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Freude am Gestalten – Der Klassiker


Wir sehen nun, warum wir soviel Gewicht auf das Durchsetzen der neuen Kornbinationen legten und nicht auf ihr „Finden“ oder „Erfinden“. Die Funktion des Erfinders oder überhaupt Technikers und die des Unternehmers fallen nicht zusammen. Der Unternehmer kann auch Erfinder sein und umgekehrt, aber grundsätzlich nur zufälligerweise. Der Unternehmer als solcher ist nicht geistiger Schöpfer der neuen Kombinationen, der Erfinder als solcher weder Unternehmer noch Führer anderer Art. Sowohl was sie tun, ist verschieden, als auch die Eignung zu dem, was sie tun – „Verhalten“ und „Typus“. Ferner bedarf es wohl keiner Rechtfertigung mehr, warum wir Unternehmertätigkeit nicht als „Arbeit“ bezeichnen. Wir könnten es ja; aber dann wäre es eine Arbeit, die von jeder andern, auch von „leitender“, schon gar bloßer „geistiger“, auch von jener, die der Unternehmer außerhalb seiner Unternehmertaten etwa leistet, der Natur wie der Funktion nach grundverschieden wäre.

Soweit die Unternehmerfunktion Sache des privaten „Geschäftsmannes“ ist, umfaßt sie nicht jede Art von Führung, deren Gegenstand das Wirtschaftsleben sein kann. Auch der Arbeiterführer jeder Kategorie, auch ein Interessenvertreter kann – und nicht bloß auf wirtschaftspolitischem Gebiet – wirtschaftlicher Führer sein.

Die speziell „unternehmerliche“ Art von privater Führerschaft im Wirtschaftsleben ist gefärbt und geformt – sowohl dem Verhalten als auch dem Typus nach – von ihren besonderen Bedingungen. Die Bedeutung der „Autorität“ fehlt nicht, gilt es doch oft, soziale Widerstände zu überwinden und „Beziehungen“ zu erobern und Belastungsproben auszusetzen. Aber sie ist geringer insofern, als es einer „Befehlsgewalt“ über die Produktionsmittel nicht bedarf und das Mitziehen der andern Berufsgenossen zwar immer eine sehr wichtige Folge des Beispiels und Erklärungsgrund wesentlicher Erscheinungen, aber oft nicht zum individuellen Erfolg nötig – im Gegenteil ihm abträglich und vom Unternehmer nicht gewünscht – ist und ohne darauf gerichtetes Tun eintritt. Hingegen ist die Bedeutung jener besonderen Vereinigung von Schärfe und Enge des Gesichtskreises und der Fähigkeit zum Alleingehen um so größer. Und das entscheidet auch über den Typus. Ihm fehlt aller äußere Glanz, wie er bei andern Arten von Führerschaft dadurch gegeben ist, daß gehobene Organstellung die Voraussetzung ihrer Ausübung ist. Ihm fehlt aller persönliche Glanz, wie er bei vielen andern Arten von Führerschaft gegeben sein muß, bei jenen, wo durch „Persönlichkeit“ oder Geltung in einem kritischen sozialen Kreis geführt wird. Seine Aufgabe ist sehr speziell: wer sie lösen kann, braucht in jeder andern Beziehung weder intelligent noch sonst interessant, kultiviert oder in irgendeinem Sinn „hochstehend“ zu sein, kann selbst lächerlich wirken in den sozialen Positionen, in die ihn sein Erfolg ex post stellt. Er ist typisch – dem Wesen nach, aber außerdem (was nicht zusammenzufallen brauchte) historisch –, Emporkömmling und traditionslos, daher oft unsicher, anpassend, ängstlich – alles andere als ein Führer – außerhalb seines Bureaus. Er ist der Revolutionär der Wirtschaft – und der unfreiwillige Pionier sozialer und politischer Revolution –, und seine eignen Genossen verleugnen ihn, wenn sie um einen Schritt weiter sind, so daß er mitunter im Kreis etablierter Industrieller nicht rezipiert ist. In allen diesen Punkten gibt es Analogien mit Führertypen andrer Art. Aber keine dieser erregt so viel Aufsehen und, aus den verschiedensten Gründen, abfällige Kritik. Und die individuellen Qualitätsunterschiede gewinnen hier deshalb eine für das Schicksal des Typus wie für das Schicksal der Wirtschaftsform, der er seinen Stempel aufdrückt, ernste Bedeutung.;

Machen wir uns zum Schluß das Verhalten des Typus – und zwar mit Rücksicht auf den besonderen Zweck unserer Erörterung speziell das Verhalten des privaten, kapitalistischen Unternehmers – in der Weise noch klarer, in der man sich im Leben wie in der Wissenschaft eben das Verhalten von Menschen klarer macht, nämlich durch Eingehen auf die Motive, die dieses Verhalten charakterisieren.

