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Nun, Knappheit hin oder her; es ist doch so, daß wer bei dem Spiel nach gleichen Regeln viel hat, auch viel gewinnt, und wer wenig hat, wenig oder nichts gewinnt.


Das kann so sein; es kann aber auch anders und sogar umgekehrt sein. Wer viel hat, kann im dynamischen und wettbewerblichen Marktprozeß auch viel verlieren, und wer nichts hat, kann auch viel gewinnen. Es gibt im Markt keinen sicheren Gewinn. Alles ist offen. Viele der reichsten Männer der Welt haben mit nichts begonnen, und noch mehr Reiche enden arm wie die Kirchenmäuse. Der Direktor eines großen Arbeitsamtes, der dort unter anderem auch dem sogenannten Massenentlassungsausschuß vorsaß, hat mir einmal – kurz vor seiner Pensionierung und nach einem erfahrungsreichen Leben – gesagt: „Die einzigen wirklich echten und schlimmen Sozialfälle, die mir in meiner Laufbahn begegnet sind, waren allesamt gescheiterte Unternehmer.“ Wie in jedem Spiel, das nach gleichen Regeln – aber notwendigerweise mit ungleichen Spielern ablaufen muß, so hängen auch die Ergebnisse des großen Leistungsspiels der Marktwirtschaft nicht ausschließlich von den Fähigkeiten und Anstrengungen der Teilnehmer ab; auch Glück und Pech sowie viele Unwägbarkeiten des Lebens sind mit involviert und können letztlich spielentscheidend sein. Das Argument, wer viel habe, werde viel gewinnen, zielt auf die sogenannte , Startgerechtigkeit’, die es aber ebenfalls nicht geben kann. Herbert Giersch hat dazu einmal die richtigen Worte gefunden: „Ergebnisgleichheit ist vom Wettbewerb nicht zu erwarten. Stünde schon vorher fest, daß es keine Sieger und Verlierer gibt, würde sich niemand im Wettbewerb engagieren. Der Verfall wäre programmiert... Noch nicht einmal Startgerechtigkeit kann es geben. Dazu sind die Menschen zu unterschiedlich, die Wünsche und Erziehungsleistungen der Eltern in der Tradition der Familie zu wichtig... Im übrigen müssen junge Menschen wissen, daß Staat und Markt nicht ausgleichen können, was die Welt im allgemeinen so ungerecht macht. Wer den Himmel auf Erden verlangt, wird die Erde –oder den Staat – zur Hölle machen, wie es ähnlich schon Hölderlin ausgedrückt hat. Und das Gutgemeinte ist in dieser zweitbesten Welt oft das genaue Gegenteil des Guten.“ (Giersch 1992) Ein anderer Ausdruck für die sogenannte ‚Startgerechtigkeit’ ist die ‚Chancengleichheit’. Leider fallen auch viele Liberale und stringent freiheitlich denkende Zeitgenossen auf diesen Bluff herein, der mit sprachlicher Ungenauigkeit zusammenhängt. Was der waschechte Freiheitsfreund fordern muß, ist nicht Chancengleichheit, sondern Chancenfreiheit.

 

 

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