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Kooperationsvorgänge finden doch nicht aus Menschenliebe, sondern letztlich aus Eigennutz statt


Zunächst muß darauf hingewiesen werden, daß sich die Menschen in jedem Gesellschaftssystem eigennützig verhalten. Desweiteren gilt: Nicht bei allen, aber Gott sei Dank bei den meisten Kooperationshandlungen spielt Eigennutz eine Rolle, mal mehr und mal weniger. Der Eigennutz ist nämlich ein notwendiges konstruktives Element unserer Daseinsbewältigung, ja sogar unserer Freiheit, unserer Zivilisation und unserer Fähigkeit zur Gesellschaftsbildung. David Boaz, ein amerikanischer Ökonom, hat die Zusammenhänge einmal eindrucksvoll dargestellt. Alle Menschen, so Boaz sinngemäß, sehen sich mit zwei grundsätzlichen Gegebenheiten konfrontiert: Mit ihrem Eigeninteresse (das Altruismus keineswegs ausschließt, sondern sogar dessen Voraussetzung ist), und mit der Knappheit der Ressourcen, welche wir benötigen, um leben und unsere Bedürfnisse decken zu können. Wegen der Gegebenheit dieser Umstände sehen wir uns genötigt, mit anderen zu kooperieren und Regeln der Gerechtigkeit zu erstellen – speziell, was daß Eigentum und den Tausch (Vertrag) angeht. Erst durch diese Regeln wird definiert, auf welche Weise wir kooperieren können. Diese Regeln legen fest, wer das Recht hat, über die Nutzung eines bestimmten Eigentums zu entscheiden. Bei Abwesenheit wohldefinierter und sicherer Eigentumsrechte wären wir ständig diesbezüglichen Konflikten ausgesetzt bzw. könnten gar nicht kooperieren, weil wir über nichts verfügen und somit auch nichts entscheiden könnten. Es ist unser Einvernehmen über Eigentumsrechte, das es uns ermöglicht, die komplexe gesellschaftliche Aufgabe der Kooperation und Koordination anzugehen, um unsere Ziele erreichen zu können. Es wäre nun schön, schreibt Boaz, „wenn die Liebe dies( Aufgabe übernehmen könnte – ohne das Eigeninteresse und ohne individuelle Rechte bemühen zu müssen... Schon bei Adam Smith können wir aber lernen, daß die Menschen in zivilisierten Gesellschaften zwar unablässig auf Kooperation und Unterstützung angewiesen sind, daß aber ein jedes Mensch während seines Lebens nur einen winzigen Teil derjenigen Leute kennenlernen und mit freudigen Gefühlen belegen kann, auf deren Kooperation er angewiesen ist. Wenn wir zui Verwirklichung der Kooperation nur auf Wohlwollen angewiesen wären, könnten wir unsere komplexen [und arbeitsteiligen] Aufgaben schlicht und einfach nicht erledigen. Das Vertrauen in die Gewißheit des Eigeninteresses der Menschen in einem System sicherer Eigentumsrechte und des freien Tausch ist der einzige Weg, auf dem eine Gesellschaft funktionieren kann, die komplexer und komplizierter ist als ein kleines Dörfchen.“ (Boaz 1997)

Eine große, anonyme, arbeitsteilige Gesellschaft kann also ohne das konstruktive und konstitutive Element des eigennützigen Verhaltens gar nicht existieren – und schon gar nicht prosperieren und eine moderne Zivilisation entwickeln. Zudem hat der Eigennutz, um es zu wiederholen, in der Marktwirtschaft weitere positive Wirkungen, weil jedermann seine eigennützigen Ziele nur dann verwirklichen kann, wenn er die Wünsche anderer herausfindet und erfüllt. Desweiteren resultieren fast alle Fortschritte der Menschheit aus der Kombination von Eigennutz und Wettbewerb. Frederic Bastiat, der große französische Freiheitsdenker des 19. Jahrhunderts, hat das schon früh erkannt und darüber 1849 geschrieben:

