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Kommt dabei für Christen nicht Gott als Quelle der menschlichen Ethik zu kurz?


ja und nein. Die Frage stellt sich anders. Am besten hört man dazu einen Agnostiker, der nicht an Gott und Religion als Quelle der menschlichen Moral geglaubt hat, nämlich Henry Hazlitt, und der trotzdem schrieb: „Der Glaube an einen allwissenden und allrichtenden Gott [bleibt] eine ungeheure Kraft für das ethische Verhalten. Es besteht kein Zweifel, daß ein Zerfall des religiösen Glaubens tendenziell zur Entfesselung des Lasters und der Immoralität führt. Genau das ist in unserer Generation geschehen. Es ist jedoch nicht Aufgabe des Moralphilosophen, die Wahrheit des religiösen Glaubens zu verkünden oder den Versuch zu unternehmen, diesen zu bewahren. Seine Aufgabe ist vielmehr, auf dem rationalen Urgrund aller Moral zu bestehen und deutlich zu machen, daß sie keiner übernatürlichen Annahme bedarf; und das heißt auch, zu zeigen, daß die moralischen Regeln solche Verhaltensregeln sind (oder sein sollten), die am ehesten geeignet sind, die menschliche Zusammenarbeit, das menschliche Glück und Wohlergehen in unserem diesseitigen Leben zu verbessern.“ (Hazlitt 1964, S. 353) Einen etwas anderen Standpunkt nimmt der spanische Klassisch-Liberale Jesus Huerta de Soto ein, der betont: „Religion... ist das wichtigste Medium, das uns einen Sinn für unsere Verpflichtung vermittelt, Zusagen zu halten und das Eigentum anderer zu respektieren.“ (de Soto 1997) Doch braucht man sich nicht in den Fallstricken der Metaphysik und der Theologie zu verfangen, um den notwendigen Zwillingscharakter von Privateigentum und Moral zu erkennen. Es genügt beispielsweise auch der Satz von James Baldwin: „Freiheit ist eine notwendige Bedingung für Moral, und privates Eigentum ist die notwendige Bedingung für Freiheit.“ (Baldwin 1998). Oder auch der Satz von Stephan Blankertz: „Es gibt nur ein Recht, das Freiwilligkeit konstituiert: das Eigentumsrecht.“ (Blankertz 1998, S. 131) Womit man durch die wechselseitige Bedingtheit von Moral und Freiwilligkeit wiederum beim Zwillingsverhältnis von Privateigentum und Moral landet. Sogar mit den Vertretern einer ,autonomen Moral’ wie bspw. Henry Hazlitt, komme ich als Christ nicht in Schwierigkeiten, denn wenn ich der Überzeugung bin, daß der Geist und der Verstand – in der Sprache der Ökonomie ausgedrückt: die raio – und mit ihr auch die Freiheit ein Geschenk Gottes an den Menschen ist, dann kann es mir ziemlich egal sein, ob sich Ethik oder Moral auf eben diese ratio gründen lassen oder auf die göttliche Direkteinsenkung einer gewissen ethischen Konstanten in das Menschengeschlecht.

Um also auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Ethik und /oder Moral müssen sich nicht über die natürlichen Unabwendbarkeiten einer freien Gesellschaft „hinwegsetzen“, sondern sie entstammen diesen Unabwendbarkeiten, und sie dienen dazu, mit diesen Zwängen und Nöten auf friedliche und anständige Weise zurechtzukommen. Die natürlichen Knappheiten und Nöte der Welt dienen andererseits dazu, die Menschen zu lehren, daß sie durch Kooperation, Hilfsbereitschaft und moralisches Verhalten die Schwierigkeiten der Welt viel besser überwinden können als durch die rücksichtslose Verfolgung ihrer Ziele. Ethik und Moral können sich nicht in einen esoterischen Raum über der Realität begeben, sondern müssen an und in der Realität wachsen.

 

 

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