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Gestaltung eines Business Plans


Nicht jedes zu gründende Unternehmen benötigt die gleiche Form des Business Plans. Um die unterschiedlichen Typen und ihre verschiedenen Kapitalbedürfnisse zu veranschaulichen, unterteilt Timmons (1995, S. 5) Unternehmensgründungen in vier Kategorien mit unterschiedlichem Kapitalbedarf:

1. Solopreneurs: Solopreneurs sind Entrepreneure, die im allgemeinen allein arbeiten und Know-how als Dienstleistung verschiedenen Kunden anbieten. Solopreneure können z.B. Berater, Ingenieure und Makler sein. Sie zeichnen sich zumeist durch einen geringen Kapitalbedarf aus, denn sie starten von zu Hause und benötigen nur wenig mehr als einen PC.

2. Family Enterprises: Family Enterprises stellen die klassischen Existenzgründer dar. Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise auch Handwerksbetriebe. Hier kann bereits ein beachtlicher Kapitalbedarf bestehen, die Profitchancen dieser Gründungen sind aber langfristig meist gering, weshalb selten ein großer Kapitaleinsatz erfolgt.

3. Life-Style Enterprises: Diese Unternehmen benötigen zumeist kurzfristig Kapital, um ein sich nur kurz öffnendes „window of opportunity“ zu nutzen. In dieser Gruppe gibt es die Entrepreneure, die über Nacht Millionär werden, deren Markt sich aber kurzfristig wieder auflösen kann.

4. High-Potential/Real Value Opportunities: Diese Unternehmen stellen die Gruppe mit dem höchsten Kapitalbedarf dar. Für sie steht der langfristige Gewinn im Vordergrund. Als Beispiele für high potentials können in den siebziger Jahren DEC und Apple und in den achtziger Jahren die Biotechnologie-unternehmen genannt werden, die zumeist Basisinnovationen erstmalig wirtschaftlich nutzten bzw. nutzbar machten.

Aus unterschiedlichen Kapitalerfordernissen heraus ergeben sich auch unterschiedliche Ansprüche an den Business Plan. Mit dem von Kategorie 1 bis Kategorie 4 zunehmenden Kapitalbedarf verbunden ist die Notwendigkeit, einen ausführlicheren Business Plan zu erstellen. In der Praxis deutscher Venture Capital-Unternehmen gibt es keinen einheitlichen Standard zur Erstellung von Business Plänen. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, daß die von Struck (1990) vorgeschlagene Struktur allgemein akzeptiert wird. Der Plan kann demnach grob in drei Teile unterteilt werden: „Einen erläuternden Teil, in dem Zusammenhänge, Annahmen und geplante Aktivitäten erklärt werden, einen Zahlenteil, der die Auswirkungen der Annahmen und Aktivitäten auf Personalstärke, Umsätze, Investitionen, Liquidität und Gewinne widerspiegelt, sowie einen Anhang, der Zeichnungen, Marktstudien, Detailrechnungen, Verträge und andere wichtige Unterlagen enthält“ (Struck 1990, S. 1). Etwas detaillierter betrachtet ergibt sich ein 12 Punkte umfassender Aufbau des Business Plans (Abb. 1; vgl. auch Geilinger 1991, S. 10 f.).

Auch der Vorschlag von Timmons (1994, S. 420) zum Aufbau eines Business Plans umfaßt 12 Punkte. Allerdings gibt er durch die Nennung der einzelnen Unterpunkte Hinweise darauf, welche Fragen der Leser beantwortet sehen möchte, weshalb sich die folgende Gliederung (vgl. Abb. 2) auch als generelle Checkliste zur Erstellung von Business Plänen eignet. Einen Business Plan für ein High-potential-Venture zu erstellen, ist eine umfangreiche Aufgabe, die mehrere hundert Stunden umfassen und den Entrepreneur bis zu einem Jahr Arbeit kosten kann, wenn davon ausgegangen wird, daß er sich dem Plan nur abends und am Wochenende widmen kann (vgl. Timmons 1994a, S. 418). Eine Gründung mit geringem Kapitalbedarf und mit technisch weniger komplizierten Produkten und Verfahren kann aber auch in einer verkürzten Version (dehydrated Business Plan) ausreichend genau dargestellt werden. Und auch für High potentials kann es Bedarf für einen verkürzten Business Plan geben, nämlich dann, wenn es sich nur um eine erste Kontaktaufnahme mit Investoren handelt. Hisrich/Peters (1992, S.127) empfehlen, kaufmännische Berater und Rechtsanwälte als Experten hinzuzuziehen oder sich an Small Business Development Centers (SBDC) zu wenden. Die entsprechenden Institutionen in Deutschland sind Steuerberater, die Deutsche Ausgleichsbank, die Industrie- und Handelskammern oder die nach amerikanischem Vorbild neu entstehenden SBDCs (z.B. in Sachsen, ähnlich in Nordrhein-Westfalen) bzw. Existenzgründer-Institute (z.B. Berlin). Selbstverständlich offerieren auch Geschäftsbanken diese Beratungsleistung, jedoch wohl lediglich im Rahmen einer mit ihnen durchgeführten Finanzierung.

Allgemein läßt sich festhalten, daß eine komprimierte und einfache Sprache bei der Beschreibung der Unternehmensgründung von Vorteil ist, denn die Kapitalgeber, die über eine Beteiligung entscheiden, sind zumeist Kaufleute und keine Techniker. Darüber hinaus lassen eine interessant gestaltete Titelseite und eine klar formulierte Zusammenfassung die Erfolgswahrscheinlichkeit ansteigen. »Einige Kapitalgeber gehen so weit zu sagen, die Zusammenfassung sei der wichtigste Teil des Geschäftsplans. Denn sie ist sozusagen das Instrument, mit dem beim Leser Neugierde dafür geweckt werden soll, auch den Rest des Plans zu lesen und sich näher mit den Einzelheiten des Vorhabens zu befassen“ (Struck 1990, S. 23).

 

 

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