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Marktwirtschaft von unten – Woher die Arbeitsplätze kommen.


Bei den verschiedenen spontanen Aktivitäten der Armen in den Entwicklungsländern fiel uns vom ILD als erstes eine weitgehende Übereinstimmung wesentlicher Merkmale auf. Der Kauf und Verkauf von Waren auf dem grauen Markt, die Organisation von illegalen oder Squatter-Siedlungen an der Peripherie der Städte der Dritten Welt, die Bildung von indigenen Gemeinschaften der ländlichen Bevölkerung, sowie andere Aktivitäten der Mehrheit der armen Bevölkerung wurden früher als getrennte Phänomene angesehen. Heute werden nicht nur die verbindenden Elemente all dieser Aktivitäten anerkannt; man beginnt auch zunehmend zu würdigen, daß diese Aktivitäten und die spontan geschaffenen Institutionen und Regeln vielversprechende Lösungen all der Probleme enthalten, denen sich die Entwicklungsländer gegenüber sehen; es zeichnet sich ab, daß auf dieser Basis eine moderne Marktwirtschaft und ein demokratischer Staat aufgebaut werden müssen.

Wir haben herausgefunden, daß in den Entwicklungsländern der weitaus größte Teil der unternehmerischen Aktivität im informellen Sektor stattfindet und daß diese Aktivität im Rahmen von selbst geschaffenen Normen und Institutionen liegt. Mit informellen ökonomischen Aktivitäten meinen wir solche, die keine kriminelle ökonomische Beschäftigung darstellen, sondern solche, die durch eine formale Rechtsverletzung entstehen, wie z.B. das Betreiben eines Geschäftes ohne Lizenz oder Aktivitäten, die diskriminierende Gesetze umgehen, z.B. solche, die Bauern zwar gestatten, Land zu besitzen, ihnen aber verbieten, es zu verkaufen oder zu verpfänden. Der informelle Sektor ist das Opfer einer Art von legaler Apartheid: Seine wirtschaftlichen Aktivitäten übertreffen die des formellen Sektors mit dem Ergebnis, daß die wirtschaftliche Entwicklung des Ganzen behindert wird. Da die im informellen Sektor Tätigen vom legalen wirtschaftlichen Hauptstrom ausgeschlossen sind, haben sie sich spontan eigene Spielarten des institutionellen Unterbaus von Marktwirtschaft und demokratischem System geschaffen; eine Situation, die der im merkantilistischen Europa verblüffend ähnlich ist. Wir vom ILD nutzen unkonventionelle Methoden zur Überprüfung dieser Thesen. Obwohl unsere Forschung akademische Standards erreicht hat, fand der wirkliche Test im Feld statt: Wir entwickelten verschiedene Programme, die darauf abzielten, das System der legalen Apartheid und ihre diskriminierenden Gesetze zu durchbrechen und den informellen Unternehmern Handlungsspielräume zu schaffen. In diesen Programmen wurden die Normen und Prinzipien des informellen Sektors übernommen, von ihrem kulturellen Hintergrund gelöst und in formelles Recht umgewandelt, welches für alle gleichermaßen gilt. Weil die Programme auf indigenen Traditionen beruhen, die in der örtlichen Kultur verwurzelt sind, waren wir in der Lage, sowohl in der breiten Öffentlichkeit als auch in der politischen Führung, einen Konsens darüber herzustellen. Jedes ILD-Reformprogramm, das in Peru verwirklicht wurde, fand eine mindestens 70%ige Zustimmung.

Die Programme umfaßten Gesetzgebung, Schaffung neuer Institutionen und, in gewisser Hinsicht, die Verwirklichung einiger der bedeutendsten politischen Reformen in Lateinamerika. Wir haben u. a. das größte und wirksamste System zur Legalisierung informellen Eigentums in Südamerika und ein einheitliches Handelsregister geschaffen, das Hunderttausenden peruanischer Kleinstunternehmer den Zugang zum formellen Sektor geöffnet hat. Wir haben die Organisation der Koka-Anbauer im peruanischen Amazonasgebiet, die Vereinigten Staaten und die peruanische Regierung davon überzeugen können, einer institutionellen Reform zuzustimmen, die die Bauern auf friedlichem Weg auf die Koka-Produktion verzichten läßt, und sie in eine Marktwirtschaft mit formellen Alternativen integriert.

Durch diese Untersuchung wird deutlich, daß das Unvermögen der Entwicklungsländer zu einer stabilen Politik nicht die Folge von Unwissenheit oder ihres kulturellen Erbes ist, sondern dadurch bedingt ist, daß die politische Willensbildung nicht von der Basis ausgeht. Eine Politik, in der die Meinung der Basis und ihrer Institutionen nicht zum Ausdruck kommt, gleicht Bäumen, die durch Umpflanzen verdorren und absterben, weil ihnen ein entwickeltes Wurzelwerk fehlt.

 

 

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