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Präsentationen ersetzen Taten


Im oben vorgestellten Unternehmen herrschte die unausgesprochene und völlig unsinnige Ansicht vor, dass die Entscheidung über eine Maßnahme bereits deren Umsetzung nach sich zieht. Dieser Irrglaube wirkt sich noch extremer aus, wenn in einem Unternehmen nach Meinung des Managements die wichtigsten Aufgaben überhaupt nur noch aus Reden, Schreiben und Analysieren bestehen. Solche Probleme treten besonders in großen Konzernen in Erscheinung, in denen sich das obere Management hauptsächlich mit finanziellen Aspekten beschäftigt und den Bezug zum reellen Arbeitsablauf verloren hat. Die Manager verbringen dann einen Großteil ihrer Zeit damit, technisch und grafisch ausgefeilte Präsentationen zu besuchen oder abzuhalten, in denen es hauptsächlich darum geht, sich gegenseitig zu beeindrucken. Viele Führungskräfte verbringen sehr viel Zeit mit allen Arten von Präsentationen und verlieren darüber leicht den Bezug zu den Angestellten und den Arbeitsabläufen in der eigentlichen Produktion. Burgess Winter, ein Fachmann im Kupferbergbau, setzte sehr schnell ganz bemerkenswerte Änderungen bei Magma Copper durch, nachdem er 1988 in die oberste Führungsriege befördert worden war. Innerhalb von drei Jahren gelang es ihm, unter anderem durch die Einführung neuer Managementpraktiken, die Betriebskosten für den Kupferabbau zu senken, die Minenerträge um 30 Prozent und die Gesamtproduktivität des Unternehmens um 50 Prozent zu steigern. 1996 wurde Magma von Broken Hill Propriery (Rill), einem australischen Grononzern, fiir einen Preis übernommen, der die Erhöhung des Aktienwerts um 700 Prozent innerhalb von acht Jahren widerspiegelte. Winter wurde mit dem Management aller BHP-Kupferwerke betraut, verließ jedoch nach einem Jahr das Unternehmen. Nach der Übernahme durch BHP war es mit dem Erfolgskurs bei Magma fast sofort vorbei, und innerhalb von 18 Monaten musste BHP für Magma eine Wertminderung von zwei Milliarden Mark hinnehmen. Was war geschehen? Als großes, bürokratisches Unternehmen legte BHP viel Wert auf Finanz- und Geschäftsplanung, Prognosen, Besprechungen, Finanzberichte und zentralisierte Unternehmensleitung durch den Firmenhauptsitz. Diese Managementpraktiken erwiesen sich in verschiedenen Zweigstellen von BHP als problematisch. So konnte zum Beispiel eine sehr erfolgreiche Niederlassung ihren Mitarbeitern in einem Jahr nur 2,75 Prozent Gehaltserhöhung bieten, da der Konzern als Ganzes weniger erfolgreich gewesen war und die Lohn- und Gehaltserhöhungen von oben festgelegt wurden. Die Mitarbeiter der Niederlassung waren natürlich verärgert und enttäuscht, dass ihre hervorragenden Leistungen überhaupt nicht anerkannt wurden. Es wurde auch beanstandet, dass die Unternehmensleitung die erfolgreiche Geschäftsentwicklung geradezu behindert hatte, da so viel Zeit und Energie mit Besprechungen, Berichterstellung und vor allem mit Präsentationen verschwendet würde. Burgess Winter beschrieb uns, wie sein Arbeitsalltag nach der Übernahme durch BHP aussah und warum er seine neuen Aufgaben als schwierig und frustrierend empfand: »Ich verbrachte jeden Monat fast zwei Wochen mit Geschäftsreisen nach Melbourne [zum Firmensitz in Australien] und zurück. In Melbourne sah ich mir eigentlich hauptsächlich Präsentationsfolien über Pläne, Berichte, Strategien, Finanzierungen und so weiter an. Der Zweck dieser Treffen war aber leider nicht, von den anderen Unternehmensbereichen zu lernen, sondern die Kollegen mit der Qualität der eigenen Präsentation zu beeindrucken. Ich versuchte immer wieder, meinen Kollegen klarzumachen, dass unser Geschäft nicht aus dem Erstellen von Overheadfolien bestand, sondern aus Bergbau und Erzschmelzen, Stahlherstellung, Ölraffinerie und so weiter. Wenn wir unser Geld mit dem Erstellen von Präsentationen verdienten, wären wir ein sehr erfolgreiches Unternehmen. Doch die ganzen Berichte und Resprei-1minen wurden von der zentralen Unternehmensleitung verlangt, da man dort der Meinung war, nur so könnte man immer auf dem Laufenden bleiben. Das Problem war, dass wir vor lauter Besprechungen und Präsentationen kaum Loch Zeit hatten, uns über die tatsächlichen Arbeitsabläufe zu informieren und diese produktiv zu gestalten.«

 

 

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