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Unternehmensentwicklung als Regulativ und Objekt integrierten Managements


Die Qualifizierung einer Unternehmung im Zeitablauf und damit eine evolutorische Unternehmensentwicklung wird erst durch die hochgradige Integration von normativen, strategischen und operativen Erfolgspotenzialen sichergestellt. Unternehmensentwicklung stellt auf die Veränderung und Inanspruchnahme von Erfolgspotenzialen ab, um für Teilnehmer und Mitglieder einen im Vergleich zu anderen Wettbewerbern höheren Nutzen zu stiften. Die »Machbarkeit« von Unternehmensentwicklung ist jedoch begrenzt. Eigenevolutorische, nicht determinierbare Kräfte führen zu Abweichungen zwischen intendierter und realisierter Unternehmensentwicklung und lösen Anpassungsprozesse aus. So kommt es im Management zu einer arteigenen Dynamik des unternehmenspolitischen, strategischen und operativen Vorgehens im Inneren der Unternehmung. Veränderungen in der Unternehmensentwicklung sind nur vordergründig durch eine Betrachtung quantifizierbarer Maßgrößen messbar. Letztendlich drücken sich Veränderungen in einer langfristigen Nutzenstiftung gegenüber Bezugsgruppen aus. Ein weiterer Maßstab für die Unternehmensentwicklung liegt in einer qualifizierten und relativen Positionierung einer Unternehmung gegenüber ihren Wettbewerbern durch den Aufbau von strategischen Erfolgspotenzialen.

Knut Bleicher beschreibt in diesem Zusammenhang die Paradoxien unternehmerischer Dynamik, wobei er unter Paradoxie den Widerst reit zweier gleichbegründeter Sinngehalte versteht. Im Spannungsteld eigenrevolutorischer Entwicklung und des unternehmerischen Eingreifens entwickeln sich bewegende Kräfte der Dynamik. Mit paradoxen Spannungen verbinden sich vielfältige Fehlerquellen, zu de-reim Lösung es einer »Entspannung« bedarf. Die Entladung einer Spannung kann durch dysfunktionales Vorgehen (Verdrängen, Herumkurieren an Symptomen, Lösung falsch definierter Probleme oder fehlgeleitete Revolutionen) oder funktionales Vorgehen (zum Beispiel durch die innovative Synthese) erfolgen.

Unternehmensentwicklung verlangt unternehmerische Dynamik. Ist der Begriff der Unternehmensentwicklung mit Merkmalen einer positiv verlaufenden Dynamik im Spannungsfeld von Umwelt und Unternehmen verbunden, bedarf es steuernder Kräfte, welche die Chancen und Risiken von Veränderungen begreifen und die Stärken und Schwächen des Unternehmens zu ihrer Bewältigung erkennen. Eine Anpassung an den notwendigen Wandel muss mit missionarischer Wirkung bewerkstelligt werden. Das Spannungsfeld zwischen Vergangenheitserfahrungen und Anforderungen zur Gestaltung einer möglicherweise stark veränderten Zukunft stellt insbesondere die Führung des sozialen Systems eines Unternehmens vor schwierig zu bewältigende Anpassungsprobleme. Nicht nur müssen neue Verhaltensmuster und Verfahrensweisen erlernt werden, sondern bislang durchaus erfolgreiche Handlungsweisen müssen entlernt werden, was oft sehr viel schwerer zu bewerkstelligen ist. Um diesen Prozess zu erleichtern und Akzeptanzprobleme zu vermeiden erscheint es hilfreich, Veränderungs- und Beharrungszyklen wechseln zu lassen. So bleibt nach einem Veränderungszyklus genügend Zeit, eine effiziente Nutzung des Erlernten umzusetzen, bevor der nächste Veränderungszyklus in Kraft tritt.

Das Konzept einer idealtypischen Unternehmensentwicklung umfasst folgende Stadien: Die innere Unternehmensentwicklung (Pionierphase, Markterschließungsphase, Diversifikationsphase), die äußere Unternehmensentwicklung (Akquisitionsphase und Kooperationsphase) sowie die innere und äußere Unternehmensentwicklung (Restrukturierungsphase). Knut Bleicher beschreibt die einzelnen Phasen einer idealtypischen Unternehmensentwicklung unter den Gesichtspunkten des normativen, strategischen und operativen Managements, führt Krisenpotenziale an und betrachtet Bewältigungsstrategien.

Das normative Management gibt den sachlichen und formalen Rahmen für die weitere Unternehmensentwicklung generell vor, das strategische Management ist für die Konkretisierung einzelner Aktionskurse verantwortlich, die mittelfristig zur Veränderung von strategischen Erfolgspositionen führen. Diese Aktionskurse müssen ständig auf kurzfristiger Basis umgesetzt und korrigiert werden, damit sich eine Unternehmung gegenüber wechselnden kontextualen und situativen Bedingungen durchsetzen kann. Im Bereich dieser kurzfristigen, operationellen Entwicklung zeigen sich auch überprüfbare Ergebnisse der normativen und strategischen Vorgaben in Form von Erfolg und Liquidität. In diesem zeitlichen Spannungsverhältnis von normativem, strategischem und operativem Management müssen Vor- und Rückkopplungszyklen gestaltet werden. Es können dabei zwei extrem unterschiedliche Verhaltensweisen auftreten: Das normative unternehmenspolitische Konzept, welches strategisch näher definiert und ausformuliert wurde, wird im Vertrauen auf die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges exakt weiterverfolgt, obwohl es im operativen Bereich zu groben Störungen und Misserfolgen kommt. Das Management konzentriert sich auf das operative Aussteuern von Störungen, es erfolgt praktisch keine Rückkopplung über die operative Dimension hinaus. Die zweite Möglichkeit: Normative und strategische Konzepte unterliegen einer erratischen Veränderungsneigung, was bewirkt, dass jede wesentliche Störung im operativen Bereich zu übereilten Korrekturen beim strategischen Vorgehen führt. Durch die ständige Korrektur strategischer Konzepte schlägt dieser Rückkopplungsprozess schließlich auch auf die Unternehmenspolitik durch, welche dadurch ins Schlingern geraten kann. Knut Bleicher führt unter dem Aspekt der Fristigkeit der Management-Orientierung Konzeptionen zur Bestimmung des Kurses der verfolgten Unternehmensentwicklung an.

 

 

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