Die Bedeutung der Untersuchung der Motive des „Wirtes schlechtweg“ ist für die ökonomische Theorie des Kreislaufs – nicht natürlich für die soziologische Theorie der Wirtschaftsstile, Wirtschaftsepochen, „Wirtschaftsgeiste“ – dadurch sehr reduziert, daß man das Gleichgewichtssystem ohne alle Berücksichtigung von Motiven darstellen kann.5 Soweit man aber trotzdem die darin beschlossenen Vorgänge „verstehen“, in ihrem Lebenssinn begreifen will, ist die Motivation keineswegs einfach. Mit dem Bild eines rationalen und hedonischen Einzelegoismus ist sie zweifellos nicht richtig erfaßt. Das, was innerhalb bestimmter sozialer Verumständung – bei bestimmter sozialer Struktur und Produktionsverfassung und in gegebener Kulturwelt – und sozialer Gewohnheit und Sitte laufend zu run ist, das erscheint dem Wirtschaftssubjekt vor allem unter dem Gesichtspunkt weitgehend objektivierter Pflicht und nicht als nach individuellem, hedonischem Egoismus rational gewählt. Diese Pflicht kann außenweltlich orientiert sein, oder an der sozialen Gruppe weiterer Spanne (Land, Volk, Stadt, Klasse), oder an einem engeren, durch das Blutsband gegebenen Kreis, oder an der Verkörperung des Betätigungsfeldes (Hof, Fabrik, Firma, Arbeiterschaft), aber nur relativ selten und seit verhältnismäßig kurzer Zeit auch an der eigenen Person – die in diesem Sinn nicht über die Renaissance, in erheblichem Maße nicht über die industrielle Revolution zurückreicht – wo dann „Pflicht“ im Strom des Rationalisierungsprozesses mehr und mehr untergeht in hedonischem Interesse. Gleichwohl kann man im Kreislauf dem wirtschaftlichen Motiv einen präziseren Sinn geben, als wir es einleitend getan haben. Im Kreislauf kommt, vom Beobachter gesehen, nämlich der fundamentale Sinn des Wirtschaftens zum Ausdruck, der Sinn, der erklärt, warum es Wirtschaften überhaupt gibt. Gütererwerb als Inhalt des wirtschaftlichen Motivs heißt in diesem Sinn natürlich Gütererwerb zur Bedarfsdeckung. Wenn man beachtet, daß die Stärke dieses Motivs nach Kultur und sozialem Ort des Subjekts charakteristisch verschieden und immer sozial gegeben ist, ferner, daß es sich nicht einfach um Bedürfnisse einzelner Individuen handelt, sondern auch so gut wie immer um die andrer, für die das Subjekt sorgt – was man entweder so ausdrücken kann, daß der zu deckende Bedarf kein individueller ist, oder zwar individuell, aber derartig, daß er das Bedürfnis, für die Bedürfnisbefriedigung andrer zu sorgen, einschließt – so kann man da ruhig sagen, daß die Vorgänge des Gleichgewichtsstrebens ihr Maß und Gesetz finden in der Welt der von Konsumakten zu erwartenden Bedürfnisbefriedigungen; man kann die ersten aus der letzterem heraus sinndcutend verstehen.6 Und je mehr man die Betrachtung auf Kulturen konzentriert, in denen das soziale Ganze wirtschaftet, indem es die einzelnen Individuen oder Gruppen wirtschaften läßt, Kulturen, in denen die Bindungen weggebrochen sind, die in anderen Individuum oder Teilgruppe hemmend und schützend umgeben, und in denen schließlich der einzelne, zur Persönlichkeit gemodelt, als Individuum kreiert, grundsätzlich auf sich selbst gestellt ist, um so mehr kann man weiter sagen, daß diese Bcdürfnisbefriedigungen – wenngleich nur in einem weiten Sinn – egoistisch gefärbt sind.

