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Investitionen in eine »unsichtbare Infrastruktur«


Die größte Bedeutung der Chinesen in Übersee ist jedoch deren Nutzen für das chinesische Festland. Unternehmer aus den entwickelten Ländern, allen voran Japan, tätigen die größten Kapitalinvestitionen (Produktionsanlagen, Instandsetzung des Schienennetzes, des Telekommunikationsnetzes usw.). Die Übersee-Chinesen konzentrieren sich jedoch auf die »unsichtbare Infrastruktur«. Sie schaffen ein finanzwirtschaftliches Netzwerk - vor dem Hintergrund, daß China nicht über eine finanzwirtschaftliche Infrastruktur verfügt, sie jedoch dringend benötigt. Sie wickeln einen großen Teil des Distributionsgeschäftes, besonders im chinesischen Inland und außerhalb der Metropolen, ab. Und sie werden diese Versorgung garantieren, unabhängig von den rechtlichen Voraussetzungen, die existieren. Aber eines ist sicher: Ohne rechtliche Basis wird eine weitere Entwicklung in China unmöglich sein.

Vielleicht noch wichtiger scheint die Tatsache zu sein, daß die Übersee-Chinesen die einzigen sind, die das dringlichste und entscheidendste Problem lösen können: den Mangel an gut ausgebildeten Menschen.

Jeder der in China zu tun hatte, wird die Erfahrung gemacht haben, daß die Arbeiter jeder Form von Ausbildung überaus aufgeschlossen gegenüberstehen. Doch die wirkliche Stärke einer modernen Volkswirtschaft sind nicht die Arbeiter, sondern die gut ausgebildeten Fachleute: Ingenieure, Buchhalter, Finanz- und Marketingexperten, Chemiker und Physiker. Solche Ausbildungen sind in China weitestgehend unbekannt. China hinkt, was deren Ausbildung betrifft, sowohl qualitativ als auch quantitativ sehr weit hinterher. Insgesamt lernen in China, einem Land mit 1,2 Milliarden Menschen, nur 4 Millionen Studenten an Schulen, deren Niveau über dem einer Hauptschule liegt. In den USA mit einer Bevölkerung von nicht einmal einem Fünftel Chinas sind das 12,5 Millionen. In Japan, mit nicht viel mehr als einem Zehntel der Bevölkerung Chinas, findet man mindestens 5 Millionen Menschen in einer Ausbildung, die der US-amerikanischen High-School vergleichbar ist. In China waren die geschulten Menschen - es waren niemals besonders viele, geschweige denn genug - nach der Kulturrevolution praktisch völlig von der Bildfläche verschwunden.

Was fast ebenso gefährlich für die Entwicklung Chinas ist: Die Ausbildung der meisten jungen Menschen an den chinesischen Universitäten ist völlig überflüssig. Sie werden staatliche Ökonomen und Bürokraten. Sie werden als nicht mehr zeitgemäße »Mandarine« ausgebildet, deren größter Stolz es ist, nicht zu wissen, was irgendwie nützlich sein könnte, und die ihre Hände niemals mit etwas beschmutzen, was irgendwie als produktive Arbeit gelten könnte.

An diesem Punkt leisten die Übersee-Chinesen ihren wichtigsten Beitrag zur Entwicklung Chinas. Technologie und Kapital können von außen kommen. Selbst das Topmanagement kann von Menschen aus anderen Ländern gebildet werden - wenn auch nur für eine kurze Zeit. Doch das mittlere Management, Angestellte und Techniker müssen aus dem Land stammen, in dem sie arbeiten oder dem sie zumindest kulturell verbunden sind. In China können diese Menschen kaum aus Japan, den USA oder Europa stammen. Diese Arbeiten müssen von Menschen ausgeführt werden, die sich selbst als Chinesen fühlen und ebenso als solche akzeptiert werden. An dieser Stelle spielen die Chinesen in Übersee eine wichtige, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle für die zukünftige Entwicklung der chinesischen Wirtschaft und der chinesischen Gesellschaft.

 

 

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