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Gemeinwohl oder Macht


Womit wir bei der fast humoristischen Frage angelangt wären. ob die Bürger und somit auch die jungen Leute wenigstens von den politischen Repräsentanten - also aus den endlosen Pro-und Contra-Argumenten der Partei- und Regierungspolitiker „die Wahrheit“ erfahren und kennenlernen können. Der alte Diplomatenspruch: „Wenn ein Diplomat das sagt, was er für die Wahrheit hält, ist er als Diplomat untragbar“, gilt natürlich auch für alle anderen Politikbereiche. Der Konflikt zwischen Parteidisziplin, Fraktionszwang, Wählerwirkung und Machtgewinn einerseits - und dem persönlichen Gewissen oder der persönlichen Überzeugung der Akteure des politischen Theaters andererseits, ist allenfalls für Neulinge auf dei Bühne eine Belastung. Die Alltäglichkeit und Permanenz de inneren Widerspruchs stumpft ab, und eine diesbezügliche Wahrheits-Stringenz kann sich ein Politiker auch gar nicht leisten. Er müßte sonst sehr schnell das Feld räumen und nach Hause gehen.

Den „typischen Politiker“ hat der wohl berühmteste Journalist der Vor-Fernsehwelt (20er und 30er Jahre) in den USA. H. L. Mencken, wie folgt beschrieben: „Er ist gewillt, jede: Thema - egal wie idiotisch es auch sein mag - an sich zu reißen das ihm Stimmengewinn verspricht; und er ist bereit, jedes Prinzip - so wertvoll es auch sein mag - zu opfern, das ihn Stimmen kosten könnte. Damit beschreibe ich nicht etwa einen außergewöhnlich schlechten demokratischen Politiker, sondern den ganz und gar normalen.“ (s. Boudreaux 1998). Und was die angebliche Gemeinwohlleidenschaft der politischen Kaste angeht, hat der englische Politiker und Nationalökonom Sir Alan Walters deren wahre Motive auf den kürzesten Nenner gebracht, als er sagte: „Macht! Lesen Sie Shakespeare, und vergessen Sie alles über das Allgemeinwohl als Motiv für Politiker. Ich war lange genug in der Politik.“ (Walters 1993) Warum das zwangsläufig so ist, wird an einigen späterer Stellen im Buchtext kurz erklärt (ausführlicher: s. meine Publikation „Fauler Zauber“). Politiker sind nicht etwa die „schlechteren Menschen“ (obgleich man einen ziemlich „dehnbaren“ Charakter haben muß, um dieser Profession dauerhaft anhängen zu können); entscheidend sind die Zwänge und inneren Mechanismen des politischen Geschäfts. Diese aber, wir sollten es inzwischen gelernt haben, können durchaus verheerend für viele Menschen - oder gar tödlich für ganze Völker sein. Die Wahrheit hat in der Politik jedenfalls so gut wie keine Chance.

 

 

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