Nichts davon kann man in gleichem Sinn von unserem Typus sagen. Egoistisch gefärbt – auch in der Bedeutung von „gesteigertem Egoismus“, Rücksichtslosigkeit – sind zwar seine Motive ganz besonders: Ist er doch ganz besonders traditions- und beziehungslos, der wahre Hebel der Durchbrechung aller Bindungen, und dem System der überindividuellen Werte sowohl der Schicht, aus der er kommt, als auch der Schicht, in die er steigt, ganz besonders fremd; ganz besonders auch Bahnbrecher des modernen Menschen und kapitalistischer, auf das Individuum gestellten Lebensform, nüchterner Denkweise, utilitarischer Philosophie – das Gehirn, das zuerst in der Lage war und Anlaß hatte, Beefsteak und Ideal auf gemeinsame Nenner zu bringen. Rational – im Sinne bewußt gestalteten Verhaltens aber nur, wie wir sofort sehen werden – auch: Hat er doch auszuarbeiten, was die andern fertig vorfinden; ist er doch Vehikel einer Umorganisierung des Wirtschaftslebens in der Richtung privatwirtschaftlicher Zweckmäßigkeit. Aber wenn man dem Motiv der Bedürfnisbefriedigung nicht den präzisen Sinn nimmt, den wir ihm eben gaben und dem es den Inhalt verdankt, der es brauchbar macht, so ist diese Motivation unseres Typus essentiell andersartig – mag man auch, was aber alle Unterschiede verwischt und die Sache zur Tautologie macht, den schmerzfliehenden und lustsuchenden Willen der hedonischen Auffassung menschlichen Handelns so weit fassen können, daß jede Motivation unter dieses Schema fällt: Sein „wirtschaftliches Motiv“ – Streben nach Gütererwerb – ist nicht verankert am Lustgefühl, das die Konsumtion der erworbenen Güter auslöst. Und ist Bedürfnisbefriedigung in diesem Sinn die Ratio des Wirtschaftens, so ist das Verhalten unseres Typus überhaupt irrational oder von einem andersgearteten Rationalismus.

Denn wir beobachten im täglichen Leben, daß die führenden Persönlichkeiten der Volkswirtschaft und überhaupt alle jene, die im Getriebe der Wirtschaft über die Masse emporragen, sehr bald dahin kommen, über bedeutende Mittel zu verfügen. Trotzdem sehen wir sie ihre ganze Kraft dem Erwerbe weiterer Gütermengen widmen, sehr oft ohne einem andern Gedanken Raum zu geben. Streben sie nun nach einem wirtschaftlichen Gleichgewichte, denken sie bei jedem Schritt an bestimmte durch die dabei zu erwerbenden Güter zu deckende Bedürfnisse? Wägen sie bei jedem Schritte die Intensität bestimmter Bedürfnisse gegen einen negativen Wert ab, der einer Unlust des betreffenden Aufwandes an wirtschaftlicher Tätigkeit entspricht? Lassen sich die Motive ihres Handelns in jene zwei Komponenten – Befriedigung und Arbeitsleid – zerlegen, deren Zusammenwirken die vorhandene Menge an Arbeit in den breiten Massen der Wirtschaftssubjekte bestimmt?

Es ist eine Tatsache, daß, nachdem ein gewisser Befriedigungszustand für ein Wirtschaftssubjekt gesichert ist, der Wert weiterer Gütererwerbungen für dasselbe bald sehr tief sinkt. Das Gossensche Gesetz erklärt diese Tatsache und die tägliche Erfahrung lehrt uns, daß über eine, übrigens individuell verschiedene Größe des Einkommens hinaus, die Intensitäten der dann noch unbefriedigten Bedürfnisse außerordentlich gering werden. Für jede Kulturstufe und für jedes konkrete Milieu läßt sich, wenn auch nur in roher Schätzung, eine Einkommenssumme angeben, über die hinaus der Wert der Einkommenseinheit sich der Null nähert. Dem Laien liegt es nahe, zu entgegnen, daß je mehr Mittel einer besitze, desto größer seine Bedürfnisse werden und daß solche neue Bedürfnisse sich mit derselben Energie fühlbar machen wie die alten. Daran ist etwas Wahres. Das Gossensche Gesetz gilt zunächst für einen gegebenen Bedürfnisstand. Mit zunehmenden Mitteln aber entwickelt sich dieser. Die Skala der Wertschätzungen für wachsende Gütermengen wird daher wirklich nicht so schnell sinken, als sie das täte, wenn die in Bedürfnisse dieselben blieben. Aber die zuwachsenden Bedürfnisregungen sind notwendig von immer geringerer Intensität – was für unsere Zwecke durch die Tatsache ausreichend verifiziert ist, daß eine bestimmte Geldsumme für den, dessen ganzen Besitz sie ausmacht, eine ganz andre Bedeutung besitzt als für den Millionär, der von ihr nur die Möglichkeit einer ihm im Grunde ganz gleichgültigen Ausgabe abhängig weiß. Daraus würde nun folgen, daß jene Führer der Volkswirtschaft von einer schier unersättlichen Begierde nach Genuß getrieben und ihre Bedürfnisse ganz besonders intensiv sein müssen, wenn sie wirklich nur deshalb nicht haltmachen sollen, weil der Punkt der Sättigung für sie über alle erreichbaren Grenzen hinausliege.

