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Konzentration auf das Wesentliche


Intuit ist ein großes Unternehmen, das Finanzplanungssoftware entwickelt und vertreibt und zu dessen Kunden sowohl Privatpersonen als auch kleine Unternehmen zählen. Die bekanntesten Programme dieser Firma dürften wohl TurboTax, Quicken und Qu ickBooks sein, die sowohl auf Apple-Macintosh-Rechnern als auch auf PCs laufen und jetzt auch online über das Internet genutzt werden können? Der Jahresumsatz der Firma mit ihren 3 000 Mitarbeitern liegt bei etwa 1,2 Milliarden Mark. Zur Unternehmensphilosophie zählen folgende Grundsätze: Kompromisslose Integrität, der Kunde ist König, ohne Mitarbeiter geht gar nichts, nur das Beste ist gut genug, Kontinuierliche Verbesserung der Prozesse, Sprechen, zuhören, antworten, Teamwork funktioniert, schnell überlegen, rasch handeln, Jeder hilft jedem. 1998 bejahten drei Viertel der Beschäftigten von Intuit bei der jährlichen Mitarbeiterbefragung die Aussage »Intuit erfüllt die aufgestellten Grundsätze«. Das Unternehmen sah sich in der jüngsten Zeit mehreren bedrohlichen Situationen gegenüber. Zum einen wird der Kampf um Marktanteile immer härter, zum anderen musste eine Internet-gestützte Finanzplanungssoftware entwickelt werden; zusätzlich musste sich Intuit gegen die Übernahme durch Microsoft wehren, die vom amerikanischen Bundeskartellamt verhindert wurde, und schließlich erwies es sich als sehr schwierig, geeignete Mitarbeiter für das Werk in Silicon Valley zu finden. Das Unternehmen setzt Aktienoptionen als Anreiz für Bewerbungen und als Leistungsprämie ein und ist aus diesem Grund stark an seinem Aktienkurs interessiert. Gerade für diese Firma wäre es ein Leichtes, die Prioritäten aus den Augen zu verlieren. Wie gelang es Intuit, seine Firmenphilosophie zur dauerhaften Grundlage aller betrieblichen Handlungen zu machen? Zum größten Teil liegt dies an der Mitarbeiterbefragung. Die Beschäftigten sind sich bewusst, wie wichtig diese Befragung ist, deshalb ist die Rücklaufquote sehr hoch – 1998 lag sie hei 73 Prozent. Das Wichtigste ist jedoch, dass die Firma die Ergebnisse ihrer Umfrage als Richtlinie für ihr Verhalten begreift. Zwischen 1995 und 1918 verdoppelte sich die Anzahl derer, die der Aussage »Jeder hilft jedem« zustimmten, und liegt nun bei 77 Prozent. Natürlich ist die Befragung an sich wertlos. Viele Unternehmen führen Mitarbeiterbefragungen durch, doch die Ergebnisse werden nicht genutzt. Bei Intuit bewirken das Engagement der Mitarbeiter und die Firmenphilosophie gleichermaßen, dass die Befragung auch zu handfesten Änderungen führt. Es wird darauf geachtet, dass die aufgestellten Unternehmenswerte und die Absichtserklärungen sich nicht als reine Lippenbekenntnisse erweisen. Bei Intuit ergibt die Kombination aus Wertvorstellungen, Firmenkultur und Mitarbeitern das nötige Wissen, während anhand der Mitarbeiterbefragung überprüft wird, ob dieses Wissen auch Taten nach sich zieht. Da 1995 die Arbeitsmoral bei Intuit nicht den Vorstellungen des Managements entsprach, wurden die Bemühungen um die Mitarbeiter verstärkt. Bei Intuit werden wertvolle Mitarbeiter in verschiedenen Abteilungen eingesetzt, um dem Prinzip treu zu bleiben, Mitarbeiter nach besten Kräften zu fördern und ihnen Aufstiegsmöglichkeiten anzubieten, selbst wenn durch die Einarbeitungszeit am neuen Arbeitsplatz die Leistung des Betroffenen zunächst Einbußen erleidet. Der Einsatz der Mitarbeiter in unterschiedlichen Bereichen hat außerdem den Vorteil, dass sich die Betroffenen stärker mit dem Unternehmen als Ganzes und nicht nur mit ihrem Arbeitsplatz identifizieren, eine Maßnahme, die den Teamgeist fördert. Als sich ein Mitarbeiter über das Ausbleiben einer Gehaltserhöhung beschwerte, reagierte das Management prompt mit einer sorgfältigen Prüfung. Bereits wenige Tage später erhielt er die ihm zustehende Gehaltserhöhung. Intuit konzentriert sich stark auf die zwischenmenschlichen Beziehungen, fördert soziale Aktivitäten und Betriebsfeiern und ließ sich selbst durch finanzielle Engpässe nicht von seinen erklärten Hauptzielen, Teamgeist und Arbeitsmoral, abbringen. Bei Intuit werden sowohl formelle als auch informelle Methoden wie die bereits erwähnte Mitarbeiterbefragung oder auch zwanglose Unterhaltungen angewendet, um eine eventuell bestehende Kluft zwischen den in der Firmenphilosophie verkörperten Ansprüchen und den tatsächlichen Handlungsweisen schnell feststellen zu können. Wird eine Abweichung ermittelt, widmen sich die Führungskräfte diesem Problem umgehend. Mit seinem Steuerungssystem lässt sich kontinuierlich beobachten, ob das Unternehmen seine aufgestellten Wertgrundsätze erfüllt – Werte, die reflektieren, worin nach Überzeugung der Manager die Voraussetzung für den finanziellen Erfolg des Unternehmens besteht. Es wird nur eine einzige Messung durchgeführt, die Mitarbeiterbefragung, die jedoch sehr ernst genommen wird. So gelingt es dem Steuerungssystem, die Aufmerksamkeit der Führungskräfte auf die Aspekte zu lenken, die für das Unternehmen wichtig sind. Bei Intuit stärkt und fördert das Steuerungssystem die Unternehmenskultur und unterstützt die Umsetzung von Praktiken, die gemäß dem Wissen des Managements für den Erfolg des Unternehmens entscheidend sind.

 

 

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