfolge eingestuft, was zu einem enormen Konkurrenzkampf führte. Ein IBM-Manager versuchte in einer Präsentation dem restlichen Management zu verdeutlichen, dass diese firmeninterne Konkurrenz erhebliche Wettbewerbsnachteile für das gesamte Unternehmen nach sich zieht: »Wir reden überhaupt nicht mehr mit unseren Kollegen aus anderen Werken. Sie sind zu unserer Konkurrenz geworden. Es gibt keinen Informationsaustausch, und die Zusammenarbeit beschränkt sich auf das Nötigste. «

 

 

Diese Seite als Bookmark speichern :

 

 

Weitere empfehlenswerte Webseiten:

Aus Ideen werden Unternehmer - Soziale Bedürfnisse

Die Geburt der schlanken Produktion beim Lean Management

Der Begriff »Qualität« im Unternehmen

 

Startseite | Themen | Projekt | Kontakt | Impressum | Rechtliche Hinweise

1| 2| 3| 4| 5| 6| 7| 8| 9

Copyright © 2011 All rights reserved. Wissensarchiv für Wirtschaft