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Intellektuelle und Sozialismus


Der Antagonismus ,wahre oder korrekte Information versus verlogene oder falsche Information’ soll in vorliegender Publikation schwergewichtig hinsichtlich der Thematik „Kapitalismus oder Sozialismus“, „Staatsallmacht oder Freie Bürgergesellschaft“, „Politik oder Markt“ vorgestellt werden. Deshalb müssen wir noch einen Blick auf die generelle und prinzipielle Neigung der Kultur- und Medienschaffenden – kurz: der Intellektuellen – zum linken Spektrum oder zum Sozialismus und Etatismus werfen (als Etatismus wird üblicherweise eine ausschließlich auf das Staatsinteresse ausgerichtete Denkweise verstanden, die vielen Potentaten der Feudalzeit eigen war. Ich verwende den Begriff für die nachfeudale Zeit zur Bezeichnung einer staatsgläubigen Haltung jener Mehrheit der Bürger, die vom Staat und von der Politik die Lösung der meisten Lebensprobleme erwarten).

Der Sozialismus hat nie und nirgends seinen Ursprung bei den Arbeiterschichten gehabt – und ist nie und nirgendwo von diesen ausgegangen. Stets waren es Intellektuelle, welche die Ideen hervorgebracht und propagiert, sowie deren Umsetzung in die Realität organisiert haben, bevor die Massen darauf „angesprungen“ sind. Die meisten Intellektuellen unseres Landes hängen noch immer dieser Idee nach, welche im 20. Jahrhundert fast den gesamten Globus in ein Schlachtfeld verwandelt hat, in eine Welt der Genozide und Massengräber, der KZs und Gulags, der Armut und des Elends, der Gefängnismauern und Folterkammern. Die meisten jedoch hängen nach dem Zweiten Weltkrieg – und auch nach dem weltweiten Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus in allen nur denkbaren Variationen – seiner verführerischen Weichspüler-Version an, die sich nicht prinzipiell sondern nur graduell vom „harten“ Original unterscheidet und welche die Völker ebenso sicher – aber langsamer und schleichender in den Niedergang führt: dem Sozial- oder Umverteilungsstaat. Die denkende. schreibende, die Fernseh- und Printmedien beherrschende, die Universitäten und Lehrerkollegien bevölkernde Schicht ist von den Ideen der sozialdemokratischen (sozialsozialistischen; zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so tief geprägt, daß wohl keine Chance besteht, sie eines besseren zu belehren und sie für die Idee der Freiheit und eines Lebens der Bürger in Selbstbestimmung und Eigenverantwortung zurück zu gewinnen. D liegt deshalb fast ganz in der Hand der neu heranwachsender Intellektuellengeneration – also der heute noch die Schul- und Hochschulbänke drückenden Jugend -, sich diesem erbärmlichen Zeitgeist der Hörigkeit zu verweigern und statt dessen jener Schicht eine neue Prägung zu geben, die der weltbekannte Ökonom und Nobelpreisträger Friedrich A. von Hayek ah „Gebrauchtwarenhändler in Ideen“ (professional second-hand dealers in ideas) bezeichnet hat. (Hayek 1949).

Schon 1949 hat Hayek in seinem brillanten Essay „The Intellectuals and Socialism“ (reprint: IEA, London 1998) darauf hingewiesen, daß man den Begriff des Intellektuellen nicht eng sehen darf. Es handelt sich bei den Massenverbreitern vor Ideen eben nicht notwendigerweise, ja sogar in den seltenster Fällen um Wissenschaftler oder Experten bestimmter Gebiete „Der typische Intellektuelle“, schrieb Hayek, „braucht kein spezielles Wissen von irgendeinem speziellen Gebiet, noch muß er besonders intelligent sein, um seine Rolle als Mittler bei der Verbreitung von Ideen spielen zu können. Was ihn zu seine] Tätigkeit befähigt, ist die große Zahl von Leuten, die er reden( oder schreibend ohne besondere Schwierigkeiten erreichen kann.“ Zur Zeit der Niederschrift des Essays handelt( es sich bei dieser Kategorie von ,Gebrauchtideen-Händlern

hauptsächlich um Journalisten, Politiker, Lehrer und Radiokommentatoren; heute kommt die Riesenkaste der Fernsehschaffenden und der im Fernsehen auftretenden Schauspieler. Künstler und Prominenten aller Art hinzu – und das bei einer Verhundertfachung, ja oft Vertausendfachung der erreichter Publikumszahlen. Es gibt kein einziges politisches oder ökonomisches Thema. zu dem sich diese Herrschaften nicht als „Experten qua Prominenz“ äußern würden, sei es gefragt oder ungefragt. Die wirklichen Experten und deren Meinungen lernt das Publikum niemals kennen. Wer hätte beispielsweise zu den seit vieler Jahren tausend- und abertausendfach beschwätzten Fragen der Arbeitslosigkeit jemals einen der wirklichen Experten auf den Bildschirm gesehen – wie beispielsweise die Professoren Herbert Giersch, Horst Siebert, Ulrich von Suntum und Johann von Eekhoff, um nur einige zu nennen. Die betreffenden Wissenschaftler oder auch Männer und Frauen der Praxis haben viel zu wenig „Unterhaltungswert“ und sind deshalb für die „Schaumacher“ wertlos und störend. Echte Experten müßten sich entweder zu langatmig, zu gründlich und zu „trocken’ zum jeweiligen Thema äußern, oder aber sie würden de: „Schau“ mit wenigen fachlich-qualifizierten Sätzen ein blamables Ende setzen. Da läßt man lieber einen Gewerkschafts-Boss, einen Betriebsrat, eine prominente Feministin, einen Sozialarbeiter und einen prominenten Grünen über das Thema ‚Arbeitslosigkeit’ reden, die eine Stunde lang medienwirksam ‚talken’ ohne auch nur ein einziges Mal das Wort ,Preis der Arbeit` in den Mund zu nehmen, als daß man einen Ökonomen hinzuziehen würde. Der könnte ja (sofern es sich nicht um einen partei- und gewerkschaftsnahen“ handelt) die Schar möglicherweise mit einem einzigen Satz platzen lassen – wie( beispielsweise mit der Aussage: „Arbeitslosigkeit hat in eine] entwickelten Industriegesellschaft nur eine eindeutige Ursache nämlich einen zu hohen Preis der Arbeit, beziehe sich dieses „zu hoch“ nun auf die Direktentgelte oder auf die so genannten Zusatz- und Nebenkosten des Lohnes oder auf arbeitsrechtliche Hürden – oder auf alles zusammen.“

Kompetenz und Prominenz schließen sich eben in aller Regel aus – jedenfalls auf dem Gebiet der Gesellschaftswissenschaften (und so auch der Ökonomie). Der einzige deutsche Gelehrte, bei dem das in den letzten zwei Jahrzehnten nicht zutraf, war Professor Wolfram Engels, bei dem umfassende Fachkenntnis mit einem für einen Wissenschaftler der Politischen Ökonomie ungewöhnlichen Bekanntheitsgrad einhergingen; letzteres war aber nicht nur seiner glänzenden Formulierungskunst zu verdanken, sondern auch dem glücklichen Umstand, daß er zugleich die Qualifikation besaß, über lange Jahre hinweg als Herausgeber eines bekannten Wirtschaftsmagazins zu fungieren – so daß er dort Woche für Woche seine hinreißend mutigen Kommentare publizieren konnte.

 

 

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