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Steuerungssysteme, die Wissen in die Tat umsetzen


Aus den in diesem Artikel geschilderten Beispielen für gute und schlechte Steuerungssysteme lässt sich schließen, dass betriebliche Steuerungsinstrumente, die Unternehmen bei der Entwicklung von Wissen unterstützen und dieses Wissen in die Tat umsetzen, folgende Eigenschaften aufweisen müssen: Die Steuerungssysteme müssen einen ganzheitlichen Ansatz verkörpern, indem sie nicht die Bewertung individueller Leistung anstreben – in verknüpften Systemen fast unmöglich –, sondern sich auf Faktoren konzentrieren, die für den Gesamterfolg des Unternehmens entscheidend sind. Die Steuerungssysteme müssen als Mittel zum Zweck eingesetzt werden. Aus dieser Forderung ergibt sich die Anwendung von prozessbegleitenden Steuerungsmethoden anstelle von ergebnisbezogenen Kontrollen. So gestaltete Steuerungsverfahren erleichtern das kontinuierliche Lernen und liefern Informationen, die Handlungen leiten und Entscheidungen unterstützen können. Die Systeme müssen auf das jeweilige Geschäftsmodell ausgelegt sein und die Unternehmenskultur und Unternehmensphilosophie reflektieren. Als Konsequenz werden von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedliche Steuerungssysteme verwendet, schließlich gelten auch in jedem Unternehmen andere Grundsätze und Werte. Erfolgreiche Steuerungssysteme messen das Einhalten der Werte, den Erfolg der Rekrutierungsmaßnahmen, die Fluktuationsrate und das Funktionieren der Teamarbeit, das heißt, sie unterscheiden sich deutlich von herkömmlichen finanzorientierten Kennzahlensystemen. Die Steuerungssysteme müssen das Ergebnis eines kontinuierlichen Lernprozesses sein, der auf Erfahrungen und Experimenten beruht. Die Verfahren müssen so strukturiert sein, dass sie durch ihre ständige Weiterentwicklung auf Änderungen der Geschäftsbedingungen eingehen können. Außerdem müssen sie berücksichtigen, dass Maßnahmen, die zum jetzigen Zeitpunkt effektiv sind, schon in naher Zukunft genau das Gegenteil bewirken können. Steuerungssysteme unterliegen einem ständigen Entwicklungsprozess, um auch unter sich ändernden Bedingungen die Einhaltung der langfristigen Geschäftsphilosophie und Unternehmensstrategie zu unterstützen. Der Steuerungsprozess beruht auf vergleichsweise wenigen metrischen Größen. Unabhängig von der Menge der erhobenen Daten sollte sich ein Unternehmen nur auf wenige Messgrößen konzentrieren, die für das jeweilige Geschäftsmodell und die Unternehmensphilosophie entscheidend sind. Für den betrieblichen Erfolg ausschlaggebende Themen und Prozesse sollten in den Mittelpunkt des Interesses rücken, während Vollständigkeit und Komplexität vernachlässigt werden können, da sie vom Wesentlichen ablenken und Wichtiges mit Trivialem vermischen. Im Ideal schließt das Steuerungssystem einen Kreis: Das betriebliche Verhalten wird geprüft und bewertet, um sicherzustellen, dass – wie bei Intuit – das Unternehmen sein Wissen auch umsetzt. Bedauerlicherweise reicht es nicht aus, diese Richtlinien zu kennen, um die entsprechenden Steuerungssysteme auch tatsächlich in die Praxis umzusetzen. Wie bereits ausgeführt, existieren in Unternehmen beträchtliche Barrieren, die das Umsetzen dieser Prinzipien trotz ihrer Gültigkeit verhindern. Zu diesen Hindernissen gehören in nicht unerheblichem Maße die konventionellen finanzorientierten Kennzahlensysteme. Doch es besteht Anlass zur Hoffnung. Bei einigen der Unternehmen, die wir als positive Beispiele aufführten, handelt es sich um Aktiengesellschaften. Die Rechtsform der Unternehmen spielt also keine Rolle bei der erfolgreichen Einführung von Steuerungssystemen, die Wissen schaffen und umsetzen. Die Geschäftsleitungen der Unternehmen The Men's Wearhouse und SAS Institute achten sorgfältig darauf, ihre Unternehmensphilosophie und ihr Geschäftsmodell aufrechtzuerhalten, auch wenn sie so in ihrer Branche zu Außenseitern werden, die von den üblichen Praktiken abweichen. Beide Unternehmen vertreten die Überzeugung, dass die ausschließliche Verfolgung von kurzfristigen Zielen und das Opfern der Unternehmenswerte zu Lasten des dauerhaften Erfolgs eines Unternehmens geht. Im Fall von Sears war eine finanzielle Krise der Auslöser dafür, einen Schlussstrich unter die jüngste Vergangenheit zu ziehen und ein neues, auf das Geschäftsmodell abgestimmtes Steuerungssystem zu entwickeln. Bei anderen Firmen ergab sich das Steuerungssystem aus der Geschäftsphilosophie und der Unternehmenskultur, die nicht zuließen, dass ausschließlich kurzfristige Ziele verfolgt oder irrelevante Kriterien bewertet wurden. Eines haben alle Unternehmen gemein, die effiziente Steuerungsverfahren einsetzen: Sie konnten ihr Wissen, wie sich die Leistung zum Nutzen des gesamten Unternehmens steigern lässt, nur deshalb umsetzen, weil sie ihre Aufgabenstellung ebenso wie die Gründe ihres Handelns genau kannten und über die entsprechende Portion Mut und Ausdauer verfügten, sich nicht von ihren Überzeugungen abbringen zu lassen.

 

 

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