An einer solchen Interpretation muß man sofort irrewerden, wenn man bedenkt, daß ein solches Verhalten durchaus zweckwidrig wäre. Erwerbstätigkeit ist ein Hindernis für den Genuß gerade jener Güter, die jenseits einer gewissen Einkommensgröße vornehmlich erworben zu werden pflegen. Denn dazu gehört vor allem Muße, und das Verlangen danach und nach der Konsumtion des Erworbenen müßte bald überragende Bedeutung gewinnen. Allerdings ist zuzugeben, daß ein solches vernunftwidriges Verhalten im praktischen Leben Leuten unseres Typus tatsächlich zugeschrieben wird. Näherstehende wie auch Leute, die von ihnen nicht mehr als den Namen kennen, haben sehr häufig diese Auffassung. Und ferner ist auch zuzugeben, daß ein derartiges Verfehlen eines Zieles noch nicht ohne weiteres das Abhandensein darauf gerichteter Motive beweist. Gewohnheit, die einmal erworben, fortwirkt, auch wenn ihre Ratio weggefallen ist, auch andre, halb pathologische Momente können die Erklärung abgeben.

Allein wir bemerken, daß sich bei solchen Leuten geradezu eine bemerkenswerte Gleichgültigkeit, ja selbst Abneigung, gegen untätigen Genuß zeigt. Man braucht sich nur die eine oder die andre der ja so allgemein bekannten Gestalten der Männer, die Wirtschaftsgeschichte gemacht haben, oder auch nur den ersten besten Mann, der ganz in seinen Geschäften aufgeht, zu vergegenwärtigen, um sofort die Wahrheit dieser Behauptung einzusehen. Solche Wirtschaftssubjekte leben freilich meist luxuriös. Aber sie leben luxuriös, weil sie die Mittel dazu haben, sie erwerben nicht, um luxuriös zu leben. Es ist nicht leicht, diesen Tatsachen ganz gerecht zu werden. Persönliche Auffassung und persönliche Erfahrung des Beobachters wird hier eine große Rolle spielen müssen, und es ist von vornherein nicht zu erwarten, daß unsere Behauptung ohne weiteres akzeptiert werden wird. Doch wird man ihr kaum allen Grund absprechen, namentlich dann nicht, wenn man sich nicht auf seine bisherige allgemeine Ansicht und auf vorgefaßte Meinungen verläßt, sondern versucht, einzelne konkrete Repräsentanten unseres Typus zu analysieren. Wenn man das tut, wird man wohl bald sehen, daß scheinbare Ausnahmen sich ungezwungen erklären und namentlich, daß Leute, bei denen das Genußstreben und der Wunsch nach einem bestimmten „hedonischen“ Resultate, besonders nach einem Sich-zur-Ruhe-Setzen bei bestimmter Einkommensgröße, im Vordergrund steht, ihre Position meist nicht eigener Kraft und ihre eventuellen Erfolge nur dem Umstande verdanken, daß eine Persönlichkeit unseres Typus ihnen vorgearbeitet hat. Der typische Unternehmer fragt sich nicht, ob jede Anstrengung, der er sich unterzieht, auch einen ausreichenden „Genußüberschuß“ verspricht. Wenig kümmert er sich um hedonische Früchte seiner Taten. Er schafft rastlos, weil er nicht anders kann, er lebt nicht dazu, um sich des Erworbenen genießend zu erfreuen. Tritt dieser Wunsch auf, so ist das Erlahmen und nicht eine Station auf bisheriger Linie, Vorbote des physischen Todes und nicht Erfüllung. Und auch aus diesem Grund – der andre ist der schon erwähnte, daß, von der Entwicklung in unserem Sinn gesprochen, die „Nachfrage“ kein vom „Angebot“ unabhängiger Faktor ist – kann das Verhalten unseres Typus nicht im gleichen Sinn wie das Verhalten des „Wirtes schlechtweg“ in das Schema eines „Gleichgewichtszustands“ bzw. einer Tendenz nach einem solchen gebracht, aus diesem Grund ferner nicht angenommen werden, daß es – was in einem andern Sinn natürlich gleichwohl behauptet werden kann – in ähnlicher Weise bloß Konsequenzen zieht aus vorhandenen Daten wie dieses.

