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Unsichtbare oder sichtbare Hand


Genau das war ja die große Erkenntnisleistung von Adani Smith (1723 - 1790), der staunend vor diesem Wunderwerk der von „unsichtbarer Hand“ geleiteten menschlichen Gesellschaften stand und als erster den groß angelegten und systematischen Versuch unternommen hat, den eigentlich unbegreiflichen Vorgang zu verstehen und (in seinem berühmten Werk „...Wealth of Nations“ [1776/1789]) zu beschreiben. Auch wenn die Feinde der Freiheit und der modernen Zivilisation noch so viel Hohn und Spott über den Smith’schen Ausdruck und seine Erkenntnis von der „unsichtbaren Hand“ ausschütten: Es waren und sind die unsichtbaren Kräfte des Marktes, welche die Massenspezies Mensch und seine gesellschaftlicher Kooperationsformen in die Zivilisation und zu immer neuer Ufern der Entwicklung geführt haben; und es waren immer und überall in der Geschichte die „sichtbaren Hände“ politischer Figuren und Gruppierungen, die sich diesen Kräften entgegengestellt und damit Menschen und Völker in Krisen, Unglück, Katastrophen und Vernichtung gestürzt haben. Dennoch, obwohl sich Nichtökonomen selten auch nur mit dem Grundgedanken der Politischen Ökonomie anfreunden können, daß das, was wir ‚Wirtschaft’ und ‚Gesellschaft’ nennen, nicht das Ergebnis planerischen Entwurfs und zentraler oder hoheitlicher (staatlicher) Lenkung sein kann (es sei denn bei den zum Untergang programmierten sozialistischen Planwirtschaften), scheint die Menschheit ausschließlich aus Experten in Sachen ,Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung’ zu bestehen. Wer hätte jemals bei seinen persönlichen Gesprächen über Politik, bei denen es fast immer um ökonomische Belange geht – oder in einer einzigen der tausend politischen Talk-runden, die er am Fernsehgerät verfolgt hat, den Satz gehört: „Davon verstehe ich zu wenig“? Wer vor den Kameras steht, ganz gleich ob Sänger, Sportler, Schauspieler, Heurigen-Wirt oder Porno-Akrobatin, der ist qua Spotlight auch Experte in Sachen Politische Ökonomie. Und alle anderen natürlich auch, weil ja schließlich jedermann „eine politische Meinung hat“. Wenn das in allen anderen Wissenschaften, in der Medizin und Biologie, in Physik und Chemie, in Philologie und Anthropologie, in Archäologie und Kunstgeschichte, in Betriebswirtschaftslehre und Informatik etc. etc. genauso wäre, könnten wir unsere Zivilisation einpacken und auf die Bäume zurückkehren.

Wer auf die Notwendigkeit eines bestimmten Grundlagenwissens bei der Beurteilung politischer Maßnahmen verweist, bekommt meistens zu hören, zur Kritik dieser oder jener Parteiparole bedürfe es doch lediglich des „gesunden Menschenverstandes“. Nun verfügt aber bekanntlich jedermann über den „gesunden Menschenverstand“ – und gleichwohl reicht dieser in keiner einzigen wissenschaftlichen Fakultät aus, um als „Experte“ zu gelten (außer, wie gesagt und scheinbar, in den Politischen Ökonomie). Außerdem handelt es sich beim „gesunden Menschenverstand“ offenbar um ein recht flüchtiges Phänomen. Gary S. Becker, der Nobelpreisträger für Ökonomie des Jahres 1992, hat einmal geschrieben: „Verhalten [hängt] entscheidend von Anreizen ab. Zum Beispiel konsumieren Familien weniger Güter und nehmen weniger Dienstleistungen in Anspruch, wenn diese teurer werden; und Betriebe produzieren mehr, wenn sie höhere Preise für ihre Produkte erzielen. Die Tatsache, daß Verhalten in dieser Weise von Anreizen abhängt, ist in den meisten Fällen mit dem gesunden Menschenverstand vereinbar. Leider kommt der gesunde Menschenverstand ganz schnell abhanden, wenn politische Maßnahmen und ihre Auswirkungen diskutiert werden.“ (Becker 1997/1998, S. 5).

 

 

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