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Gründungskapital – Die einzelnen Stufen des Entrepreneurship


Sie haben einen Punkt erreicht, an dem die Idee genügend weit entwickelt ist; sie haben sorgfältig aufgelistet, welche Ressourcen sie zur Geschäftseröffnung und für das Wachstum brauchen. Sie haben alle Ihre Strategien in einem Geschäftsplan zusammengefaßt und Sie wissen jetzt, wieviel Gründungskapital Sie brauchen, um die Firma dahin zu bringen, daß genügend Geld in die Kasse fließt. Wie kann man nun genügend Gründungskapital auftreiben?

Es gibt zwei Arten von Gründungskapital: Eigen- und Fremdkapital. Einfach ausgedrückt: Mit einem Kredit braucht man seine Position als Eigentümer nicht einzuschränken oder aufzugeben, aber man muß Zinsen zahlen und Kapital zurückerstatten. Mit einer Kapitalbeteiligung gibt man Eigentumsanteile auf, die man jedoch nicht zurückzahlen muß, ebensowenig wie eine Verpflichtung zur Dividendenzahlung besteht. Sie müssen also zwischen Zinszahlung und Aufgabe von Eigentumsanteilen wählen.

Die praktische Entscheidung hängt davon ab, welche Art von Kapital man auftreiben kann. Die meisten angehenden Unternehmer haben keine große Flexibilität in der Wahl ihrer Finanzierung. Falls es sich tun ein sehr riskantes Unternehmen handelt, ist es ohne Vermögen so gut wie unmöglich, von einer Bank Kredit ohne gleichwertige Sicherheitsleistung zu erhalten, und dies ist in der Regel persönliches Vermögen. Selbst wenn der Unternehmer willens ist, für den ganzen Kredit Sicherheit zu leisten, wird die Bank einen Eigenkapitalanteil von etwa 25 % der Kreditsumme verlangen.

Die überwiegende Mehrheit der Unternehmer gründet ihre Geschäfte mit eigenen Ersparnissen und der eigenen Arbeitskraft. Sehen wir uns einmal an, wie bei Apple, einer der spektakulärsten Firmengründungen, das Startkapital zusammenkam. Steve Jobs und Stephan Wozniak waren Schulfreunde aus dem Silicon Valley. Wozniak war ein typischer Computernarr, der seit seiner Kindheit mit Computern herumgespielt und bei einer Wissenschaftausstellung den ersten Preis für seinen selbstgebauten Computer gewonnen hatte. Beim Eignungstest in Mathematik erzielte er perfekte 800 Punkte, doch nach Gastspielen an der Universität von Colorado, am De Anza College und in Berkeley verließ er das College ohne Abschluß und begann für Hewlett-Packard zu arbeiten. Sein Partner, Jobs, hatte eine noch kürzere Begegnung mit höherer Bildung: Nach einem Semester am Reed College, ging er zu einem Swami nach Indien. Als er und Wozniak mit der Entwicklung ihres Mikrocomputers begannen, arbeitete Jobs bei Atari, einem der führenden Hersteller von Videospielen.

Apple wurde in der Garage von Jobs' Elternhaus sehr bald zur Serienreife entwickelt. Ihre Firma, die anfangs von den 1 300 Dollar aus dem Verkauf von Jobs' Volkswagen und Wozniaks Rechner finanziert wurde, brauchte Kapital für weitere Investitionen. So sahen sie sich bei ihren Arbeitgebern nach Hilfe um. Wozniak schlug seinem Vorgesetzten vor, daß Hewlett-Packard den Rechner produzieren sollte, der später Apple II wurde. Es wundert vielleicht nicht, daß das abgelehnt wurde. Schließlich hatte er keine formale Qualifikation zur Computerentwicklung, noch nicht einmal einen Collegeabschluß. Bei Atari versuchte Jobs, den Gründer, Nolan Bushnell, von der Produktion von Apple zu überzeugen, und holte sich ebenfalls eine Abfuhr.

Doch auf den Rat von Bushnell und Regis McKenna, einem Marketing-As aus dem Silicon Valley, nahmen sie im Herbst 1976 zu Don Valentine, einem Risikokapitalgeber, Kontakt auf. Jobs sah damals wie ein Anhänger seines Swami aus. Er hatte keinerlei Ähnlichkeit mit Doriot's Top-Mann, auch nicht nach den lockeren Maßstäben von Silicon Valley. Valentin investierte nicht. Aber er stellte einen Kontakt zu Armas Markkula Jr. her, der sich kurz zuvor als reicher Mann von Intel zurückgezogen hatte. Markkula begriff auf der Stelle, welche Möglichkeiten in Apple steckten und wußte, wie man Kapital auftrieb. Er investierte persönlich 91000 US-$, leistete Sicherheit für einen Kredit von der „Bank of Amerika“, stellte einen Business Plan auf und trieb 600 000 US-$ an Venture Capital auf.