Unter unserem Bild vom Unternehmerrvpus steht das Motto: plus ultra. Wer sich im Leben umsieht, hört es aus dem Typus heraus – wenngleich nicht immer aus von „philosophischen Anwandlungen“ gefärbten Äußerungen einer Mußestunde. Und die sein Verhalten adäquat interpretierende Motivation liegt nahe genug:

Da ist zunächst der Traum und der Wille, ein privates Reich zu gründen, meist, wenngleich nicht notwendig, auch eine Dynastie. Ein Reich, das Raum gewährt und Machtgefühl, das es im Grund in der modernen Welt nicht geben kann, das aber die nächste Annäherung an Herrenstellung ist, die diese Welt kennt und deren Faszination gerade für solche Leute besonders wirksam ist, die keinen andern Weg zu sozialer Geltung haben. Das wäre des Näheren zu analysieren: Mit „Freiheit“ und „Sockel der Persönlichkeit“ wird man diese Motivation bei dem einen präzisieren können, mit „Einflußsphäre“ beim andern, mit „Snobismus“ beim Dritten; aber darauf kommt es hier nicht weiter an. Diese Motivgruppe steht der Konsumbefriedigung am nächsten. Aber sie fällt nicht mit ihr zusammen: Die Bedürfnisse, die hier befriedigt werden, sind nicht die des „Wirtes schlechtweg“, nicht die, welche die Ratio des Wirtschaftens bilden, und nicht die, auf welche allein deren Gesetze passen.

Da ist sodann der Siegerwille. Kämpfenwollen einerseits, Erfolghabenwollen des Erfolgs als solchen wegen andrerseits. Das Wirtschaftsleben nach beiden Richtungen als an sich indifferente Materie. Gewinngröße als Erfolgsindex – oft nur in Ermangelung eines andern – und Siegespfosten. Wirtschaftliches Handeln als Sport. Finanzieller Wettlauf, noch mehr aber Boxkampf. Wieder gibt es da zahllose Nuancen. Und manche davon – sozial Steigenwollen – verschwimmen mit dem ersten Punkt. Wieder ist das Gesagte für uns ausreichend. Wieder handelt es sich um eine von der spezifisch wirtschaftlichen charakteristisch verschiedene Motivation, um eine der wirtschaftlichen Ratio und ihrem Gesetz fremde. Freude am Gestalten endlich ist eine dritte solche Motivfamilie, die zwar auch sonst vorkommt, aber nur hier das Prinzip des Verhaltens beschließt. Das kann sowohl bloße Freude am Tun sein: Der „Wirt schlechtweg“ bewältigt mühsam seinen Arbeitstag, unser Typus hat einen Kraftüberschuß, der, wie andre Felder der Betätigung, so auch das wirtschaftliche wählen kann und an der Volkswirtschaft ändert und in der Volkswirtschaft wagt, um des Anderns und Wagens und gerade der Schwierigkeiten willens. Als auch speziell Freude am Werk, an der Neuschöpfung als solcher: Sei das nun etwas Selbständiges oder ununterscheidbar von der Freude am Tun. Auch hier werden Güter nicht aus dem Grund und nicht nach dem Gesetz des Grundes erworben, der den »Sinn“ des Gütererwerbs ausmacht.

Nur bei der ersten der drei Motivreihen ist privates Eigentum am Resultat der Unternehmertätigkeit ein wesentlicher Faktor dafür, daß sie wirksam wird. Bei den beiden andern handelt es sich nicht so sehr darum, als vielmehr urn die eigenartig präzise und vom Urteil andrer Leute unabhängige Art, in der im kapitalistischen Leben „Sieg“ und „Erfolg“ gemessen wird und das den Gestalter freuende Werk zustandekommt und sich bewährt. Diese Art ist durch ein andres soziales Arrangement nicht leicht zu ersetzen, aber es ist kein Widersinn, nach einem solchen zu suchen. Zwar müßte in einer den privaten Unternehmer ausschließenden sozialen Organisation nicht nur für sie Ersatz gefunden werden, sondern weiter auch für jene Funktion des Unternehmers, die er erfüllt, wenn er den größten Teil seines Gewinns zurücklegt statt ihn zu verbrauchen; aber das wäre, wenn auch in Praxis schwer, so doch der organisatorischen Idee nach leicht. Deshalb ist die detaillierte realistische Untersuchung der unendlich mannigfaltigen Motive, die man im Wirtschaftsleben feststellen kann, und zwar sowohl ihrer tatsächlichen Wichtigkeit für das Verhalten unseres Typus als auch der Möglichkeiten ihrer Konservierung unter andern Umständen, vielleicht unter anderen stimuli, eine Grundfrage ernstzunehmender „Planwirtschaft“ und ernstzunehmenden Sozialismus.

 

 

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