Economia48 Projekt Wirtschaftslexikon Management Lexikon Lexikon Wirtschaft
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

Modelle der Kleingewerbeförderung - Das unternehmerische Potential verstehen und fördern


An dieser Stelle wollen wir die Untersuchung der Unternehmerpersönlichkeit erst einmal auf sich beruhen lassen und unsere Aufmerksamkeit verstärkt ihrem Umfeld, dem Bereich der Gewerbeförderung zuwenden, aus dem die meisten Programme der Unternehmerförderung stammen. Den Blick auf das Gesamtbild freizugeben, ist wichtig, weil es uns die Unterscheidung zwischen dem „Prozeß der Unternehmerförderung“ und dem „Prozeß der Unternehmungsförderung“ gestattet, also zum einen der Beschreibung der Situation des einzelnen in der Unternehmensgründungsphase und zum anderen der Analyse der kritischen Voraussetzungen, die für Unternehmer und die Gesellschaft erfüllt sein müssen, damit sich die Erfolgschancen für alle heute und zukünftig am Markt auftretenden Unternehmer erhöhen. In der heutigen globalen Wirtschaft können die Länder nicht isoliert bestehen, sie müssen sich vielmehr im Wettbewerb mit anderen Volkswirtschaften behaupten. Die Globalisierung wirkt sich entscheidend auf das Wirtschaftswachstum, die Beschäftigung und die Einkommensverhältnisse in den Industriestaaten, den aufstrebenden Volkswirtschaften und den noch wenig entwickelten Märkten aus. Bessere Verfahren ausfindig zu machen, von denen Impulse für die Unternehmensentwicklung und das Wirtschaftswachstum ausgehen, bleibt nach wie vor strategisches Ziel derjenigen, die das Tempo auf dem Wege zu ausgewogeneren Einkommensverhältnissen und höherer Beschäftigung anheben wollen. Zahlreiche Entscheidungsträger setzen in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf die Förderung der Privatinitiative.

Ein Gutteil der bisherigen Forschung ist auf den Wunsch der staatlichen Instanzen, z.B. der Regierungen aufstrebender Märkte und der Geberländer, nach kosteneffizienten, zielgenauen Ansätzen für immer kompliziertere Entwicklungszusammenhänge zurückzuführen. Die Ende der sechziger und in den siebziger Jahren in den Entwicklungsländern durchgeführten Maßnahmen der Unternehmensförderung folgten zum großen Teil der Auffassung, der Kleinunternehmer sei auf kontinuierliche Beihilfe in Form unentgeltlicher Ausbildung, fertiger Machbarkeitsstudien, maßgeschneiderter Gewerbeflächen, Vermarktungshilfen, zinsgünstiger Kredite sowie dauerhafter Beratungsdienste angewiesen. Da die Kleinunternehmer gemeinhin als Sozialfälle betrachtet wurden, galt es als im öffentlichen Interesse liegend, zu ihren Gunsten in den Markt einzugreifen. Es entstanden große Institutionen, die darüber wachen sollten, daß die Zuschüsse wirklich die „richtigen“ Leute erreichten und Millionen von Dollar, Pesos, Rupies, Schillingen und Pfund wurden für Unternehmensförderungsprogramme ausgegeben, deren Wirkung bestenfalls bei einem verschwindend kleinen Prozentsatz der Unternehmerschaft eines Landes verpuffte. Dabei blieb das tatsächliche Hindernis für den unternehmerischen Erfolg, nämlich die Politik der strengen staatlichen Kontrolle der Marktkräfte, weitgehend unangetastet.

Zu dem sogenannten „integrierten Modell“, durch das einer begrenzten Anzahl von Betrieben das gesamte Leistungsspektrum angeboten wurde, entwickelten sich erst zu Beginn der achtziger Jahre allmählich Alternativen im Kredit- und Unternehmensbereich. Diese Ansätze wurden „minimalistisch“ genannt, weil sie den Akzent auf ein einziges Förderinstrument setzten und auf das übrige Spektrum verzichteten. Den minimalistischen Programmen lagen folgende Annahmen zugrunde:

für die erfolgreiche Ausübung seiner Tätigkeit benötigt ein Unternehmer zu keinem Zeitpunkt die gesamte Bandbreite an Fördermitteln;

– Dienstleistungen wie Kreditvergabe, Ausbildung und Gewerbeflächen müssen nicht unbedingt im Verbund bereitgestellt werden;

– es wird immer ausreichenden Bedarf für jeden einzelnen Dienst geben, um eine relativ kleine Organisation vollauf auszulasten;

– anstatt des integrierten Ansatzes, der für eine kleine Zahl Auserwählter bestimmt war, will die minimalistische Organisation Tausende von Kunden erreichen.

