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Globalisierung und Ende der Arbeit


Sind wir nicht tatsächlich in ein Zeitalter eingetreten, in welchem der technologische Fortschritt zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte mehr Arbeitsplätze vernichtet als neue schafft, und wo speziell die niedrig-qualifizierte Arbeit überflüssig wird? Was soll denn dem entgegenstehen? Dem steht alles entgegen, nicht nur die ökonomische Theorie. sondern auch und vor allem die schiere Realität. Nebenbei bemerkt, ist die irrige These, daß der technische Fortschritt mehr Arbeitsplätze vernichten als neue schaffen würde, alles andere als neu. Angefangen von der Erfindung des Webstuhls, über das Aufkommen der Dampfmaschine, bis zur Einführung der Fließbandarbeit in der Automobilherstellung durch Henry Ford: Immer und überall haben die ökonomischen Ignoranten. die Feinde der Marktwirtschaft und die Betreiber des politischen Geschäfts (des Geschäfts von der Funktionalisierung der Angst zu Machtzwecken) behauptet, nun würden die arbeitenden Menschen überflüssig werden.

Bleiben wir mal bei der Systematik von Mauricio Rojas. Er benennt vier große, die derzeitige Diskussion beherrschen& Trugschlüsse. Rojas nennt sie in wissenschaftlicher Zurückhaltung „Irrtümer“ (fallacies); ich bezeichne sie lieber als Lügen, weil die Kluft zwischen dem, was in der erwähnten Horror-Literatur und im übrigen Blätterwald gezeichnet wird, und dem, was in Wirklichkeit geschieht, so himmelweit auseinanderklafft, daß es mir schwerfällt, dem Massenchor der Falschmelder in den Medien lediglich verzeihlichen „Irrtum“ zuzubilligen. Besagte vier Irrtümer (Lügen) lassen sich in etwa wie folge zusammenfassen: Globalisierung und neue Technologien führen zu einem wirtschaftlichen Wachstum, das Arbeitsplätze frißt statt erzeugt (Ende der Arbeit) und das die noch verbleibenden Arbeitsplätze immer mehr in Billiglohnländer verlagert. Der Gegenbeweis: Zwischen 1975 und 1995 wurden per Saldo – also zusätzliche – Arbeitsplätze geschaffen: Ein wenig vereinfachend kann man also sagen: Je mehr Kapitalismus in den verschiedenen Industrienationen, desto mehr neue Arbeitsplätze. Deshalb ist es auch nur logisch und konsequent, daß in derselben Zwanzigjahresperiode im Wohlfahrts-Disneyland Europäische Union nur 4,12% neue Jobs hinzugekommen sind, und im Superwohlfahrtsstaat Schweden sind sie sogar um 1,90% geschrumpft. Im Fall USA, Kanada, Australien und Japan aber bedeutet das zusammengenommen 58 Millionen neue, zusätzliche Arbeitsplätze – also eine Summe, die annähernd der Bevölkerung Westdeutschlands entspricht. Obwohl die EU-Ziffer erbärmlich niedrig liegt, fallen auch hier große Differenzen zwischen verschiedenen Ländern auf. So konnten bspw. die Niederländer, die ihren Arbeitsmarkt wenigstens teilweise dereguliert (d. h. die staatlichen, gesetzlichen und gewerkschaftlichen Fesseln gelockert) haben, innerhalb der besagten 20-Jahresperiode einen Nettozuwachs an Arbeitsplätzen von 28% aufweisen. Auch wenn man die übrige Welt betrachtet, stößt man auf erstaunliche Entwicklungen: Trotz des explosivsten Bevölkerungswachstums der Weltgeschichte, bei dem sich die Zahl der arbeitsfähigen Menschen zwischen 1980 und 1994 um nicht weniger als 630 Millionen erhöhte, konnten auch diejenigen Entwicklungs- und Schwellenländer, die ihre Märkte im Zuge der Globalisierung geöffnet haben, diesen gigantischen Schuh weitgehend absorbieren, also entsprechend viele Arbeitsplätze schaffen. Den spektakulärsten Erfolg hierbei hatten die ost- und südostasiatischen Staaten. Die Zahl der Arbeitsfähigen wuchs z. B. in China zwischen 1980 und 1994 jährlich um rund 12 Millionen, aber gleichzeitig entstanden ab Mitte der 90er Jahre – als mehr und mehr Marktwirtschaft zugelassen wurde – jährlich mehr als 15 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze. Kein anderes System als die Marktwirtschaft, die im Zuge der Globalisierung auf diese Länder übergegriffen hat, hätte das zustande bringen können. Es ist auch ein Märchen, daß die Zahl der im Produktionssektor tätigen Menschen abnehmen würde, daß also – wie es heißt – immer weniger Industriearbeiter immer mehr Produkte erzeugen. In China hat die Zahl der in der Industrie Tätiger von 1980 bis 1994 um 82% zugenommen – und auf dem gesamten Globus immer noch um mehr als 31%. Dieses Beschäftigungswachstum im industriellen Sektor ist eine wichtige Grundlage für die enorme Wohlstandszunahme eines großen Teils der Weltbewohner, die trotz des rapiden Bevölkerungswachstums zu verzeichnen ist. Obwohl die Länder Süd. korea, Taiwan, China, Thailand, Malaysia, Indonesien, Sr Lanka und Indien 1995 für 40% des Wachstums der Erdbevölkerung standen, hat sich deren reale Kaufkraft zwischen 1965 und 1995 wie folgt erhöht (in der obigen Reihenfolge der] Länder): 442%, 296%, 238%, 167%, 157%, 152%, 25%. In selben Zeitraum hat – als bester Indikator für den Lebensstandard – die Kindersterblichkeit in diesen Ländern eklatant abgenommen. So bspw. in Südkorea von 62 auf 12 Promille, und in China von 90 auf 30 Promille. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung hat sich zugleich ebenso markant erhöht, z. B. von 54 auf 71 Jahre in Südkorea, und vor 47 auf 69 Jahre in China. Wenn die Revolution der Informationstechniken mehr Job vernichten als neue schaffen würde (wie eine Teiltheorie de großen Arbeitsplatzlügen behauptet), dann müßten die US/ und Japan, die diese Revolution seit den 70er Jahren anführen besonders hart von Arbeitslosigkeit betroffen sein. Wie wir wissen und gesehen haben, ist das krasse Gegenteil der Fall. Daß die Dinge in Deutschland und in Frankreich anders liegen ist auf die rechtliche, bürokratische, fiskalische und syndikalistische Betonierung der dortigen Arbeitsmärkte zurückzuführen. Was hier geschehen ist und nach wie vor geschieht, hat mit Markt oder Marktwirtschaft nichts mehr zu tun. In allen Ländern, die ihre Märkte nicht zunehmend reguliert haben, zeigte sich in den letzten 20 Jahren ein sogenanntes „Positiver Beschäftigungseffekt“, das heißt daß die Beschäftigung mit jedem Prozent Sozialproduktzunahme um mehr gestiegen ist als in der davorliegenden 20-Jahres-Periode. Das liegt überwiegend daran, daß beim Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft nicht weniger, sondern mehr Menschen beschäftigt werden müssen, um das Sozialprodukt wachsen zu lassen. Dienstleistungen sind beschäftigungsintensiver als Güterproduktion. Bei freien Märkten – und insbesondere freien Arbeitsmärkten – ist also in Zukunft kein Arbeitskräfteüberschuß zu erwarten, sondern ein Mangel an Arbeitskräften. Das halbsozialistische Europa freilich – und erst recht das in rotgrünen Farben schillernde dreiviertelsozialistische Deutschland – wird an diesem Segen wohl kaum teilhaben können. denn hier sind die größten und hauptsächlichen Dienstleistungssektoren staatsbürokratisch zugemauert: das Bildungswesen und das Gesundheitswesen. Welch unglaublicher Beschäftigungsschub ausgelöst wird, wenn ein größerer Sektor dieser Art marktwirtschaftlich aufgebrochen wird, hat aktuell die (wenn auch nur halbherzige) Beseitigung des staatlichen Telefonmonopols überdeutlich demonstrieren können.

