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Professoren im Zwielicht


Dieses „Professorenlob“ sollte aber nicht zu dem Glauben verleiten, die Zunft der akademischen Lehrer sei eine völlig unabhängige, unverdächtige und in jedem Fall glaubwürdige Informationsquelle, gewissermaßen eine „Insel der Wahrheit“. Auch Professoren sind letztlich (in Deutschland jedenfalls, und hier mit wenigen Ausnahmen) Staatsangestellte, was zu gewissen „Rücksichten“ führt. Außerdem ist auch bei ihnen der Geist überwiegend links angesiedelt, was tiefenpsychologisch wohl u. a. auf den Neid der mäßig bezahlten „geistigen Elite“ auf die höheren Einkommen der „dummen Unternehmer“ zurückzuführen ist. Gott sei dank trifft dieser Umstand heute nicht mehr – oder nur noch in wenigen Fällen – auf die Gilde der Ökonomen zu. Umfassende Kenntnisse auf dem Gebiet der Ökonomie stehen nämlich den sozialistischen Wahn- und Traumvorstellungen so massiv entgegen, daß ein „linker Ökonom“ derzeit etwas genauso Befremdliches darstellt wie ein Voodoo-Medizinmann als Chefarzt eines deutschen Kranken sich an ein größeres Publikum zu wenden, wie das seit einiger Jahren dankenswerterweise im „Handelsblatt“ mit Kommentaren zu aktuellen wirtschafts- und sozialpolitischen Kontroversen geschieht, führt die Überlegung, wer das „Handelsblatt denn liest (nämlich bestimmt nicht das sog. „breite Publi. kum“ ) und welche Auflagenziffer diese Zeitung hat (nämlich gewiß nicht die eines der üblichen Rock-hoch-Magazine), auf: den Boden der traurigen Realität zurück. Dies schmälert natürlich die entsprechenden Verdienste des „Handelsblatts“ nicht sondern macht es umso wertvoller. Und was, nebenbei bemerkt, aus der Wahrheit im Sinne der Unabhängigkeit der Wissenschaft wird, wenn solche nicht-korrumpierbaren Ökonomen auch nur in den entfernten Dunstkreis der Politik geraten konnte man jüngst am „Fall Franz“ verfolgen.

Der „Fall Franz“: Nachdem Finanzminister Lafontaine den Ökonomieprofessor Wolfgang Franz nicht mehr für eine weitere Amts periode im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung verpflichten wollte, weil er den Kurs de „Nachfragestützung“ nicht ausdrücklich genug unterstützt habe forderten im Januar 1999 rund 180 Hochschulprofessoren den Minister auf, diesen Entschluß zu revidieren. Franz, so die Protestler gehöre zu den herausragenden Kollegen und sei ein national wie international anerkannter Arbeitsmarktexperte. Doch half da nichts. Am 28. Februar 1999 lief die fünfjährige (jedoch erneuerbare) Amtszeit eines der fünf Mitglieder des Sachverständigenrat aus – und dieser „Ausläufer“ hatte Franz zu sein. Lafontaine, schätzte nun mal „Beratung“, die ihm in den Kram paßte. Außer dem ist Franz beim DGB (auf dessen Vorschlag er einst berufet worden war) in Ungnade gefallen. Schon der leise Widerspruch (gegen den Lafontaine-Wahn von der „Stärkung der Massenkauf kraft“) und die differenzierte und ausgewogene Betrachtung in Jahresgutachten 1997/98 war den Genossen zuviel. Ihr Vorwurf Franz habe nicht eindeutig genug für die Stärkung der Massenkaufkraft durch hohe Lohnabschlüsse votiert und sich nicht für di flächendeckende Verkürzung der Arbeitszeit ausgesprochen. Er ha be im letzten Gutachten kein Minderheitsvotum abgegeben, sondern der angebotsorientierten Linie des Gutachtens beigepflichtet. Kurze Zeit später war als neuer fünfter Mann ein (wie hätte man anderes erwarten können) Keynesianer alter Schule gefunden: der Berliner Ökonom Jürgen Kromphardt, der den Lafontaine-Vorstellungen näher steht als fast sämtliche anderen Ökonomen Deutschlands. Kromphardt beeilte sich denn auch – noch vor seiner offiziellen Ernennung -, öffentlich kundzutun, daß sich „die Politik der Lohnzurückhaltung seit 1982 als falsch erwiesen“ habe. Es bleibt jedoch eine Hoffnung: Bislang hat es noch kein auf Wunsch der Gewerkschaften berufener Weiser geschafft, zwei volle Amtsperioden im Sachverständigenrat zu verweilen. Das ist ein Zeichen dafür, daß sogar „gelegene“ Ökonomen ihren Sachverstand auf Dauer nicht bis auf Gewerkschaftsniveau verkommen lassen.

 

 

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