Apple II wurde im April 1977 auf den Markt gebracht. Der Verkauf war sofort erfolgreich. Noch im gleichen Jahr schnellte der Verkauf von Apples auf 2,5 Mio. US-$ hoch und betrug 1978 bereits 15 Mio. US-$. 1978 entwickelte Dan Brick-ling, ein Student der Betriebswirtschaft an der Harvard-Universität und früherer Programmierer bei DE, die erste elektronische Tabellenkalkulation, VisiCalc, für Apple II. In Minutenschnelle konnten damit Arbeiten erledigt werden, die früher Tage in Anspruch genommen hatten. Der PC bot jetzt die Möglichkeit, Manager der Computerabteilungen von ihrer Aufgabe der Datenüberwachung zu befreien. Ein Beobachter urteilt: „Erst durch die Ausrüstung mit VisiCalc schoß der Verkauf von Apple II richtig nach oben und die PC-Industrie wurde geschaffen. Der Verkauf von Apples erreichte 1979 70 Mio. US-$ und 1980 117 Mio.-US-$.“

1980 ging Apple an die Börse und erzielte mit dem Verkauf eines Teils seines Kapitals mehr als 80 Mio. US-$. Der Buchwert ihres in Apple steckenden Kapitals machte Jobs (165 Mio. US-$), Markkula (154 Mio. US-$), Wozniak (88 Mio. US-$) und Mike Scott (62 Mio. US-$), die zusammen 40 % der Anteile von Apple hielten, auf der Stelle zu Millionären. Arthur Rocks Risikokapitalanteil von 57 000 US-$ aus dem Jahr 1978 war plötzlich 14 Mio. US-$ wert, eine astronomische Verzinsung von 500 % pro Jahr oder 17 % pro Monat.

1982 verkaufte Apple 33 000 Stück im Monat. Mit den 1982er Verkäufen von 583 Mio. US-$ kam Apple in die Liste der „Fortune 500“. Es war ein Rekord. Mit fünf Jahren war Apple die jüngste Firma, die jemals in dieser exklusiven Liste aufgenommen wurde.

Selten ist Erfolg so spektakulär wie der von Apple. Dennoch ist die Finanzierung typisch für erfolgreiche Hightech-Gründungen. Zunächst entwickeln die Unternehmer einen Prototyp durch Eigenleistung („sweat equity”) und persönliche Ersparnisse. Mit der Eigenleistung verdient der Unternehmer, statt eines Gehaltes, Eigentum am Unternehmen. Dann tritt ein reicher Investor auf den Plan (manchmal auch informeller Investor oder „business angel“ genannt), der etwas von Unternehmern versteht und/oder sich in der Branche auskennt und der eigenes Kapital gegen eine Beteiligung investiert. Wenn das Unternehmen das Produkt verkaufen kann, ist es meist möglich, einen Bankkredit zu erhalten, der durch Vermögenswert und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen abgesichert wird. Wenn das Unternehmen auf einem großen Markt schnell wächst, ist es möglich, Kapital von normalen Venture Capital-Investoren gegen eine Beteiligung zu erhalten. Eine weitere Kapitalerhöhung kann durch Venture Capital-Firmen oder den Gang an die Börse erzielt werden.

Die meisten jungen Unternehmen werden nie Kandidaten für Risikokapitalfinanzierung oder einen Gang an die Börse. Dennoch müssen sie Kapital auftreiben. In den allermeisten Fällen wenden sich die Unternehmer, nachdem sie ihre persönlichen Ersparnisse aufgebraucht haben, an Familie, Freunde und Bekannte (s. Abb. 4). Das kann ein mühsames Geschäft sein. Unternehmer haben oft ihr ganzes persönliches Vermögen in das Geschäft gesteckt, das ihre einzige Einkommensquelle darstellt. Das ist ein doppeltes Risiko, denn wenn das Unternehmen schief geht, verlieren sie beides, ihre Ersparnisse und ihre Einkommensquelle. Das Risiko ist nur zu rechtfertigen, wenn die Gewinnaussichten groß genug sind, um eine entsprechende Gewinnspanne zu sichern.

 

 

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