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Lernende Kultur und lernende Führung


Da sich die Umwelten der Unternehmen immer dynamischer und zugleich immer umfassender verändern, müssen Unternehmen und ihre Führungskräfte zu kontinuierlich Lernenden werden. Diese Anforderung steht in einem Widerspruch zum Begriff der Unternehmenskultur, die eine stabilisierende und ausgleichende Kraft darstellt. Bedeutet das, die Kultur selbst wird in wachsendem Umfang zum Hemmschuh der Entwicklung oder lässt sich Kultur lernorientiert, anpassungsfähig und innovativ gestalten und formen?

Edgar Schein beschreibt die Prämissen einer Unternehmenskultur, welche ein ständiges Lernen ermöglichen, folgendermaßen: »Die Welt kann gesteuert werden; die Menschen sollten Probleme proaktiv lösen; Wirklichkeit und Wahrheit sollten pragmatisch entdeckt werden; der Mensch ist im Grunde gut und auf jeden Fall wandelbar; je nach Lage können sowohl Individualismus als auch Gruppendenken angemessen sein; autoritäre wie partizipative Systeme sind zweckmäßig unter der Voraussetzung, dass sie sich auf Vertrauen stützen; der beste Zeithorizont liegt zwischen naher und ferner Zukunft; die beste Zeiteinteilung orientiert sich an mittellangen Zeiteinheiten; genaue und relevante Informationen müssen frei in einem voll vernetzten Kommunikationssystem fließen; vielfältige, aber miteinander verbundene Unternehmenseinheiten sind wünschenswert; sowohl eine Aufgaben- als auch eine Beziehungsorientierung sollten angestrebt werden; und die Welt bildet ein von Natur aus komplexes Feld miteinander verknüpfter Kräfte, in der man mit höherer Wahrscheinlichkeit auf mehrfache Kausalzusammenhänge und Überdeterminierung trifft als auf einfache lineare Tatsachen.«

Der lernorientierten Führung fällt die Aufgabe zu, diese Prämissen zu fördern. Die Führungskräfte müssen sie zuerst akzeptieren, verinnerlichen und nach außen sichtbar machen, dann entsprechendes Verhalten bei anderen erkennen und für eine systematische Belohnung sorgen. In reifen Unternehmen müssen vordringlich Innovationskulturen erkannt werden, deren Manager und Mitarbeiter durch ihre Prämissen die Innovationen erst möglich machen. Diese Mitarbeiter müssen belohnt werden, um eine Verbreitung und Verankerung dieser Grundannahmen zu erreichen.

Die Führungsqualitäten sind eng mit der Schaffung, Verankerung und Veränderung kultureller Prämissen verknüpft. Welche Führungsform erforderlich ist, hängt zum einen vom Entwicklungsstadium des Unternehmens und zum anderen von den strategischen Problemstellungen ah. Was sind nun die Konsequenzen fiir die Auswahl und Entwicklung von Führungspersönlichkeiten? Erfolgreiche Architekten des Wandels müssen über ein hohes Maß an objektiver Selbsteinschätzung verfügen und ihre Unternehmen vorurteilslos betrachten können, um Probleme sowohl bei sich selbst als auch in der Kultur der Unternehmung erkennen zu können. Führungskräfte müssen über die entsprechende Motivation verfügen, den Wandel durch einen vorerst schmerzhaften Beunruhigungsprozess einzuleiten. Dies erfordert eine große emotionale Stärke, um sowohl die durch die Veränderungen hervorgerufenen Ängste zu absorbieren als auch das Unternehmen in der Übergangsphase zu stützen. Das Aufgeben alter Prämissen muss durch die Formulierung neuer Prämissen ermöglicht werden. Die Führungspersönlichkeit muss also über die Fähigkeit verfügen, Visionen und neue Konzepte zu artikulieren und zu vermitteln. Des Weiteren muss sie andere im Unternehmen zu Engagement und Mitarbeit bewegen und sie muss über die Fähigkeit zum Erlernen der Prämissen einer völlig neuen Unternehmenskultur verfügen.

Lernen und Wandel kann den Mitarbeitern einer Unternehmung nicht einfach aufgezwungen werden. Um eine Situation analysieren, Lösungsvorschläge entwickeln und diese in tatsächliche Handlungen umsetzen zu können ist das Engagement und die Beteiligung der Gruppenangehörigen unabdingbar. Die allgemeine Forderung nach der lernenden Unternehmung in Zeiten immer dynamischerer Entwicklungen unserer Welt muss von den Führungskräften getragen werden. Diese müssen mit gutem Beispiel vorangehen, selbst zu Lernenden werden und andere an diesem Prozess beteiligen.

 

 

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