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Notwendigkeiten der Wirtschaftsausbildung für das 21. Jahrhundert


Neueste unternehmerische Forschungsstudien liefern einen Anhaltspunkt für den Entwurf eines Entrepreneurship-Curriculums für das 21. Jahrhundert. In einer aktuellen Delphi-Studie wurde eine Gruppe von erfahrenen Kapitalanlegern und erfolgreichen Geschäftsführern von Gesellschaften, die über insgesamt 5,5 Milliarden US-$ investierten Kapitals verfügen, gebeten, solche Faktoren zu benennen und in ihrer Rangfolge zu ordnen, von denen sie glaubten, daß sie die Wahrscheinlichkeit des unternehmerischen Erfolgs erhöhen (Grant 1992).

Der Zweck der Untersuchung war es, die hervorstechendsten Charakteristika eines Führungsstils herauszufiltern, der in einem typischen Unternehmen im Frühstadium mit großem Wachstumspotential zum Erfolg führt. Bewußt erkannt und gezielt eingesetzt, könnten diese Faktoren die Taktiken des Investors und des unternehmerischen Teams so verbessern, daß sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, mit Erfolg zum Ziel zu gelangen. Die im Ergebnis aufgezählten Faktoren könnten ein pragmatisches Raster für die Struktur eines Curriculums für Business Schools des 21. Jahrhunderts abgeben.

Man brauchte drei Delphi-Runden, um einen Konsens darüber zu erzielen, welches die wichtigsten Faktoren zur Steigerung des Erfolgs von Unternehmensführung sind.

Das Verfahren der dritten Runde verband die wichtigsten Aussagen über erfolgreiche Unternehmensführung aus der Literatur mit den hervorstechendsten Antworten der befragten Gruppe, der Umfang und Richtung ihrer Aussagen völlig frei gelassen war. Indem die Gruppe jeden genannten Faktor auf einer Gewichtungsskala einordnen mußte, wurden Maßstäbe gefunden, mit deren Hilfe diese Aussagen auf 18 Kernsätze über die Förderung erfolgreicher Unternehmensführung reduziert wurden.

Trennte man die Faktoren, die den Aktionen des führenden Unternehmers (Lead Entrepreneur) zugeordnet werden können, von den anderen, zeigte sich, daß die verbleibenden Aussagen in zwei zusätzliche Gruppen aufgeteilt werden konnten. Eine Gruppe bezog sich auf das interne Umfeld des Unternehmens und die andere repräsentierte die Schnittstellen mit seinem äußeren Umfeld, also den Kunden des Unternehmens, Konkurrenzunternehmen, Lieferanten, Gewerkschaften, Gemeinden, Teilhaber und verschiedene Körperschaften des öffentlichen Rechts.

Die erste Gruppe von Aussagen über den führenden Entrepreneur (Lead Entrepreneur) wurde von der Meinung der befragten Gruppe bestimmt, daß dieser z.B. eher ein realistisches als ein geltungsbedürftiges Selbstbild haben muß und in allen Geschäften intellektuell ehrlich sein muß. Alle Faktoren für seinen Erfolg werden im Folgenden in der von der befragten Gruppe festgelegten Reihenfolge der Wichtigkeit dargestellt.

– Positives Selbstbild: Ist eher realistisch, als daß er sich für unbesiegbar hält.

– Intellektuelle Ehrlichkeit: Ist unbedingt vertrauenswürdig. Er/Sie steht zu seinem/ihrem Wort. Gibt zu, wenn er/sie etwas nicht weiß.

– Vorreitermentalität: Zeigt ein hohes Energieniveau und einen Sinn für Dringlichkeit.

– Mut: Ist fähig, harte Entscheidungen zu fällen, anspruchsvolle Ziele zu setzen, sie in Angriff zu nehmen, zu erfüllen oder zu übertreffen.

– Hervorragende Kommunikationsfähigkeit: Hält einen effektiven Dialog mit dem Unternehmensteam, mit Geschäfts- und anderen für das Unternehmen wichtigen Partnern aufrecht.

