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Universitäten im Dornröschenschlaf – Ausblick für Entrepreneurship


Die Studentenbewegung der sechziger Jahre bewirkte Bildungsreformen an den Hochschulen, zu denen auch Ansätze des Projektstudiums gehörten. Man versuchte, die Lernprozesse auf praktische Problemlagen zu beziehen und Lösungswege nicht nur entlang der fachdisziplinären Strukturen zu suchen. Diese insbesondere in Kassel, Bremen und Oldenburg institutionalisierten Versuche standen unter dem Vorzeichen, daß sie ideologisch von der ,anderen Seite` geprägt waren. Immerhin läßt sich sagen, daß eine problemorientierte Struktur von Lernen dem Gedanken einer Vorbereitung auf Entrepreneurship weitaus näher kommt, als die übliche entlang von Fachdisziplinen orientierte Lehre und Forschung. An einem wirklich praxisveränderten Studium war allerdings den konservativen Kräften nicht gelegen. Sie erwarteten von der Universität eine ideologische und berufliche Vorbereitung auf die vorfindbare wirtschaftliche Praxis. An beiden hochschulpolitischen Flügeln ist das Projektstudium gescheitert. Zudem waren die Fakultäten viel zu beharrlich, als daß sie die Anteile des Projektstudiums in ihren klassischen Kanon der Formen und Inhalte hätten integrieren können.

Ein erheblicher Prozentsatz der Studierenden wird für Berufe ausgebildet, in denen sie hinterher keinen Arbeitsplatz finden. Ein ebenfalls nicht unerheblicher Teil wird mit Wissensbeständen konfrontiert, die in der Praxis nicht oder nicht mehr anwendbar sind. Die Studienbedingungen, die große Zahl der Studierenden gegenüber einem durch Sparzwänge schrumpfenden Lehrkörper, die mangelnde Betreuung führt zu Studienformen, die eine reflektierte Vorbereitung auf eine bessere Praxis kaum ermöglichen. Unter den Studierenden sind Entrepreneurs zu finden, die aber als drop-outs, als Studienabbrecher auftauchen und Entrepreneurship trotz und nicht wegen der universitären Angebote entwickeln.

Die Erziehung zum Unternehmer kommt auch auf den Universitäten kaum vor. Die Betriebswirtschaftslehre blendet Entrepreneurship weitgehend aus. Studenten der Wirtschaftspädagogik können unternehmerische Initiative später schon deshalb schlecht vermitteln, weil sie das unternehmerische Risiko durch die Wahl ihres Studiums bereits abgewählt haben. Wollte eine Universität unternehmerische Initiativen von hoher Qualität wirklich fördern, müßte sie weit weniger durch einen bürokratischen Überbau und Zweckhochzeiten von Hochschullehrern in wissenschaftlichen Einrichtungen, sondern mehr durch produktive, im Wettbewerb stehende, administrativ und ökonomisch ziemlich selbständige Einheiten gekennzeichnet sein: die Universität – auch, nicht nur! – als eine Versammlung von intelligenten, Wissenschaft betreibenden und von wissenschaftlich gestütztem Einfallsreichtum lebenden Unternehmen, in denen Professoren wie Studenten lernen, Risiken auszuhalten. Die Universität als Vulkan mit ständigen Eruptionen von neuen, visionären Ideen? Die Universität als Versammlung der unternehmerischen Avantgarde, der Professoren, die sich ihre Lehrstühle zum Teil selbst erwirtschaften, der Studenten, die nicht zu Dauerjugendlichen werden, sondern von ihrer Alma Mater aus Tochterunternehmen starten? Zukunftsmusik? Wohl wahr.

Die Universität als ideenreiche Geburtsstätte für menschenfreundliche und sinn-stiftende Lebensweisen: Um dies zu leisten, müßte Wissenschaft – so Nikolaus Sombart – aus ihrer szientistischen Erstarrung befreit und in eine neue Offenheit des Denkens geführt werden. Ein Wissenschaftsbetrieb dieser anderen Art wäre durch eine culture of entrepreneurship geprägt. Er würde den Typus eines innovativen Entrepreneurs favorisieren, der nicht mehr nur wie jener von Saint Simon beschriebene industriel auf revolutionären technischen Fortschritt setzt, sondern beispielsweise auf ökologische Verträglichkeit und auf sinnstiftende Orientierungen.

 

 

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