Auch das Abdriften der Arbeitsplätze in Billiglohnländer (im Zuge der Globalisierung) ist nichts als ein Schauermärchen. Wenn das stimmen würde, so hätte der Anteil der hochindustrialisierten Länder am Weltexportvolumen sinken müssen. Tatsächlich ist er jedoch zwischen 1980 und 1994 von 65 auf 70% gestiegen. Zugleich hat sich das Gesamtvolumen aller Exporte auf dem Globus in absoluten Zahlen wesentlich vergrößert, also auch die Exporte der südostasiatischen Länder.

Wir sehen also ein Wachstum der Weltwirtschaft, und nicht ein Nullsummenspiel, bei dem die einen verlieren würden, was die anderen gewinnen. Das Weltexportvolumen hat sich in der genannten Periode fast verdoppelt. Doch auch aus einem anderen Blickwinkel erweist sich die „Verlagerungs“ -Theorie der Arbeit als falsch: Der Anteil dei Exporte aus Süd-, Südost- und Ostasien – also aus dem ganzer riesigen und hochbevölkerten Erdteil – betrug 1994 nur 3,411% des Sozialprodukts aller entwickelten Länder. Außerdem exportierten die Industriestaaten viel mehr in die Entwicklungs- und Schwellenländer als umgekehrt. Dasselbe gilt für den an geblichen Massenexodus des Kapitals. 1994 betrug der Gesamtfluß aller Direktinvestitionen in alle jene Länder (inklusive Osteuropa) weniger als ein halbes Prozent des Sozialprodukts der Industrienationen. Wenn fremde Erdteile reich und reicher werden, dann nicht weil sie von uns Geld und Kapital bekämen, sondern weil sie auf zunehmend befreiten Märkter hart arbeiten, sparen und investieren. Und die Industriestaaten haben zwischen 1983 und 1992 nicht „ihr Kapital exportiert“ wie die politischen und gewerkschaftlichen Trompeten um künden, sondern im Gegenteil sogar drei Viertel aller ausländischen Direktinvestitionen der Welt auf sich konzentriert ge sehen. Wenn Deutschland dabei immer weniger Wagniskapital anziehen kann, dann ist diese nationale Misere hausgemacht Hierzulande hatten sich die geknebelten Arbeitsmärkte geruh auf mühsamem Wege zwei winzige Ventile in Richtung Flexibilität geschaffen, nämlich die 620-DM-Jobs und die vermehrte Verselbständigung betrieblicher Funktionen, da kamen dis rot-grünen Menschheitsbeglücker daher und hatten als einzige( „beschäftigungspolitische Innovation“ nichts anderes anzubieten als diese kleinen Atemlöcher des erstickenden Markte mit ihrem Scheinselbständigkeits-Getöse und ihren Sozialturnübungen bei den 620-DM-Jobs wieder zuzukleistern.

 

 

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