– Teamleiter: Zeigt Kompetenz im Umgang mit Menschen und Fähigkeiten, Teams aufzubauen.

Der Bereich, dem die Expertengruppe die höchste Wertigkeit zusprach, war das Unternehmensteam; in erster Linie konzentriert auf Bedingungen innerhalb des Unternehmens. Der stärkste Faktor betonte die Wichtigkeit des leitenden Entrepreneurs und des Unternehmensteams, die gemeinschaftlich ihre Fähigkeiten einbringen. Diesem Bereich wurde bereits seitens der Forschung sehr große Aufmerksamkeit zuteil. Zuerst von James McGregor Burns in seinem fruchtbaren Werk „Leadership“ (1978) und von Robert Reich in seinem Artikel „The Team as Hero“ (1987). Die Faktoren, die für erfolgreiche Teamarbeit wichtig sind, werden im Folgenden in der von der Gruppe festgelegten Rangfolge dargestellt.

– Organisationstil: Der führende Entrepreneur und das Unternehmensteam vereinigen ihre Fähigkeiten in einem kooperativen Handlungsrahmen.

– Ethisches Verhalten: Das Geschäftsverhalten richtet sich nach sehr hohen ethischen Maßstäben.

– Vertrauenswürdigkeit: Weitreichende Verpflichtungen konsequent erfüllt oder übertroffen.

– Brennpunkt: Langfristige Unternehmensstrategien werden im Auge behalten, aber die Taktiken werden flexibel gehandhabt, um diese Strategien zu verwirklichen.

– Ausführung/Entlohnung: Es werden hohe Standards der Ausführung gesetzt, und überragende Ausführung wird fair und gerecht entlohnt.

– Anpassungsfähigkeit: Das Team ist fähig, sehr schnell auf Veränderungen in Produkt- und Technologiezyklen zu reagieren.

Der dritte Bereich, die äußeren Einflüsse, handelte von der Beziehung des Unternehmensteams zum äußeren Umfeld. Der wichtigste Faktor war das Einfühlungsvermögen, die Bedürfnisse der Geschäftspartner und Multiplikatoren mit den gleichen Prioritäten zu befriedigen wie die eigenen. Diese erfolgsfördernden Faktoren werden im Folgenden in der von der befragten Gruppe festgelegten Rangfolge dargestellt:

– Bedürfnisse der Kunden und Geschäftspartner: Notwendigkeiten der Organisation werden parallel zu denen von anderen öffentlichen Gruppen, denen das Unternehmen dient, befriedigt.

Entrepreneurship – die grundlegende wissenschaftliche Disziplin

– Vorherige Erfahrungen: Ausgedehnte Vorerfahrungen des Teams werden effektiv genutzt.

– Mentorenschaft: Die Kompetenzen anderer werden gesucht und genutzt.

– Problemlösung: Neue Probleme werden gelöst, sobald sie auftreten, oder sie werden effektiv nach Priorität geordnet.

– Wertschöpfung: Es werden hohe Verpflichtungen zur langfristigen Wertschöpfung für Geldgeber, Kunden, Angestellte und andere Teilhaber eingegangen.

– Schwerpunkt auf Fähigkeiten: Fähigkeiten im Bereich des Marketing werden gegenüber technischen Fähigkeiten betont.

Es ist bemerkenswert, daß die Faktoren ethisches Verhalten und Integrität unter diesen 18 Aussagen zur erfolgreichen Unternehmensführung viel mehr Bedeutung haben als ihnen in der gängigen Literatur zugestanden wird. Diese Ergebnisse, die die von der Wirtschaftsgemeinschaft empfundenen Bedürfnisse widerspiegeln, sind bereits im Babson College's Entrepreneurship Curriculum berücksichtigt. Diese erfolgsfördernden Faktoren mögen als eine Basis für den Entwurf von ähnlichen Entrepreneurship Curricula an anderen Institutionen dienen.

 

 

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