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Menschen, nicht Finanzmittel schaffen wirtschaftliches Wachstum


Bei IhrerAnalyse der Situation in China stellen Sie zu Recht die Bedeutung des Handels in den Vordergrund. Das wird von Ökonomen kaum verstanden und noch weniger von Politikern. Und das, obwohl der Handel als Triebfeder für eine wirtschaftliche Entwicklung viel besser geeignet ist als die Produktion. Ökonomen, die sich mit Entwicklungsfragen beschäftigen, reden von investitionsorientierter Entwicklung. Sie reden von exportorientierter Entwicklung, und sie reden von absatzorientierter Entwicklung. Für alle drei Formen gibt es Beispiele in der Wirtschaftsgeschichte. Doch was eine absatzorientierte Entwicklung im Gegensatz zu den anderen auszeichnet, ist die Tatsache, daß sie nicht nur die Wirtschaft vorantreibt, sondern auch Fähigkeiten fördert.

Die investitionsorientierte Entwicklungstheorie, auf deren Grundlage sich die Weltbank vor fünfzig Jahren gründete, hat sich während dieses halben Jahrhunderts nicht bewährt. Ich sage das, obwohl ich zu den frühen und enthusiastischen Förderern der Weltbank zählte und eng mit ihren beiden ersten Präsidenten zusammengearbeitet habe. Doch dieses System funktionierte nicht, da die Investitionen der Weltbank die Fähigkeiten der Menschen, die »Human Resources«, nicht ausschöpften. Und es sind vielmehr Menschen als die finanziellen Mittel, die zur Entwicklung einer Wirtschaft beitragen. Ein großer Teil der Investitionen der Weltbank floß in große Produktionseinrichtungen wie zum Beispiel Stahlwerke. Diese schufen Stahl und Arbeitsplätze, doch Stahlwerke fördern die Ausbildung menschlicher Fähigkeiten in keinster Weise. Eine absatzorientierte Entwicklung, die zur Gründung Hunderter, ja Tausender kleiner Unternehmen führt, fördert dagegen Begabungen, »Human Resources«, und die Verantwortungsbereitschaft der Menschen.

Im Hinblick auf China dürfte gerade der Absatzwirtschaft eine besondere Bedeutung zukommen. Gerade weil China mehr als alles andere Menschen benötigt, die über ein wenig Erfahrung in der Gründung und Leitung eines Unternehmens verfügen, ein wenig Erfahrung im Umgang mit Mitarbeitern haben, ein wenig Erfahrung in der Finanzverwaltung haben und so weiter. Es werden genau solche Menschen wie Ihre Franchise-Partner benötigt; ortsansässige, kleine Unternehmer also, die eine ausreichende Unterstützung von einer zentralen Verwaltung erhalten, damit ihr Unternehmen effektiv und effizient arbeitet, die jedoch gleichzeitig Verantwortung für ihren kleinen Bereich übernehmen.

Regierungen bringen für ein solches Konzept in der Regel kein Verständnis auf. Überall stehen Regierungen solchen kleinen ortsansässigen Unternehmen skeptisch gegenüber, und zwar weil es schwer ist, sie zu kontrollieren. Kommunistische Regierungen, wie die Chinas, sind nicht bereit und nicht in der Lage, die Dynamik einer solchen Entwicklung nachzuvollziehen. Alle Bürokratien sind auf große und zentrale Verwaltungen ausgerichtet. Der Kommunismus, sei es in seiner politischen, seiner sozialen oder wirtschaftlichen Dimension, ist ein Paradebeispiel für eine absolute Konzentration der Entscheidungsgewalt an oberster Stelle mit einem Minimum an föderaler Initiative oder föderaler Verantwortung. In den letzten fünfzig Jahren ist die Förderung von Fähigkeiten, die für eine Entwicklung des Landes notwendig wären, sehr stark vernachlässigt worden. Nur mit Hilfe eines nationalen Konzeptes für die Absatzwirtschaft können diese Ressourcen schnell freigesetzt werden.

In einem Land von solchen Ausmaßen wie China ist es wahrscheinlich, daß die Absatzwirtschaft je nach Region unterschiedliche Formen annehmen wird. Es ist genauso wahrscheinlich, daß wir in einem entwickelten China ein Dutzend Handelszentren vorfinden werden, die sich jeweils um eine der dominierenden Großstädte bilden werden, jedes autonom, wenn nicht sogar unabhängig. Doch in all diesen Zentren wird man Menschen auf lokaler Ebene, also genau dort, wo die Geschäfte entstehen, benötigen, die lernen müssen, wie man ein Unternehmen leitet, wie man Entscheidungen trifft und wie man Mitarbeiter führt.

Natürlich stellt der Handel nicht den einzigen und allein in seiner Entwicklung zu unterstützenden Bereich in China dar. Darüber hinaus wären eine verläßliche Rechtsordnung und ein weitestgehend effektives Finanzsystem zu nennen.

Doch der wichtigste und zentrale Faktor für die Entwicklung Chinas muß ein modernes Distributionssystem sein, das Energien freisetzt. Es ist unwahrscheinlich, daß irgend etwas ohne ein solches System funktionieren wird. Aus diesem Grunde empfinde ich Ihren Beitrag zur Entwicklung Chinas als außerordentlich klug und sehr wertvoll.

Es wird behauptet, daß die asiatischen Länder, die im Mittelpunkt des weltweiten Wirtschaftswachstums stehen, China in die Bemühungen mit einbeziehen wollen, einen Wirtschaftsblock nach dem Vorbild der NAFTA oder der EU zu bilden. Die USA, die durchaus Interesse an einem asiatischen Bündnis haben, sind bereits APEC-Mitglied.

Es gilt jedoch zu bedenken, daß der asiatische Kontinent sehr vielfältig ist, sowohl kulturell als auch historisch. Und jedes Land wird damit fortfahren, seinen eigenen einzigartigen Charakter zu betonen. Ich glaube, daß die Kraft, die von den jeweiligen Ländern ausgeht, eher unterschiedliche Formen annehmen wird, als daß sie sich zu einer bündeln läßt.

Inzwischen werden Stimmen laut, die fordern, daß Japan eine Führungsrolle in Asien übernehmen solle, indem es seine Wirtschaftskraft nutzt, um auf eine solche Einheit hinzuarbeiten. Ich glaube allerdings, daß Japan diese Rolle nicht übernehmen sollte, zumindest nicht auf der politischen Bühne. Ich denke eher, daß die Rolle Japans in Asien von ökonomischen Zielsetzungen geprägt sein sollte, um Entwicklungen zu begünstigen, die auf den Stärken der jeweiligen Nationen beruhen. Das wäre etwa durch die Förderung wirtschaftlicher Spezialisierungen einzelner Länder möglich und würde eine Öffnung des Marktes für asiatische Produkte erfordern. Japan sollte die Fehler, die es vor einem halben Jahrhundert gemacht hat, nicht wiederholen. Und erst recht nicht als Führungsmacht in Asien.

 

 

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