Economia48 Projekt Wirtschaftslexikon Management Lexikon Lexikon Wirtschaft
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

Unzureichende Antworten - „Wir müssen unsere Errungenschaften verteidigen“ – Ausblick für Entrepreneurship


Die Reaktionen auf die Krise? Drei problematische Antworten sind verbreitet: Die erste: „Wir müssen unsere Errungenschaften verteidigen.“ Zum Beispiel die hohen Löhne, das soziale Netz und den Umweltschutz. Wie? Die Antwort: durch Protektionismus. Den deutschen Steinkohlebergbau bis ins Jahr 2005 mit Milliarden von Mark jährlich stützen, weil die Preisschere zwischen importierter und heimischer Steinkohle immer größer wird und die 300 DM kostende Tonne deutscher Kohle auch im nächsten Jahrzehnt noch um 230 DM teurer sein wird als die Kohle des Weltmarkts? Die Insassen der Festung Europa krallen sich fest.

Je höher die Wälle, desto tiefer der Absturz. Die Kosten für den Erhalt der Festung sind hoch, weil die Finanzierung unwirtschaftlicher Zusammenhänge del Unterhaltung schwarzer Löcher gleicht; die Finanzmasse schwindet, und keines sieht sie mehr. „Nationale“ Entwicklungen haben – siehe seinerzeit zum Beispie Argentinien – gezeigt, daß strukturkonservierende Maßnahmen zur Verarmung führen. Geschützte Industrien verlieren an Innovationskraft und wirtschaften immer offenkundiger ineffizient. Genau deshalb wirken Autos in Indien aus heimischer Produktion wie Fossile aus den dreißiger und vierziger Jahren, sie werden nach Öffnung der Grenzen so wenig überleben wie der Trabbi nach der Wende. Nun wird oft behauptet, man brauche Übergangszeiten und Lernchancen für die eigene Industrie. Schutzzölle seien dann nicht Dauerlösungen, sondern im Sinne des Friedrich List zeitlich limitierte Instrumente, um den Übergang zum freien Markt zu ermöglichen. Nur: Wir würden gern die Fälle sehen, in denen Schutzzölle wieder aufgehoben wurden. Die Geschichte deutscher Subventionspolitik ist voll von gegenteiligen Beispielen.

Schutzzölle auf Dauer bewahren nicht den Reichtum eines Landes, sondern den Reichtum der Reichen. Träge Reiche wollen Protektionismus, nationale Wirtschaftspolitik schützt die dicken Fische. Deutschland kann sich diese Politik schon deshalb nicht leisten, weil es als rohstoffarmes Land einen hohen Teil des Sozialprodukts über seinen Außenbeitrag, den Exportüberschuß, erwirtschaften muß. Damit ist es besonders gefährdet für Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder.

Das Argument, deutsche Produkte wären im Vergleich auch deshalb teurer, weil wir so viel für Ökologie ausgäben, ist immer häufiger Selbstbetrug. Denn in vielen der neu auftretenden Länder ist die eingesetzte hochmoderne Technologie bereits umweltfreundlicher als bei uns und auch dort, man nehme Taiwan als Beispiel, wachsen ökologische Bewegungen. Wenn zudem die Handelsschranken fielen, könnten auch Klitschenbetriebe des informellen Sektors eher auf dem formellen antreten, Investitionen tätigen und mit Auflagen zum Umweltschutz besser umgehen. Dort wo hohe Wertschöpfungen getätigt werden, kann man Anteile davon in den Umweltschutz investieren, durchaus auch aufgrund von Auflagen internationaler Partner und als Regel des level playing field.

Protektionismus wird von Verbrauchern bezahlt und mittlerweile von den auf europäischer Ebene zusammengeschlossenen Verbraucherverbänden auch scharf kritisiert. So fordern sie die Europäische Gemeinschaft auf, Schutzmaßnahmen beispielsweise gegen den Import von Autos, CD-Geräten, kleinen Farbfernsehern, Videorecordern samt Kassetten, Fotokopierern, Computerdruckern und Agrarerzeugnissen aufzuheben. Protektionistische Maßnahmen – hier: die Kosten für den Erhalt von Arbeitsplätzen – werden auch von den Arbeitslosen über viel zu hohe Preise mitfinanziert. Statt die Einkommen der Arbeitsplatzbesitzer weiter zu erhöhen, wäre es besser, die Preise zu drücken – durch Anerkennung des Weltmarkts – und damit beispielsweise Lebensmittel erschwinglicher zu machen. Protektionismus hilft kurzfristig denen, die über Arbeitsplätze verfügen. Die Arbeitslosen werden doppelt benachteiligt.

Protektionismus führt zu offenem Dirigismus, zu rigiden Kontrollen der Devisen, der Importe, der Grenzen. Wer Waren aussperrt, riskiert, daß Menschen kommen und nicht-legalisierte Migrationsbewegungen den informellen Sektor des eigenen Landes rapide vergrößern. Auf dem informellen Sektor gelten dann zwar realistische Preise, die Kontrolle durch den Staat aber wird obsolet. Mit der Besitzstandswahrung Wohlhabender befaßt, entgleitet ihm die Chance, ein für alle geltendes Regelwerk zu entwerfen und durchzusetzen.

 

 

Diese Seite als Bookmark speichern :

 

 

Weitere empfehlenswerte Webseiten:

Persönliche Eigenschaften – Die einzelnen Stufen des Entrepreneurship

Der wirtschaftliche Ausverkauf und die Veränderung der industriellen Strukturen

Alte Gewohnheiten in Aktion - Allgemein durchgesetzte Praktiken

 

Startseite | Themen | Projekt | Kontakt | Impressum | Rechtliche Hinweise

1| 2| 3| 4| 5| 6| 7| 8| 9

Copyright © 2011 All rights reserved. Wissensarchiv für Wirtschaft