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Kreativität und Routine


Viele Menschen verwechseln die Anforderungen, die für die Erledigung von Routineaufgaben, vor allem bei körperlicher Arbeit, gelten, mit den Anforderungen an intellektuelle Tätigkeiten. Auch dies ist ein Grund für die hartnäckige Verbreitung des Irrglaubens, Konkurrenz wirke sich positiv auf das Leistungsverhalten aus. Geschäftsleute, insbesondere Männer, neigen dazu, ihre Erfahrungen aus sportlichen Wettkämpfen auf die Arbeitswelt zu übertragen oder sie damit gleichzusetzen. So hat sich zum Beispiel bei Wettrennen gezeigt, dass sowohl Einzelläufer als auch Staffelläufer besser abschneiden, wenn sie gegen einen menschlichen Gegner antreten, anstatt gegen die Uhr zu laufen. Doch es ist falsch, daraus zu folgern, dass dies auch auf die Geschäftswelt zutrifft, vor allem, wenn es um intellektuelle Aufgaben und nicht um körperliche Routinetätigkeiten geht. Hunderte von Studien haben erwiesen, dass intellektuelle Aufgaben, die nur durch einen Lernprozess und neuartige Denkweisen gelöst werden können, unter ganz anderen Umständen erfolgreich bewältigt werden als Aufgaben, die immer gleich beschaffen sind.

Dem Menschen fällt es leichter zu lernen, kreativ tätig zu sein und intellektuell anspruchsvolle Aufgaben zu lösen, wenn er nicht ständig mit Argusaugen überwacht wird, nicht das Gefühl hat, jeder noch so kleinste Schritt würde kontrolliert und entsprechend bewertet, und wenn er nicht unter Konkurrenzdruck steht. Es wurde zum Beispiel hinlänglich bewiesen, dass Arbeiter, die nicht alleine vor sich hin arbeiten, sondern von Aufpassern – am besten von Außenstehenden, welche die Qualität der geleisteten Arbeit bewerten sollen – überwacht werden, bessere Arbeit leisten, solange es sich um einfache Routineaufgaben handelt, bei denen kein Umdenken und keine neuen Fertigkeiten erforderlich sind. Dieses Phänomen wird als social facilitation effect bezeichnet. Doch dieselben Bedingungen führen zu einem Leistungsabfall, wenn es sich um Aufgaben handelt, für deren Lösung komplexe Denkprozesse und ein hohes Maß an Konzentration erforderlich ist. Dieser so genannte social inhibition effect verhindert Lernprozesse und Ideenreichtum.“ Ähnliche Forschungen kommen zu dem Schluss, dass Konkurrenz das Lernvermögen beeinträchtigt und Kreativität verhindert, weil sich die Betroffenen dann nicht auf die vor ihnen liegende Aufgabe konzentrieren, sondern vielmehr darauf achten, was ihre Mitstreiter tun, wie gut oder wie schlecht sie selbst im Vergleich zu anderen abschneiden und welche Reaktionen Dritte, also Vorgesetzte oder Kollegen, zeigen, die gewissermaßen das Publikum dieses Wettstreits darstellen. Insbesondere, wenn eine Aufgabe so schwer oder komplex ist, dass sie nur gemeinsam gelöst werden kann, zeigen sich die destruktiven Auswirkungen der Konkurrenz.

 

 

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