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Rindfleisch für 39 Yen


Die Hauptattraktion jedoch, die Sache, die die Kunden wirklich in Erstaunen versetzte, war unser Angebot von 100 Gramm Rindfleisch für nur 39 Yen. Dieses spezielle Produkt spielte eine wesentliche Rolle dabei, den Ruf Daieis als dem Ort, an dem man Fleisch kaufte, aufzubauen, und es ist eine Sache, die ich niemals vergessen werde.

Als Japan Ende der fünfziger Jahre endlich begann, seine alte Energie wiederzufinden, waren die Menschen auch wieder in der Lage, angemessen zu essen. Schließlich war die Nation im Begriff, sich auf die fortschrittliche Massenkonsumgesellschaft zuzubewegen, die der von der Regierung unter Hayato Ikeda im Jahre 1960 vorgeschlagene Einkommensverdoppelungsplan vorsah. Diese Atmosphäre schuf eine zunehmende Nachfrage nach Rindfleisch, das man bis dahin als Luxusgut betrachtet hatte.

Im Lichte dieser Veränderungen war mir klar, daß das Rindfleisch in den Eßgewohnheiten der japanischen Konsumenten eine immer größere Rolle spielen würde. Ich stellte mich der Herausforderung, die allgemein anerkannte These anzufechten, daß nur gelernte Fleischer Rindfleisch verkaufen könnten, indem ich für 100 Gramm Fleisch nur 39 Yen verlangte und nicht, wie in Fleischereien üblich, 60 Yen. Die Reaktion war unglaublich. Die Fleischabteilung wurde buchstäblich überrannt, und dies Tag für Tag, bis wir eine zusätzliche Fleischtheke in einem angrenzenden Ladenlokal öffneten, um die Nachfrage zu befriedigen. Die Fleischerfachgeschäfte der näheren Umgebung reagierten darauf, indem sie unsere Großhändler zwangen, die Zusammenarbeit mit uns einzustellen. Das Ergebnis war, daß die Verkäufe zurückgingen. Ich steckte in Schwierigkeiten. Wir versuchten sogar, Rinder zu kaufen und schlachten zu lassen, aber die Verluste waren zu groß. Um das Vertrauen unserer Kunden wiederzugewinnen und um aus der Krise wieder herauszukommen, war es nötig, große Mengen an Fleisch über andere Distributionskanäle einzukaufen, damit wir auch weiterhin preiswert anbieten konnten. Die Leute redeten vom Ende Daieis, aber ich war entschlossen, ums Überleben zu kämpfen. Ich stellte mich nach und nach allen Großhändlern vor und fragte an, ob sie uns beliefern würden; aber meine Bemühungen führten zu nichts, und dies lag offensichtlich an dem Druck, den die Fleischer ausübten. Ich wurde von den Lieferanten schlicht ignoriert.

Schließlich stieß ich auf einen Großhändler, der bereit war, Fleisch an die Daiei Inc., »über die jeder sprach«, zu verkaufen. Ich hatte einen Engel inmitten der Hölle gefunden! Nach Verhandlungen im Kühlhaus, bei zwanzig oder dreißig Grad unter Null, unterzeichnete ich einen Vertrag, mit dem ich sieben Rinderhälften erwarb, die vor mir von der Decke hingen. Die Hilfe dieses Großhändlers, der bereit war, acht seiner Stammkunden die Stirn zu bieten, um mit mir Geschäfte zu machen, erlaubte Daiei, die Krise zu überleben und die Verkäufe an unserer Fleischtheke wiederaufzunehmen.

Mit steigendem Absatz fuhren wir fort, Fleisch von weit her einzukaufen, in Kagoshima, in Okinawa und selbst in Australien, und veränderten dabei allmählich unsere Verkaufsmethoden.

Zu dieser Zeit war es üblich, das Fleisch lose zu verkaufen und es nach den Anweisungen der Kunden zu schneiden. Unser Versuch, vorverpacktes Fleisch zu verkaufen, war der erste seiner Art in Japan.

Weil die Ausrüstung, zum Beispiel Waagen, oder Materialien, wie zum Beispiel Tabletts, die man für die Selbstbedienung benötigte, damals, um 1964, nicht den Anforderungen genügte, war es viel zeitintensiver, vorverpacktes Fleisch zu verkaufen als auf herkömmliche Art und Weise, zumal die Kunden auf das bereits verpackte Fleisch sehr skeptisch reagierten.

Aber ich wußte, daß Selbstbedienung aufgrund seiner geringen Personalkosten die einzige Möglichkeit war, die Nachfrage nach großen Mengen Fleisch in hoher Qualität und zu niedrigen Preisen zu befriedigen. Neue Mitarbeiter wurden direkt nach ihrer Einstellung nach Hawaii geschickt, um unterschiedliche – sowohl einheimische als auch im Ausland bewährte – Verkaufsmethoden zu vergleichen und zu testen. Unsere Fleischtheken veränderten sich unter ihrem Einfluß, und langsam, aber sicher nahm die Skepsis gegenüber bereits verpacktem Fleisch ab, und die Selbstbedienung wurde immer beliebter Es setzte eine Einwicklung ein, die dazu führte, daß der persönliche Verkauf durch eine Bedienung hinter der Theke zurAusnahme wurde. Ich glaube, daß es die Bemühungen unseres jungen Mitarbeiterteams in Verbindung mit der Rolle Daieis als Organisation waren, die diesen Wandel durchsetzten.

 

 

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