Economia48 Projekt Wirtschaftslexikon Management Lexikon Lexikon Wirtschaft
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

Inflation oder soziale Unruhen?


China steht vor der Wahl zwischen einer Inflation und heftigen sozialen Unruhen. Die Inflationsrate liegt zur Zeit bei etwa 30 Prozent - und es sind schon zwei Dynastien der chinesischen Geschichte durch Inflationen zerstört worden.

Vor dreihundertfünfzig Jahren die Ming-Dynastie: Die Inflation, die den Niedergang verursachte, begann um 1500 in Europa, als Silberlieferungen aus Amerika alle europäischen Länder überschwemmten. Innerhalb von einhundert Jahren wurde die blühende Wirtschaft der Spätrenaissance, mit ihren »multinationalen« Handelsplätzen, den Hansestädten in Nordeuropa, mit Florenz, Genua und Barcelona im Süden, zerstört.

Schließlich, um das Jahr 1600, weitete sich die Inflation nach China aus. Das Silber, das dem chinesischen Wirtschaftssystem zugrunde lag, verlor seinen Wert. Während der Ming-Dynastie wurden die Soldaten mit Silber entlohnt. Doch die Mandschu hatten Zugang zum Blattgold in den Flüssen der nördlichen Mandschurei und konnten damit die Soldaten der Ming-Dynastie abwerben. Das führte innerhalb von nur zwanzig Jahren zum Kollaps der Ming-Dynastie und der Machtübernahme durch die Mandschus.

Dreihundert Jahre später, in den Jahren während und nach der pazifischen Krise, führte wiederum eine Inflation zum Niedergang einer Dynastie, und zwar der der Guoumindang-Dynastie unter Chiang Kai-shek. Er wurde sicherlich nicht von Maos Armeen besiegt. Es war die Inflation, die seine Soldaten erst zu Tausenden, dann zu Millionen desertieren ließ. Niemand in Peking hat das vergessen.

Doch ist die Alternative zu einem Ansteigen der Inflation nicht besser. Die derzeitige Inflation in China wird durch die völlige Inkompetenz und die unzulängliche Produktivität der staatseigenen Unternehmen verursacht. Praktisch jedes ist bankrott, und fast keines produziert Güter, die irgendjemand kauft. Trotzdem beschäftigen sie zusammen 100 Millionen Menschen und damit die Hälfte aller Erwerbstätigen, die außerhalb der Landwirtschaft arbeiten. Ohne den von der Regierung initiierten Druck des Geldes, der Grund für den Anstieg der Inflation ist, müßten die staatseigenen Betriebe unverzüglich ihre Tore schließen.

Ein weiteres Ansteigen der Inflation zu unterbinden hieße aber, mehrere hundert Millionen Menschen in die Arbeitslosigkeit zu entlassen. Und es kann wohl keine Regierung, ganz besonders keine kommunistische, Arbeitslosenraten von 50 bis 60 Prozent der Stadtbevölkerung überleben.

Die Crux dieses Dilemmas besteht darin, daß es die Unterstützung des Militärs in Frage stellt, auf das sich die Regierung in Peking bislang noch verlassen konnte. Die Inflation zersetzt die Armee, weil sie den Lohn der Soldaten und jungen Offiziere schnell entwertet – und bislang war dies die Klasse mit den meisten Privilegien in China. Andererseits wäre eine Massenarbeitslosigkeit unter den Industriearbeitern kein geeignetes Mittel, um die Loyalität der Armee zu sichern.

So wird die Entwicklung Chinas davon abhängen, ob das Land in der Lage ist, einen geeigneten Weg zu finden zwischen einer Inflation, die die Regierung unterwandert und zerstört, und einer industriellen Massenarbeitslosigkeit, die das gleiche bewirkt.

 

 

Diese Seite als Bookmark speichern :

 

 

Weitere empfehlenswerte Webseiten:

Eine Zeit extremer Veränderungen

Selbsteinschätzung beim Qualitätsmanagement

Die Rolle der Führung für die Schaffung von Kultur

 

Startseite | Themen | Projekt | Kontakt | Impressum | Rechtliche Hinweise

1| 2| 3| 4| 5| 6| 7| 8| 9

Copyright © 2011 All rights reserved. Wissensarchiv für Wirtschaft