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Und was ist die „Manchester-Lüge“ konkret?


Das kann man leicht feststellen, wenn man einen beliebigen Mitmenschen aus dem Kreis des sogenannten Bildungsbürgertums nach dem Manchester- Kapitalismus oder Manchester-Liberalismus fragt. Man wird fast immer zur Antwort bekommen: ,Das war die Zeit der Verelendung und Ausbeutung der Arbeiter zu Beginn der Industrialisierung, die Zeit der Kinderarbeit und der rücksichtslosen Profitgier der noch unkontrollierten Unternehmer, vor allem in den industriellen Ballungszentren in England.’ Leider gibt es für die bedeutsame Umbruchzeit in England, die sich etwa von 1790 bis 1830 erstreckte, wenig statistisches Material. Das hat den zeitgenössischen und nachfolgenden Geschichtsfälschern die Arbeit erleichtert. Ludwig von Mises hatte allen Grund für sein rigides Urteil: „Die frühen Geschichtsschreiber des Kapitalismus haben – und man kann kaum ein milderes Wort gebrauchen – die Geschichte verfälscht.“ (Mises, o. J., S. 18) Doch hätten deren (weitgehend dilettantische) Schriften noch nicht viel Schaden angerichtet, wäre da nicht Friedrich Engels aufgetaucht und hätte gerade die armseligsten Machwerke über jene Zeit als Grundlage für sein Buch „Die Lage der arbeitenden Klassen in England“ (Leipzig 1845) herangezogen. Leider konnte er damit seine Zeitgenossen – auch die des nicht-sozialistischen Lagers – so tief beeindrucken, daß die Schrift hundert Jahre lang in den Schulen und Universitäten Europas als Pflichtlektüre betrachtet wurde. Bis zum heutigen Tag blieb sie die wichtigste Quelle für die entstellenden Darstellungen der frühindustriellen Epoche in den meisten Geschichtslehrbüchern. Die Legenden über den Frühkapitalismus und den Manchester-Liberalismus sind seither unausrottbarer Bestandteil des Geschichtsbildes eines jeden gebildeten Bürgers. Im wesentlichen handelt es sich dabei um fünf „Großlegenden“, nämlich um jeweils grob verfälschte Darstellungen der „Verelendung des Proletariats“, der „Ausbeutung der Arbeiter durch profitgierige Unternehmer“, der Kinderarbeit, der Bevölkerungsexplosion „aufgrund der Industrialisierung“, und des sogenannten „Nachtwächter-Staates“. (Da ich alle fünf an anderer Stelle ausführlich behandelt habe [s. Baader 1991. S. 255-66], sollen hier nur zwei davon und diese nur kurz gestreift werden. Beim „Nachtwächterstaat-Vorwurf ist eine Differenzierung notwendig: Die Legende besteht aus der These, der englische Staat habe in jener Zeit nur eine Nachtwächter-Rolle gespielt. Dem war leider nicht so, sonst hätte er nicht schon lange vor der Industrieller Revolution und auch im Verlauf derselben das britische Weltreich [Commonwealth] errichtet. Der Kapitalismus hingegen braucht ir der Tat den „Nur-Nachtwächterstaat“, den er aber leider –

Ausnahme einer relativ kurzen Epoche in der amerikanischen Geschichte – nirgendwo auf dem Globus vorgefunden hat. Deshalb konnte sich der Kapitalismus auch nirgendwo zur vollen Blüte entfalten).

Fest steht, um speziell auf den Manchester-Liberalismus einzugehen, daß die von R. Cobden und J. Bright geführte Manchesterpartei für den Freihandel eintrat. Insbesondere kämpfte sie gegen den staatlichen Kornhandels-Interventionismus, der die unteren Bevölkerungsschichten schwer benachteiligte( und das (mit der politischen Macht verfilzte) Establishment begünstigte. Ferner stand die Partei für den Grundsatz der Freiheit der Meere und argumentierte gegen die ausbeuterische( Kolonialherrschaft. Außerdem warb sie für den Pazifismus ah Grundlage der weltweiten Arbeitsteilung und damit der wirtschaftlichen Wohlfahrt breiter Bevölkerungsschichten – also gerade der Ärmeren und Armen. Was daran verwerflich und ausbeuterisch sein soll, bleibt das Geheimnis der sozialistischen Märchenerzähler.

 

 

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