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Kategorien von Information bei virtuellen Unternehmen


Nicht alle Informationen sind gleich: Die Informationen, mit denen ein Unternehmen zu tun hat, lassen sich in vier verschiedene Kategorien einteilen: nach Inhalt, nach Form, nach Verhalten und nach Wirkung. Inhaltsorientierte Informationen sind die einfachste Kategorie. Lange Zeit waren sie die einzige Informationsgrundlage der Unternehmen. Sie informieren über die Art einer Sache, Zeiten, Orte oder Mengen. Die einfache Lagerverwaltung beispielsweise enthält Angaben über die Mengen bestimmter Ersatzteile und darüber, wo man sie findet. In einer weiteren Kartei beziehungsweise Datei findet man dann die Beschreibung dieser Teile. Personaldatenbanken enthalten Angaben über Adressen, Gehaltsentwicklung und Arbeitsverhalten, Kundendateien speichern Informationen über Geschäftsvolumen, Zahlungsmoral und offene Aufträge. Solche inhaltsorientierten Informationen sind historischer Natur. Sie zeichnen Daten aus der Vergangenheit auf – wo Waren eingelagert wurden, was ein Mitarbeiter geleistet und ein Kunde bestellt hat. Diese Daten füllen heute die Speicher von PC und die Computer wurden hauptsächlich dafür gebaut, Inhaltsdaten für Unternehmen zu verarbeiten.

Formorientierte Informationen beschreiben Aufbau und Aussehen eines Objektes. Diese Art der Information unterscheidet sich von den Inhaltsdaten in mehrerlei Hinsicht. Zum einen können formorientierte Informationen im Vergleich zu den inhaltsorientierten sehr umfangreich sein. Die Inhaltsinformationen über einen VW Golf wären zum Beispiel seine Farbe, seine Ausstattung, der Preis und wo man ihn kaufen kann. Die Formdaten hingegen beschreiben das Aussehen jedes einzelnen Teiles im System. Sie zeigen detailliert, wie ein Kolben, der Kühler oder der Motorblock aussehen. Damit die Formdaten eines Autos gespeichert werden können, sind Millionen von Bytes erforderlich, für dessen Inhaltsdaten wenige Hunderte Bytes genügen würden. Um die erforderlichen riesigen Datenbanken zu schaffen, sind Milliarden Rechenvorgänge nötig. Was vor 20 Jahren noch Wochen oder Monate gedauert hätte, lässt sich mit modernen Computern innerhalb von Stunden oder Minuten erledigen. Diese Zeitverkürzung und die damit verbundene Einsparung von Verarbeitungskosten ermöglicht es den Unternehmen, formorientierte Daten zu nutzen. Inhalts- und Formdaten alleine genügen aber nicht: Die Inhaltsinformation zeichnet die Vergangenheit auf, die Formdaten beschreiben die Gestalt – einen Einblick in die Zukunft bieten aber beide nicht. Ein erfolgreiches Vorhersagen ist jedoch notwendig, denn dies stärkt die Wettbewerbsfähigkeit. Ein Unternehmen muss – oft in Echtzeit – simulieren können, wie ein System funktionieren wird. Erst solche Prognosen versetzen das Management in die Lage, das potenzielle Verhalten eines Systems zu verstehen. Deshalb sind zusätzlich verhaltensorientierte Informationen erforderlich. Verhaltensinformation beginnt oft mit Formdaten und verbraucht im Normalfall sehr große Speicherkapazitäten. Um das Verhalten eines Objektes vorherzusagen, muss ein Computer in der Lage sein, dessen Verhalten dreidimensional und zu verschiedenen Zeiten zu simulieren. Verhaltensinformation ist eine Alternative zu »echten« Tests, die teuer und zum Teil destruktiv oder gar gefährlich sind. Deshalb ist ihr Nutzen auch in alltäglichen Industrien anerkannt. Crash-Tests am Computer zum Beispiel machen es überflüssig, Autos auf Betonmauern prallen zu lassen. Mit genauen Simulationen ist es möglich, Geräte gleich beim ersten Mal fehlerfrei zu bauen. Durch die stets wachsende Verarbeitungskraft der Computer und dem Sinken der Preise für Speicherplatz gehen die Kosten der Simulation deutlich unter die eines Prototyps zurück und damit wächst die Nutzung der Verhaltensinformation immer mehr.

William Davidow und Michael Malone gehen davon aus, dass die informative Revolution mit der Erschließung der Kategorie der wirkungsorientierten Information ihren Höhepunkt erreicht – Information, die unmittelbar in intelligentes Handeln übergeht. Schon seit Jahren gibt es einfache Rückkopplungsmaschinen, die auch einfache Handlungen ausführen können: Der Thermostat im Wohnzimmer beispielsweise prüft die Temperatur und regelt den Betrieb der Heizungsanlage selbständig, so dass die Raumtemperatur konstant bleibt. Und die neuesten Maschinen dieses Typs können schon bedeutend mehr. Als Industrieroboter formen, prüfen und platzieren sie Werkstücke; sie steuern Laserschneider und Geldausgabeautomaten und reagieren auf die menschliche Stimme. Bei allen positiven Auswirkungen sehen die Autoren gleichermaßen Unsicherheiten und Ängste: »Auch die Arbeitswelt wird sich ändern. (...) Uns erwartet wohl eine Art von Zukunftsschock für Unternehmen. (...) Management und Belegschaft müssen zu kognitiven Änderungen bereit sein, wenn sie dieses Wissenspotenzial nutzbringend einsetzen wollen.«

So unsicher die Zukunft des virtuellen Unternehmens sein mag, so offensichtlich ist, dass Information zum Kern des virtuellen Unternehmens wird. Seine Fähigkeit, Produkte und Dienstleistungen zu schaffen, wird von seiner Datensammlung, -verarbeitung und -integration abhängen: Inhaltliche Informationen werden – dies gilt nach wie vor – das Wesen eines Unternehmens bestimmen. Formdaten machen es möglich, dass die Produkte beschrieben werden, die man herstellen will. Verhaltensinformationen prüfen diese Modelle in simulierter Praxis. Durch wirkungsorientierte Informationen wird schließlich alles zu einer Ganzheit der Fertigung, Prüfung und Verteilung der Produkte verbunden. Ein virtuelles Unternehmen definiert sich durch seine Fähigkeit, alle vier Informationswerkzeuge zu beherrschen.

 

 

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