Economia48 Projekt Wirtschaftslexikon Management Lexikon Lexikon Wirtschaft
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

Kehrtwende im Marketing bei virtuellen Unternehmen


Noch regiert das Massenmarketing jeden Bereich des täglichen Lebens – von Fernsehwerbespots über Kugelschreiber mit Firmenlogo bis zu den Etiketten in der Kleidung. All dies sind sichtbare Zeichen einer einzigen Strategie: Menschen so zu formen, dass sie massenproduzierte Güter bereitwillig kaufen. Das virtuelle Unternehmen bringt eine Kehrtwende, die William Davidow und Michael Malone wie folgt beschreiben: »Mit dem Einzug des virtuellen Produkts wird der überwiegende Teil dieses Promotionsgewimmels plötzlich unwirksam. Das Gegenteil wird zur Regel. Es ist die grundlegende Aufgabe virtuellen Wirtschaftens, die Ware dem Kunden und nicht den Kunden der Ware anzupassen.«

Diese Kehrtwende erschüttert die Marketingbranche in ihren ( ;rundfesten. Der Wettbewerb zwischen den Massenproduzenten bringt es mit sich, dass die meisten Güter mit der Zeit zu Massenartikeln werden. Deshalb beginnt traditionelles Marketing in der Regel damit, den Markt über ein neues Produkt aufzuklären und sich auf bestimmte Unterschiede zu konzentrieren, um der Konkurrenz die Kunden abzuwerben. Im Zukunftsmarkt der virtuellen Unternehmen jedoch wird diese Produktdifferenzierung bedeutungslos, weil das virtuelle Erzeugnis für seine Benutzer maßgefertigt ist. Viele virtuelle Produkte werden niemals zu Massenartikeln. Vielleicht ist es am wichtigsten, dass die Gruppe der Kunden, die besonderen Wert auf billigste Waren legen, also die Schnäppchenjäger, von der die Massenproduktion ein Jahrhundert lang getragen wurde, kleiner werden wird. Die impulsiven Käufer der Nachkriegszeit, die sich durch Laune und Mode mal hierhin, mal dorthin ziehen lassen, werden von Kunden abgelöst, die ihre Zeit investieren, um virtuelle Produkte zu verstehen und nach ihren Wünschen zu gestalten und selten zwischen den Anbietern wechseln können und wollen.

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Faktor: die vertrauensvolle Beziehung zwischen Hersteller und Kunde. Das typische Prozedere des vergangenen Jahrhunderts, als der Möbelkäufer aus den wichtigsten Möbelgruppen sein Lieblingsmodell wählte, der Handswerkskunst des Tischlers vertraute und die Verzierungen, die er an dem Möbelstück haben wollte, selbst bestimmte, wird mit dem Einzug des virtuellen Produkts wieder aufleben. Die Vertrauensbeziehung wird wieder hergestellt. Virtuelle Unternehmen zielen darauf ab, die verbindende Kraft zwischen sich und ihren Kunden zu maximieren. Dazu gilt es, den Kunden weitestgehend zufrieden zu stellen und ihn in eine »co-destiny«-Beziehung einzubinden.

Diese grundlegenden Veränderungen führen zum Niedergang des strategischen Marketing. Dieses umfasst ein Bündel von Maßnahmen, zum Beispiel Marktsegmentierung, Positionierung von Unternehmen und Erzeugnissen, Datenbankmarketing, Mediendurchdringung, »Produktdramatisierungen«, Ereignismarketing und manchmal sogar bewusst falsche Behauptungen. Strategisches Marketing ist, so beschreiben es William Davidow und Michael Malone, für das virtuelle Unternehmen nur eingeschränkt nutzbar: »Seine Betonung des Äußeren und sein aggressives Eindringen in die Privatsphäre wird wahrscheinlich gerade die Kunden abstoßen, die das virtuelle Unternehmen zu gewinnen sucht.«

An die Stelle des strategischen Marketing tritt das Wert-Marketing, das Vermarkten von Wert. Seine Aufgabe ist es, Kunden von der Glaubwürdigkeit des Unternehmens und seiner Produkte, von Qualität, Service, Fairness und einem Streben nach Kundenzufriedenheit zu überzeugen – also denselben Eigenschaften, die auch seine Beziehung zu den Lieferanten kennzeichnen. Das virtuelle Unternehmen muss zu seinen Kunden eine Beziehung aufbauen, die es ihnen ermöglicht, den maximalen Wert aus dem erworbenen Produkt zu ziehen.

 

 

Diese Seite als Bookmark speichern :

 

 

Weitere empfehlenswerte Webseiten:

Die Arbeit im eigenen Heim und das Satelliten-Büro

Gefahr erkannt?

Qualitätsmanagement-Handbuch, Kapitel 5: Stützelemente

 

Startseite | Themen | Projekt | Kontakt | Impressum | Rechtliche Hinweise

1| 2| 3| 4| 5| 6| 7| 8| 9

Copyright © 2011 All rights reserved. Wissensarchiv für Wirtschaft