„Die mißbräuchliche Gewalt kann... die Tauschbarkeit [die Konkurrenz / den Wettbewerb] ebenso beschränken und verhindern, wie die Freiheit des Gehens; aber sie kann die eine so wenig als die andere vernichten, ohne den Menschen zu vernichten... Die Konkurrenz, die wir füglich schlichtweg „Freiheit“ nennen können, ist trotz der Anfeindungen, welche sie tagtäglich erfährt, in der Tat das eigentlich demokratische Gesetz. Von allen Kräften, auf denen der Fortschritt der Menschheit beruht, ist sie am wirksamsten; sie gleicht am meisten die Unterschiede in der Gesellschaft aus; sie erst ruft eine wirkliche Gemeinschaft in derselben hervor.“ – „Während man die Konkurrenz immer anklagt, daß sie die Ungleichheit unter den Menschen befördere, kann man vielmehr behaupten, daß künstliche Ungleichheiten nur da stattfinden, wo man sie [die Konkurrenz] nicht zuläßt... Deshalb müssen wir, während die Sozialisten in der Konkurrenz die Ursache allen Übels sehen, gerade umgekehrt in den Störungen derselben den Haupthinderungsgrund allen Wohls suchen.“ „Das persönliche Interesse ist jene unbezwingbare Kraft des Individuums, welche uns von einem Fortschritt zum anderen treibt, zugleich aber auch dazu, ihn für uns allein auszubeuten. Die Konkurrenz dagegen ist jene andere, nicht weniger unvertilgbare Kraft, welche sich jeden Fortschritts bemächtigt, um ihn aus dem Besitztum des Einzelnen zum gemeinsamen Gute der ganzen Menschheit zu machen. Diese beiden Kräfte kann man jede für sich bekritteln, in ihrem Zusammenwirken aber begründen sie die Harmonie der Gesellschaft.“ (Bastiat 1849/1992) Hier klingt auch ein weiterer wichtiger Aspekt des Wettbewerbsprinzips an: die Freiheit. Ohne den marktwirtschaftlichen Wettbewerb müßte jede moderne Gesellschaft nicht nur in Armut versinken und in Hunger und Elend untergehen; wäre ihr auch völlig unmöglich, ihre Mitglieder in Freiheit leben zu lassen. Wettbewerb ist der natürliche Zustand der Welt, der biologischen Welt – und also auch der Spezies Mensch (Der deutsche Klassisch-Liberale Gerd Habermann hat das -in einem Vortrag von 1996 – in den kurzen und schönen Satt gegossen: „Der Wettbewerb ist der Kunstgriff der Schöpfung zur Entfaltung des individuellen Auftrags.“) Wo immer und wann immer ein Mensch oder eine menschliche Institution vor der Notwendigkeit befreit wird, um ihren materiellen oder im. materiellen Bestand oder Erfolg mit anderen zu konkurrieren ist das Ergebnis nicht nur Lähmung, Trägheit, Verschwendung und verantwortungsloser Umgang mit den Ressourcen, sondern auch Zwang und Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung. Überlegen wir: Da die Summe aller menschlichen Wünsche (und Bedürfnisse unendlich ist, die Summe der irdischen Ressourcen aber endlich und knapp, werden alle Menschen entweder friedlich um das begrenzte Ressourcenangebot konkurrieren müssen – oder gewalttätig. In einer freien Marktwirtschaft bleibt nur der friedliche Weg durch konkurrierende Leistung, Vertrag, Kooperation und Tausch. Aber immer wieder werden wir feststellen, daß Gruppierungen entstehen, welch( für sich und ihre Mitglieder Ausnahmen hiervon beanspruchen. Und diese Ausnahmen können nur durch Androhung oder Ausübung von Gewalt durchgesetzt werden. Besonden leicht fällt das allen Gruppen und Institutionen, die mit den Gewaltmonopol Staat in Verbindung stehen, am leichtester natürlich dem Staat und seinen politischen Repräsentanten selbst.

Konkret: Wenn die führenden Funktionäre und die Angestellten der staatlichen Post frei von Konkurrenz beim Trans der Europäischen Union hat offenbar auch einen gewissen Symbol- und Prophetie-Charakter. „Der Wettbewerb“, hat der bedeutende Rechtsgelehrte Franz Böhm einmal gesagt, „ist das genialste Entmachtungsinstrument der Geschichte.“ Deshalb sollte auch ein jeder, der den Wettbewerb gering schätzt oder gar verachtet, dringend wissen, daß er sich und alle anderen – außer den politischen Machteliten – mit seiner ablehnenden Haltung latent der Gewalt und der Willkür, der Bevormundung und Ausbeutung ausliefert. Wo immer es um unsere Freiheit, um Menschenwürde, Frieden, Zivilisation und Prosperität für uns alle geht, ist der Wettbewerb unser wichtigster und wirksamster Verbündeter. Politiker und Funktionäre hassen den wettbewerblichen Markt. Sie wollen lenken, regieren, steuern, beherrschen. Sie wollen Untertanen. Märkte aber lassen sich nicht beherrschen, weil sie die gebündelte Kraft der Wünsche, Ziele, Pläne und Entscheidungen aller Menschen einer Nation bzw. der ganzen Welt darstellen, und weil ihr Wettbewerbsmechanismus von seinem Wesen her jeder Machtkonzentration entgegensteht. Deshalb wollen die Inhaber der politischen Macht den wettbewerblichen Markt – wo immer es geht – zurückdrängen oder ausschalten, zumindest aber dirigieren, kontrollieren und reglementieren; und deshalb überschütten sie ihn und seine Leistungseliten mit Spott, Häme, Verleumdung und Haß. In Wahrheit verhöhnen sie damit die Menschen und Völker; die ihrerseits (und leider) mehrheitlich von der Funktion und vom Wesen der Märkte und des Wettbewerbs zu wenig wissen, und die sich deshalb immer wieder in die Knechtschaft führen lassen.

 

 

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