Die Spezialisierung und die daraus resultierenden Betriebsgrößenvorteile ermöglichen eine Senkung der Gesamtkosten und Erhöhung der Produktqualität – was wiederum die Nachfrage nach den Dienstleistungen belebt. Wird das Produkt erst einmal ausreichend nachgefragt, kann die Einrichtung dazu übergehen, von ihren Kunden ein Leistungsentgelt zu verlangen. Durch eine systematische Verlaufs-,Fortschritts- und Ergebniskontrolle wird festgestellt, ob die betreffende Dienstleistung tatsächlich Wirkung bei den Kunden entfaltet, und dieser Rückkopplungseffekt gibt der Organisation die Informationen für ihre strategischen Entscheidungen an die Hand. Beispiele für derartige Organisationen sind die Grameen Bank in Prodem, Bangladesch, und BancoSol in Bolivien und das „Informal Sector Programme“ von KIE in Kenia.

Im Jahre 1980 begann die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) mit der gezielten Erprobung verschiedener konzeptioneller Ansätze der Kleingewerbeentwicklung. In großem Umfang geschah dies in Nepal, zunächst im Zuge eines städtischen Entwicklungsprojektes in der Stadt Bhaktapur und später im Rahmen eines landesweiten Projekts mit städtischem und auch ländlichem Bezug. Nach Ablauf der ersten drei Jahre, in denen über ein integriertes Modell der Zugang zu Krediten in Verbindung mit Beratungsdiensten, exportorientierter Vermarktung, Gewerbeflächen und Technologieentwicklung angeboten und unternehmerisches Potential gefördert wurde, stachen drei Programmelemente durch ihre hohe Kostenwirksamkeit hervor, nämlich die Entwicklung des Unternehmerpotentials, die Unternehmensberatung und eine kleine revolvierende Kreditfazilität. Angesichts der hohen Erfolgsquote erfreute sich das Unternehmertraining, das damals unter der Bezeichnung Existenzgründerprogramm lief, besonderer Beliebtheit. Im Schnitt führte ein sechswöchiger Lehrgang mit 20 Teilnehmern zu 12 Unternehmensgründungen mit durchschnittlich 5,6 Beschäftigten. Die Direktkosten pro Lehrgang betrugen 1 000 US-$. In der Folgezeit wurde das Programm unter Mitwirkung zahlreicher Experten konzeptionell und praktisch weiterentwickelt, und 1987 wurde diese spezielle Art der Unternehmensförderung unter dem Akronym CEFE – Creation of Enterprise through the Formation of Entrepreneurs – bekannt.15

Das Programm wurde alsdann vielerorts in Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika wiederholt, wobei sich ähnliche Erfolgsquoten einstellten. 1994 erfolgte eine unabhängige Evaluierung der CEFE-Methode in drei Kontinenten, bei der die Gutachter folgendes konstatierten: hohe Wirksamkeit als Katalysator für Unternehmenswachstum, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit im Hinblick auf unterschiedlichste Zielgruppen und Kulturen, ein erfolgreiches Instrument, das über die bloße Unternehmensförderung hinausgeht, das von den Nutznießern und den mit der Programmdurchführung betrauten Partnerinstitutionen gleichermaßen mit höchstem Lob versehen wurde und das ein Reservoir an hoch qualifizierten und motivierten Menschen hat entstehen lassen.

Seit CEFE als Unternehmerförderungsprogramm ins Leben gerufen wurde, ist ein weitgefächertes Lerninstrumentarium entwickelt worden, bei dem expertmentelle Lernmethoden zum Einsatz kommen, mit denen die Unternehmensführung und die Fach- und Sozialkompetenz einer Vielzahl unterschiedlicher Akteure entwickelt und gestärkt werden sollen. Hauptziele sind in diesem Zusammenhang die Schaffung einer Einkommensgrundlage, die Beschäftigungsförderung und die wirtschaftliche Entwicklung.

Im Laufe der Jahre hat sich CEFE, das heute als internationales Akronym für Competency-based Economies through Formation of Enterprise steht, von einem Trainingsansatz für Existenzgründer zu einer umfassenden Lernmethode auf der Grundlage eines Modells entwickelt, das weiter unten noch genauer vorzustellen sein wird. CEFE verfolgt das Ziel, unternehmerische Initiative und Kompetenz in höchst unterschiedlichen Situationen anzuregen und geht dabei im wesentlichen von der Annahme aus, daß Menschen mit klaren Zielvorstellungen und der erforderlichen Qualifikation zur Zielerreichung viel eher einen produktiven Beitrag zur Gesellschaft leisten als andere.

Wenngleich die Lernmethode aufgrund ihr großen Beliebtheit in höchst unterschiedlichen Situationen angewandt wird, ist ihr zentrales Anliegen nach wie vor die Ankurbelung des Wachstums kleiner und mittlerer Unternehmen. Vor diesem Hintergrund wendet sich CEFE an zwei Gruppen von Akteuren, die als ausschlaggebend für den unternehmerischen Wachstumsprozeß gelten: zum einen die Unternehmer selbst und zum anderen der aus den Förderinstitutionen und dem ordnungspolitischen Umfeld stammende Personenkreis. Während es bei den Unternehmern vornehmlich um die Steigerung ihres betrieblichen Leistungsvermögens geht, richtet sich das Augenmerk bei den Mitarbeitern aus den Unterstützungsstrukturen und den ordnungspolitischen Instanzen stärker auf die Schaffung eines positiven und förderlichen Umfeldes auf der Makro- und Mesoebene.

