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Mehrheit und Tabu


Besagter Umstand ist bei nahezu jedem behandelten Thema relevant. Deshalb ist auch – gerade in den großen Massenorganen des Informationsgewerbes – keine wirklich scharfe und durchgängige Kritik an der jeweiligen Mehrheitspartei oder der jeweiligen Regierungskoalition – ja an keiner Partei und schon gar nicht an der Parteienherrschaft insgesamt und an der schrankenlosen Staatshörigkeit der Deutschen – zu erwarten Die Überlegung der Redaktionen lautet verständlicherweise Da die Mehrheit der Bevölkerung diese Partei oder diese Parteien gewählt hat, stellen die entsprechenden Wähler auch eine Mehrheit unserer Leser dar. Also dürfen sie auch nicht allzu sehr vergrault werden. Kritik muß sein, denn das Publikum- ist kritisch und kritikwillig, aber keine wirklich ins Mark treffenden Angriffe gegen die politische Kaste als solche, und keine allzu lauten Töne, denn laute Töne sind unfein, polemisch, unprofessionell und pöbelhaft. Auf diese Weise geht es mit der Freiheit in Deutschland und andernorts seit Jahrzehnten abwärts, aber unter ständiger „kritischer Begleitung“ der Medien und der herausragenden Journalistenköpfe. Ein ausländischer Diplomat hat diese einhellige Tabu-Haltung der deutschen Presse kürzlich so kommentiert: „Auch Stimmvieh gibt eben Mist.“

Hinzu kommt, daß die Journalisten des Fachbereichs Politische Ökonomie’ in den weitaus seltensten Fällen mehr als eine Halbbildung bezüglich dieses Fach vorzuweisen haben. Und analog zum Lichtenberg-Satz: „Die gefährlichsten Unwahrheiten sind die Wahrheiten, mäßig entstellt“, ist auch besagte Halbbildung oft der Wahrheit eines behandelten Sujets noch abträglicher als es völlige Unkenntnis wäre. Das sollte keinesfalls als genereller Vorwurf an die Journalistenzunft aufgefasst werden (allenfalls als Kritik an einigen diesbezüglich besonders fahrlässigen Exemplaren), denn während die Vollblut-Wissenschaftler jahre- und jahrzehntelang ihr Wissen komplettieren können, müssen die Presseredakteure tagein tagaus die Seiten ihrer Zeitungen und Zeitschriften füllen. Es geht hier also nicht um Schuldzuweisungen oder gar Verunglimpfungen eines überaus wichtigen Berufsstandes, sondern um die Darlegung der Umstände, die zu mangelhafter und falscher Information des Publikums führen. (Natürlich gibt es auch unter den Journalisten und Redaktionen des Fachs ,Politische Ökonomie’ herausragende und umfassend (fach-) gebildete Köpfe, wie bspw. Dr. Gerhard Schwarz von der Neuen Zürcher Zeitung, Dr. Hans D. Barbier von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Patrick Welter vom Handelsblatt, um nur drei von ein paar Dutzend im deutschsprachigen Raum herauszugreifen: aber das sind und bleiben leider Ausnahmen, welche die Regel bestätigen).

Daneben existieren weitere Abhängigkeiten, welche zur Desinformation des Publikums beitragen. Hier sei nur der Zwang erwähnt, dem überwiegenden Publikumsgeschmack folgend, nahezu alle Informationen in Unterhaltungsformer einzupacken. Im Zeitalter der uferlosen Informationsflut ist die Übermittlung von Information überhaupt nur noch dann möglich, wenn sie in unterhaltender oder amüsanter Art und Weise dargeboten wird. Das hat unter anderem auch zur Folge, daß die TalkShows sogar bei ernsthaften wissenschaftlichen oder gesellschaftspolitischen und ökonomischen Themen mit Prominenz aus dem Showgewerbe und mit Prominenz arn Parteien und Interessenverbänden bestückt werden. Nur durch die Schimmerlosigkeit der Prominenz in solchen Fragen und deren Unterhaltungswert, sowie durch das interessenpolitisch gefärbte Kampfhähnegebaren der Partei- und Verbandsfunktionäre lassen sich solche Veranstaltungen über Stunden hin ziehen ohne daß dem Publikum wirklich entscheidendes Wissen vermittelt oder das betreffende Thema auf seinen wahrer Kern hingeführt werden würde. So manches Talk-Spektake wäre mit wenigen Sätzen beendet, wenn man unabhängige und fachlich hochkompetente Experten in die Runde einbinden -und dann auch zu Wort kommen ließe, ohne sie permanent zu unterbrechen.

 

 

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