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Persönliche Erfahrungen


Von Juni 1945 bis zum Ende des Krieges, am 15. August, bin ich als schwerverwundeter Soldat der geschlagenen japanischen Streitkräfte durch die Tiefen des philippinischen Dschungels geirrt. Es gab keine Nahrungsmittel, und ich war gezwungen, alles zu essen, was sich mir bot, selbst das Leder meiner Schuhe, um überleben zu können. Dies war sicher nicht die richtige Zeit, sich Gedanken um hochgesteckte Ziele und Ideale zu machen.

Wieder in meinem Heimatland angekommen, wurde mir die grausame Wahrheit des Krieges bewußt, ebenso wie die tragische Erkenntnis, so viele Kriegskameraden verloren zu haben. Ich konnte nicht verstehen, wie die normalerweise so feinfühligen Japaner einen solch sinnlosen Akt auslösen konnten.

Ich kam zu der Überzeugung, daß zwei Dinge notwendig wären, um Japan davor zu bewahren, derartiges in Zukunft zu wiederholen: Erstens müssen freundschaftliche Beziehungen zu anderen Ländern gepflegt werden. Zweitens erschien es mir notwendig, das Distributionssystem zu modernisieren und ein nationales Netzwerk zu schaffen, das allen Bürgern in Japan ermöglichen sollte, die benötigten Waren zum gewünschten Preis, am gewünschten Ort und zum gewünschten Zeitpunkt kaufen zu können - so wie der Blutkreislauf den menschlichen Körper mit Nährstoffen versorgt.

Das tägliche Geschäft beanspruchte mich, nach der Eröffnung der ersten Daiei-Filiale im Jahr 1957, voll und ganz. Doch meine Reise in die USA, 1962, um dort Japan beim jährlichen Kongreß des »Institutes für Verbrauchermärkte« zu vertreten, markierte einen einschneidenden Wendepunkt. Jedes Wort der Begrüßungsansprache von Präsident Kennedy eröffnete mir neue Perspektiven.

Der Präsident lobte das Konzept der Supermarktketten, bemerkte, daß sie einen angenehmen Lebensstil der Verbraucher in den USA förderten, und betonte, daß die Wohlstandsgesellschaft, die durch das Konzept der Supermarktketten begünstigt wurde, genau die Gesellschaft ist, die alle Amerikaner sich wünschen.

Tief beeindruckt von den Worten des Präsidenten, machte ich mich daran, so viele Supermärkte wie möglich in Augenschein zu nehmen. Und wieder war ich beeindruckt, und zwar von dem, was ich sehen konnte. Die amerikanischen Supermärkte waren ausschließlich verbraucherorientiert und darauf ausgerichtet, die von Präsident Kennedy im März 1962 verkündeten vier Rechte der Verbraucher in die Tat umzusetzen. Darüber hinaus profitierten Städte und Gemeinden von ihren Dienstleistungen.

Diese Erfahrungen in den USA – plus meine Ideen für die Gründung von Daiei – überzeugten mich, daß die Modernisierung der Distributionsstrukturen mit dem Ziel, Verbrauchern und Gesellschaft eine Dienstleistung anbieten zu können, die das Leben der Menschen gesicherter werden läßt, einem gesunden Gemeinwesen und einer friedlicheren Gesellschaft dient. Auch wenn einige diese Äußerungen als Ansichten eines extravaganten Unternehmensgründers werten sollten, so war es doch diese Überzeugung, die Anfang der sechziger Jahre als treibende Kraft hinter dem Wachstum von Daiei stand und dieses Unternehmen zu dem machte, was es heute repräsentiert.

Ich bin mir sicher, daß das Wachstum vieler japanischer Unternehmen nach dem 2. Weltkrieg sowohl auf ein allgemeines Bedürfnis zurückzuführen war, möglichst schnell den desolaten Zustand in Japan zu verändern und die Lebensumstände der Menschen zu verbessern, als auch darauf, aus dem aus den USA exportierten Vorbild zu lernen. Es waren diese Überzeugungen, die viele Unternehmen in die Lage versetzten, phänomenale Wachstumsraten zu erzielen und damit die Voraussetzungen für das schnelle Wachstum der gesamten japanischen Wirtschaft schufen.

Was also haben japanische Unternehmen von den USA gelernt? Sicherlich haben wir uns einige spezielle Geschäftstaktiken aneignen können – wie die Produktentwicklung, Marketingstrategien und das Finanzmanagement. Doch der größte Einfluß auf die japanischen Unternehmen, das wichtigste Kapitel, so denke ich, war das Vorbild des uneingeschränkten Dienstes am Kunden und an der Gesellschaft, was besonders am Beispiel der Supermarktketten deutlich wird. Von allem, was wir von den USA lernen konnten, hat dies sicherlich die größte Bedeutung, da die japanischen Unternehmen mehr machten, als nur Managementtechniken zu übernehmen. Sie wußten nun um die universelle Bedeutung von Dienstleistung – für Sie der Weg zu Weisheit und Einsicht. Es sind genau diese Einsichten, die das schnelle wirtschaftliche Wachstum in Japan gefördert haben.

Ich denke, diese Grundsätze stimmen mit denen der Unternehmensführer, die nach den Neuerungen der Meiji-Zeit aktiv waren, überein. Herausragende Persönlichkeiten wie Yukichi Fukuzawa, Eiichi Shibusawa und lchizo Kobayashi, der Gründer des Unternehmens Hankyu, dem ich großen Respekt zolle, konnten die Einsichten gewinnen, die notwendig waren, um eine ökonomische Reform der Gesellschaft einzuleiten. Ohne ihr Werk wären diese damals kühnen wirtschaftlichen und sozialen Reformen nicht durchführbar gewesen, vor allem nicht mit einer solchen Leichtigkeit und innerhalb so kurzer Zeit.

 

 

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