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Notwendige Rahmenbedingungen


Dies ist die Herausforderung, der sich die freie Welt — und besonders die entwickelten Länder — heute stellen muß. Die wahren Anhänger der freien Marktwirtschaft österreichischer Prägung haben überzeugend dargelegt, daß der Markt wesentlich mehr organisieren kann, als wir in den letzten hundert und besonders in den letzten fünfzig Jahren geglaubt haben. Und doch gibt es auch heute noch Grenzen. Es gibt eindeutig eine Vielzahl grundlegender Beziehungen in der Gesellschaft — und selbst in der Wirtschaft —, mit denen die Kräfte des Marktes allein nicht fertig werden. Sie sind mit Sicherheit nicht angebracht, um eine Familie, eine Gemeinschaft, geschweige denn eine Nation zu organisieren. Die große Stärke der Marktwirtschaft ist, daß ihre Beziehungen unpersönlich und, mit Ausnahme der wirtschaftlichen, frei von jedem Wert sind. Aber wir sind eindeutig noch nicht in der Lage, Regeln abzuschaffen wie die, daß nur eine Person, die ein Examen einer anerkannten medizinischen Hochschule vorweisen kann, sich als Arzt bezeichnen und praktizieren darf. Wir wollen ebenso sicher nicht solche Regularien abschaffen, die die Öffentlichkeit vor Scharlatanen, vor Betrug, vor grober Inkompetenz in Angelegenheiten, die von öffentlichem Interesse sind, schützen.

Wir müssen deshalb sowohl darüber nachdenken, was der Markt leisten kann, als auch über das, was er nicht leisten kann und was deshalb niemand von ihm erwartet. Wie lautet nun der »raison d´etre«, die Rechtfertigung, für die Existenz des Marktes? Wie erklärt sich seine Überlegenheit? Der eine ist, daß eine moderne Wirtschaft viel zu komplex ist, um nur von einer Stelle oder einer Macht gehandhabt werden zu können. Dies ist das zentrale Argument in der wahrscheinlich überzeugendsten aller die freie Marktwirtschaft befürwortenden Theorien der letzten fünfzig Jahre, der Theorie des großen angloösterreichischen Ökonomen und Sozialphilosophen Friedrich von Hayek.

Kein System, das die Reaktionen und Entscheidungen einer unzähligen Masse kleiner Partizipienten — sowohl Firmen als auch Individuen —, die jeweils auf den für sie verfügbaren Informationen beruhen, durch das Urteil einer einzelnen Person oder eines Mittlers ersetzt, kann funktionieren. Es gibt keine Möglichkeit, genügend Informationen zusammenzutragen, geschweige denn, diese zu verstehen. Der Markt schafft sozusagen eine unendliche Zahl kleiner, teilweise unabhängiger Computer, die durch parallele Schnittstellen miteinander verbunden sind und jeweils über den größten Teil (wenn auch vermutlich nicht über die Gesamtheit) aller Informationen verfügen, die benötigt werden, um eine korrekte Entscheidung zu treffen — eben weil es eine geringfügige und begrenzte Entscheidung ist. (Es besteht nicht die Möglichkeit, wie mit einem großen Zentralrechner — und das ist im Endeffekt das, was eine planwirtschaftliche Bürokratie zu sein versucht —, die notwendigen Informationen zu beschaffen.) Damit das funktioniert, muß es ebenfalls unendlich viele Entscheidungen geben, die sich jeweils geringfügig voneinander unterscheiden, die jeweils eine Antwort auf ganz spezielle Umstände geben, die jeweils innerhalb einer sehr engen Bandbreite von Faktoren optimal sind — weil ein jeder der lokalen Entscheidungsträger eine andere Situation vorfindet, andere Bedürfnisse, Wünsche und Ziele hat und die Frage nach dem Kosten-Leistungs-Verhältnis anders beurteilt.

Hinzuzufügen ist — und dies ist ein sehr wichtiger Punkt —, daß es heute keinen eindeutigen Schwerpunkt mehr gibt, an dem sich wirtschaftliche Entscheidungen ausrichten können.

 

 

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