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Krieg für oder gegen die Armut?


Das alles ist aber noch nicht das Ende der Bildungs- und Ausbildungsmisere. Der wohl folgenschwerste Effekt beruht auf der Tatsache, daß die pädagogischen Kultureliten (mit wenigen Ausnahmen) die ihnen anvertrauen Jugendlichen zu einen skeptischen, ja überwiegend sogar ablehnenden und feindseligen Haltung gegenüber der Marktwirtschaft erziehen – und damit gegenüber dem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem. das den genannten bildungspolitischen Unsinn seit Jahrzehnten mit seiner Produktivität alimentieren muß. Das einzige uns bekannte sozioökonomische System, das Freiheit und Wohlstand zugleich schaffen und auf Dauer gewährleisten kann. wird also systematisch diffamiert und seiner Grundlagen beraubt, indem man seine moralischen, arbeitsethischen, kognitiven und kenntnisspezifischen Voraussetzungen „wegerzieht“ – oder anders gesagt: indem man sein notwendiges Humankapital und seine moralische Infrastruktur zerstört. Das ganze Elend solchen Tuns hat der große Ökonom Joseph Schumpeter einmal mit der Metapher von einem Blinden, der seinen Blindenhund schlägt, anschaulich gemacht. Von ihm stammt auch der Satz: „Der Kapitalismus bezahlt die Leute, die ihn abschaffen wollen.“ Der Tragödie letzter Teil besteht darin, daß dieses Zerstörungswerk nur durch Wissen verhindert werden kann, daß aber der Wissensvermittlungs-Apparat (das staatliche Bildungssystem) genau dieses erforderliche Wissen nicht vermittelt bzw. es nach allen Regeln der pädagogischen Kunst verfälscht und in ein Lügengeflecht verwandelt.

Wie man durch das radikale Gegenteil einer solchen Politik die Jugendlichen wirklich aus Armut, mangelnder Qualifikation und sogenannter „Chancenungleichheit“ herausführen kann, hat der amerikanische Pädagoge und Unternehmer Steve Mariotti höchst anschaulich demonstriert. Mariotti hatte es irgendwann satt, die Politiker seines Landes vom „Krieg gegen die Armut“ reden zu hören, einem „Krieg“, in welchem inzwischen (umgerechnet) dreitausend Milliarden Mark gesteckt worden sind – und zwar ohne jeden Erfolg. Er machte jedem, der es hören wollte, klar, daß man mit dieser Summe die fünfhundert größten Unternehmen der USA hätte kaufen können, das Geld aber hauptsächlich dafür eingesetzt habe, Millionen von Jugendlichen vom Unternehmertum fernzuhalten. Der Markt, so Mariottis Botschaft, stellt das effektivste Feld dar, auf dem die Menschen überhaupt erst feststellen können, welche speziellen Fähigkeiten sie haben oder entwickeln können. Statt dessen werden die meisten das nie entdecken, weil sie vom Sozialstaat und seinen politischen Verwaltern eingelullt werden. Dieser Staat und diese Kaste trichtert Millionen von Menschen ein, sie seien in der Marktwirtschaft „wertloses Menschenmaterial“, und zerstört damit jede Motivation zu außergewöhnlichen Anstrengungen. Mariotti gründete zunächst eine, dann eine ganze Serie von „NFTE-Schulen“ (National Foundation for Teaching Entrepreneurship), also Schulen, in welchen die Jugendlichen aus ärmlichen und ärmsten Verhältnissen gelehrt werden, wie man sich selbständig macht und Unternehmer wird – und wie man die Enttäuschung, Apathie, Frustration, Mutlosigkeit und Abhängigkeit, in welche das staatliche Schulsystem führt, überwindet und statt dessen sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt. Das Ergebnis wurde (und wird nach wie vor) von einzigartigem Erfolg gekrönt. Die Absolventen der NFTE-Schulen gründeten (und gründen) nachweislich zweiunddreißigmal häufiger ein eigenes Unternehmen als ihre gleichaltrigen Schicksalsgenossen. Damit werden also nicht nur junge Menschen aus den Armutsvierteln der großen Städte massenhaft und wirklich aus der Armut herausgeführt, sondern es wird zugleich der Wohlstand der ganzen Nation gemehrt statt verzehrt. (s. Mariotti 1998)

 

 

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