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Industriestädten der damaligen Zeit - unsägliches Elend unter der Arbeiterschaft


Das ist richtig. Aber dieses Elend hat nicht der Frühkapitalismus erzeugt. Ganz im Gegenteil: Die einsetzende Industrialisierung hat das Elend sukzessive gemildert und im Verlauf weniger Jahrzehnte sogar fast vollständig beseitigt. Was wai wirklich geschehen? Die in Europa ohnehin während des gesamten Mittelalters anhaltenden ärmlichen Verhältnisse sind in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch die dramatische Beschleunigung des Bevölkerungswachstums in eine Hölle der Armut ausgeartet. Selbst England, wo Handel und Manufaktur bereits eine Hochblüte erreicht und einen bescheidenen Wohlstand erzeugt hatten, wurde von dieser Elendswelle überschwemmt. Sorgfältig erarbeitete Studien über die vorindustrielle Zeit belegen, daß der Bevölkerungszunahme in Mitteleuropa von 28 Millionen Köpfen (um 1450) auf rund 60 Millionen (um 1800) ein Sinken des Reallohnniveaus vorn Faktor 100 auf 50 gegenüberstand. Auch wenn man die historischen Sonderereignisse wie Kriege, Seuchen und Mißernten nicht vernachlässigen darf, läßt sich doch generell sagen: Da sich die Arbeitsproduktivität über den gesamten Zeitraum von 350 Jahren hinweg nur unwesentlich erhöhte, mußte es bei einer Bevölkerungsverdoppelung zwangsläufig zu drastischer Verarmung kommen. Die Agrargesellschaft stand zu Beginn der Industrialisierung buchstäblich vor dem Massenhungertod. Mit Beginn der Industrialisierung setzte eine dramatische Umkehr ein, nicht schlagartig, aber allmählich und dauerhaft. Obwohl sich die Bevölkerung in einem einzigen Jahrhundert. zwischen 1800 und 1900, nochmals mehr als verdoppelte, stiegen die Reallöhne in derselben Zeit vom Faktor 50 auf 125 (um 1900) – und sogar auf 210 im Jahr 1925. Während das industrielose Irland ein Fünftel seiner Einwohner durch Hungertod, Krankheiten und Notauswanderung verlor, konnte sich die englische Bevölkerung verdoppeln und ihren Lebensstandard trotzdem sukzessive steigern. Um es nochmals zu betonen: Zu Beginn der Industrialisierung – also um 1800 – war der schlimmste Zustand erreicht. Die rund 60 Millionen Menschen Mitteleuropas lebten mit einem Standard (Reallohn), der der Hälfte des Jahres 1450! entsprach. Dieser Elendszustand war also nicht eine Folge der Industrialisierung, sondern war erreicht, bevor und als die Industrielle Revolution einsetzte.

Man muß die einschlägigen Schriften der damaligen Zeitgenossen gelesen haben, um sich eine Vorstellung vom Ausmaß des Elends, des Hungers und der Not machen zu können, gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der meisten europäischen Ländern erreicht war – aber auch, un sich einen Eindruck von der grenzenlosen Geschichtsfälschung zu verschaffen, welche Friedrich Engels mit seiner Beschwörung vorindustrieller Idylle betrieben hat.

Freilich war der Umbruch ins Industriezeitalter kein Magiertrick, mit dem man das Elend innerhalb weniger Jahre hätte wegzaubern können. Die Entwicklung begann langsam, war regional höchst unterschiedlich, und konnte die alten, in Jahrhunderten gewachsenen Strukturen, Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten nur allmählich überwinden. Selbst England. der Frühstarter ins Maschinenzeitalter, blieb bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein ein agrarisch-kleingewerblich strukturiertes Land.

 

 

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