Heute besteht das Hauptziel von CEFE darin, ...

die unternehmerische Leistungsfähigkeit der Wirtschaftsakteure durch

– angeleitete Selbstanalyse,

– Anregung unternehmerischer Verhaltensweisen und

– Ausbau der Fachkompetenz

zu steigern.

Zahlreiche Trainingsprogramme bemühen sich um die Vermittlung erforderlicher Kenntnisse und Qualifikationen mit dem Ergebnis, daß die Kursteilnehmer zwar neues Wissen erwerben, es aber später kaum anwenden können, weil in den Lehrgängen versäumt wird, an der Motivation zu arbeiten, das Handlungsvermögen zu stärken und die erworbene Kompetenz in realitätsnahen Simulationsübungen zu testen. Dies gilt insbesondere für die einkommensschwachen Zielgruppen, die aufgrund ihrer Erfahrungen bei der Abwicklung vergleichsweise routinemäßiger Geschäftsvorfälle, wie z.B. der Aufnahme eines Bankkredits, den in der Ausbauphase ihrer Unternehmung auftretenden Schwierigkeiten in einem komplexeren Geschäftsumfeld nicht gewachsen sind. Unabhängig von der Zielgruppe besteht jedes CEFE-Fortbildungsprogramm aus grundsätzlich sechs Stufen. Die erste Stufe ist die der Bewufitseinsförderung, d.h. die Teilnehmer werden dazu ermuntert, über sich selbst nachzudenken, ihre Wertvorstellungen herauszuarbeiten und ihre eigene Persönlichkeit, ihre Motive, ihr Leistungsvermögen und ihre Ressourcen zu beurteilen. In der zweiten Stufe geht es um die Akzeptanz bzw. die Anerkennung eigener Stärken und Schwächen – nicht jeder ist zum Führer oder Held geboren, doch Eigenschaften wie schöpferisches Denken, Innovationsfreude und Kompetenz dürften in jedem Beruf von Vorteil sein. Die dritte Stufe ist die der Zielfestlegung; hier sollen die Teilnehmer Klarheit über ihre kurz- und langfristigen Lebensziele gewinnen. Im Mittelpunkt der vierten Stufe steht die Entwicklung von Strategien oder Aktionsplänen zur Geschäftserweiterung. Im Vorfeld dazu werden die relevanten Komponenten der obengenannten sechs Faktoren analysiert. Gleichzeitig werden die Kenntnisse der Teilnehmer über wirtschaftliche Zusammenhänge und unternehmerische Entscheidungsfindung vertieft. In der fünften, aktionsorientierten Stufe werden direkte Erfahrungen gewonnen. Diesem Zweck dienen strukturierte Lernerfahrungen und realitätsnahe Situationen, in denen die Teilnehmer Strategien erproben, bewerten und abändern. Transformation und Empowerment ist die letzte Stufe, in der aus den erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten ein Verhaltensmuster entwickelt wird, das die persönlichen Stärken und Schwächen mit den Zielsetzungen in Einklang bringt.

Grundlegendes Prinzip der Fortbildungsmaßnahme ist die Identifikation der Teilnehmer mit dem Prozeß, die dadurch erreicht wird, daß die Teilnehmer ein hohes Maß an Zeit und Energie zur Absolvierung des sehr anspruchsvollen Lehrgangsprogramms aufwenden müssen. Beim Durchlaufen der einzelnen Stufen – von der Bewußtseinsförderung bis hin zur Transformation – erlebt der Teilnehmer, wie er seine Persönlichkeit entfalten und einen unternehmerisch-schöpferischen Handlungsansatz für sein Leben entwickeln kann. Sein Empowerment wird dabei letztlich um so größer, je mehr er sich selbst bemüht und je mehr wirtschaftliche Gelegenheiten sich ihm auftun.

 

 

Diese Seite als Bookmark speichern :

 

 

Weitere empfehlenswerte Webseiten:

Steuerungssysteme, die Veränderungen bewirken

Wie man die Angst überwinden kann

Einige Überlegungen zu den Ausbildungserfordernissen bei (potentiellen) Unternehmern im Hinblick auf die Lehrmethode - Persönlichkeitsorientierte Entrepreneurship-Forschung

 

Startseite | Themen | Projekt | Kontakt | Impressum | Rechtliche Hinweise

1| 2| 3| 4| 5| 6| 7| 8| 9

Copyright © 2011 All rights reserved. Wissensarchiv für Wirtschaft