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Unglaubliche Perspektiven und große Risiken


Das chinesische Festland, und damit ist vor allen Dingen die chinesische Küstenregion gemeint, ist der vielversprechendste, aber auch der gefährlichste Teil der derzeitigen Entwicklung der Weltökonomie. Wenn es China gelingt, die brisanten Probleme zu lösen, denen es gegenübersteht - der Wahl zwischen Inflation oder Massenarbeitslosigkeit, der Spannung zwischen einer verarmten Landarbeiterschaft und einem wachsenden Wohlstand in den Küstenstädten -, dann verspricht es Wachstumsraten wie die der USA in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts und wie die Japans in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg. Doch gleichzeitig steht dieses Land vor Gefahren, die kein anderes vor ihm kannte -und bislang zeichnet sich keine effektive Politik ab, die in der Lage wäre, solche Probleme zu meistern.

Welche Konsequenzen hat das für einen Unternehmer - und vor allem für einen Unternehmer aus Japan? Kann er sich den ungeheuren Möglichkeiten Chinas verschließen? Die Antwort lautet: »Nein. « Kann er sich der chinesischen Bedrohung verschließen? Auch hier muß die Antwort »Nein« lauten.

Wahrscheinlich ist der Weg nach China für ein großes japanisches Unternehmen - genauso wie für ein westliches Unternehmen - ein Risiko, das es in Kauf zu nehmen gilt. Es ist ein Vabanquespiel - und für mich ist es eines, bei dem ein negativer Ausgang ebenso wahrscheinlich ist wie ein positiver. Ein erfahrener Spieler würde wahrscheinlich zu dem Schluß gelangen, daß die Chancen für eine positive Entwicklung Chinas nicht besser als 1:3 stehen. Das Eintreten ernsthafter Krisen würde er mit 2:3 beurteilen, wenn nicht schlechter.

Und diesen Perspektiven zum Trotz kann ein großes Unternehmen aus der entwickelten Welt und besonders eines, das produziert, es sich nicht leisten, keine Investitionen (entweder allein oder mit einem Joint-venture-Partner) in China zu tätigen. Die Marktchancen sind, auch wenn sie sich nur auf die aufstrebende Mittelklasse beziehen (zwischen 300 und 400 Millionen Menschen), außerordentlich. Doch gleichzeitig muß sich jeder, der in China investiert, dessen bewußt sein, daß es sich um ein Vabanquespiel handelt, und zwar nicht um ein wirtschaftliches, sondern um ein politisches. Und bislang galt es als kluges unternehmerisches Handeln, solche Wagnisse zu vermeiden.

Die kurzfristige Entwicklung in China - und die nachhaltigen Entscheidungen werden innerhalb der nächsten fünf oder zehn Jahre getroffen werden - ist die wahrscheinlich alles entscheidende Frage für die Weltwirtschaft und die Weltpolitik. Ein aufstrebendes China, mit einem Minimum an sozialer Stabilität, wäre eine der größten Marktchancen nach der unglaublichen wirtschaftlichen Gesundung des besiegten Teils Europas und des besiegten Japans in der Nachkriegszeit. Ein im Chaos oder gar in einen Bürgerkrieg versinkendes China dagegen mag die wohl größte Bedrohung sein, der wir zur Zeit gegenüberstehen.

Es gibt zur Zeit nur noch eine weitere Frage von ähnlicher Bedeutung, und zwar die der Zukunft der asiatischen Länder der früheren Sowjetrepubliken. Doch die Möglichkeiten für eine wirtschaftliche Entwicklung sind um ein Vielfaches geringer — niemand tritt in die Rolle der Übersee-Chinesen als eine die Entwicklung vorantreibende Kraft an. Die politischen Risiken dort sind außerordentlich hoch: Ein Bürgerkrieg kann in den ehemaligen Sowjetrepubliken nicht ausgeschlossen werden — und damit ein Bürgerkrieg zwischen Regionen, die über ein Potential an Nuklearwaffen verfügen.

Doch Weltpolitik, Weltwirtschaft und Weltgemeinschaft würden durch Gefahren, die von dort ausgehen, niemals in dem Maße aufgeschreckt werden, wie das bei einem Kollaps der Volksrepublik China — mit sämtlichen Auswirkungen auf alle anderen Länder in Ost- und Südostasien einschließlich Japan — der Fall sein würde. Ihre Antworten auf meine Fragen sind außerordentlich deutlich, logisch und stecken voller Vitalität. Sie drücken Gefühle aus, die ich nicht in der Lage bin, in Worte zu fassen. Sie sind so perfekt, daß sie mich geradezu sprachlos machen. Wie Sie wissen, habe ich Sie zu einer lebhaften Diskussion aufgefordert, doch Ihre Antworten sind so brillant, daß Sie kaum Raum für eine Erwiderung lassen. Ihr Brief ist der beste, den ich je erhalten habe, und läßt mich mit dem Problem der Beantwortung allein!

Ich hoffe, daß mich dieses Problem anregt, Wege zu finden, meine Gedanken in diesem Brief an Sie frei und offen darzulegen.

 

 

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