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Produktionsverlagerungen ins Ausland und Exportgeschäfte


Der dritte Irrtum beruht auf folgendem Sachverhalt: Die Verlagerung der Produktion ins Ausland führt zu einer Verringerung des heimischen Exportes. Doch in fast allen Fällen führt eine solche Entwicklung zu einem Anstieg der Exporte.

Es könnte sein, daß ein japanischer Hersteller von Automobilen oder Unterhaltungselektronik, der eine Produktionseinrichtung in einem Niedriglohnland, zum Beispiel in Indonesien, errichtet, die Zahl der Arbeitsplätze in der japanischen Fabrik reduziert. Doch in den meisten Fällen war das nicht der Fall. Andererseits erhalten fast ausschließlich japanische Bauunternehmer die Aufträge für diese Arbeiten im Ausland. Und auch die Maschinen, die zukünftig in den neuen Fabriken eingesetzt werden, kommen von den Firmen, die das japanische Unternehmen auch zu Hause beliefert haben. Unternehmen, die neue Produktionsstätten errichten, sei es im Ausland oder daheim, vertrauen nun einmal auf ihre angestammten Zulieferer.

In neuen Fabriken (mit Ausnahme weniger automatisierter Arbeitsabläufe in der Textilindustrie) entspricht der Umfang der Investitionen pro Arbeiter dem, was ein solcher Arbeiter in einem Zeitraum von fünf Jahren erwirtschaftet. Mit anderen Worten: Neue Fabrikationseinrichtungen bringen in fünf Jahren wieder den Wert ihrer Kapitalinvestition ein. Während dieser fünf Jahre übersteigen die Ausgaben für Exporte aus Japan zur Produktionsstätte nach Indonesien das, was in Japan an Löhnen hätte gezahlt werden müssen, um das Fünffache. Diese Exporte beinhalten Maschinenlieferungen, Zahlungen an Architekten, Aufwendungen für Baumaßnahmen und so weiter.

Allein diese Tatsache ist Grund für die Leistungsfähigkeit der japanischen Industrie während der letzten Jahre. Ebenso ist die Leistungsfähigkeit der USA in den sechziger und siebziger Jahren zu erklären, als dort Arbeitsplätze »exportiert« wurden. In diesen Jahren war überwiegend ein Anstieg des US-Außenhandelsüberschusses zu beobachten. Auch hier die simple Erklärung: Investitionen im Ausland schaffen Exportmärkte. Die Güter, die dann exportiert werden, sind zudem hochwertiger als die, an deren Stelle sie treten. Es werden somit Exportkapazitäten im Bereich des hochspezialisierten Maschinenbaus mit hohen Wertzuwachsraten freigesetzt, und eine Produktion, die weniger spezialisiert ist und nur geringe Gewinnspannen verspricht, zum Beispiel die Textil- oder Spielzeugherstellung, wird ersetzt.

Es ist, wenn überhaupt, nur die halbe Wahrheit, daß die Produktion dieser neuen Fabriken die Produktion der Stammfabriken ersetzt und dann in die entwickelten Länder, sei es nun nach Japan oder in die USA, importiert wird. Zu Beginn dieser Entwicklung, als Sony und Matsushita vor fünf oder sechs Jahren die ersten Produktionsstätten ausgelagert haben, mag diese Einschätzung durchaus richtig gewesen sein. Doch innerhalb des sehr kurzen Zeitraumes von drei bis fünf Jahren versorgen diese Fabriken den einheimischen Markt. Sie schaffen somit eher neue Märkte, als daß sie die Produktion im Stammland ersetzen.

Mit anderen Worten: Es gibt ausreichende Beweise, daß eine Auslagerung von Herstellungsprozessen — mit niedrigen Lohnkosten und geringen Gewinnspannen — den Produktionsstandort eines entwickelten Landes eher festigen, als daß sie ihn gefährden.

 

 

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